Das Nipah-Virus: Selten und hochgefährlich | Wissen & Umwelt | DW | 09.09.2021
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Das Nipah-Virus: Selten und hochgefährlich

Erneut ist im indischen Bundesstaat Kerala das tödliche Nipah-Virus ausgebrochen. Das seltene Virus wird von Flughunden übertragen. Wer daran erkrankt, hat geringe Überlebenschancen.

Die Behörden im südlichen indischen Bundesstaat Kerala bemühen sich, einen erneuten Ausbruch des Nipah-Virus einzudämmen. Am 5. September war ein 12-jähriger Junge an dem hochansteckenden Virus gestorben. Die Behörden versuchen jetzt, die Kontaktpersonen ausfindig zu machen und zu isolieren. Das Gebiet wurde weiträumig abgeriegelt. Menschen in den angrenzenden Bezirken wurden alarmiert. 

Es ist der zweite Ausbruch des Nipah-Virus in Kerala innerhalb von drei Jahren. Zusätzlich ist der Bundesstaat stark vom Corona-Virus betroffen. Fast 70 Prozent der rund 40.000 täglich neuen COVID-19-Infektionen werden aus Kerala gemeldet.

Woher stammt das Nipah-Virus?

Das Corona-Virus ist nicht mit dem Nipah-Virus verwandt. Das Nipah-Virus wurde erstmals 1998 in dem malaysischen Dorf Sungai Nipah entdeckt. Bei 229 Personen wurde eine fiebrige Enzephalitis sowie zum Teil eine schwere Infektion der Atemwege beobachtet.

Da zunächst überwiegend Männer betroffen waren, die in Schlachthöfen arbeiteten, lag die Vermutung nahe, dass es einen Zusammenhang mit Infektionen bei Tieren gab. Zeitgleich wurde bei Schweinen in Malaysia ein, vergleichsweise milder, Ausbruch einer fiebrigen Atemwegsinfektion mit unbekanntem Erreger beobachtet. Später stellte sich heraus, dass sich die Arbeiter und die Schweine mit demselben Erreger infiziert hatten. Vorsorglich wurden in Malaysia mehr als eine Millionen Schweine gekeult, was der Hälfte des gesamten Schweinebestands des Landes entsprach.  

Seitdem trat das hochansteckende Virus nur noch sehr vereinzelt auf, etwa 2001 und 2003 in Bangladesh sowie zuletzt 2018 in Kerala.

Wie wird das Virus übertragen?

Ursprünglich kommt das Nipah-Virus in Flughunden (Pteropodidae) vor, die sich von Nektar und Pollen ernähren, wohingegen Fledermäuse Insekten fressen und das Blut von Tieren trinken. Flughunde sind doppelt so groß wie Fledermäuse und orientieren sich mit den Augen, nicht mit Ultraschall. 

Wie das Virus von den Flughunden etwa zu Schweinen, Rindern oder auch Menschen übertragen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Es gibt aber Hinweise, dass sich Menschen wie Tiere durch den Kontakt mit dem Speichel und dem Urin von Flughunden infizieren können. 

Menschen und Tiere können sich direkt untereinander durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion anstecken. Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist ebenfalls möglich. Auch der Genuss von kontaminierten Früchten – etwa solche, von denen Flughunde geknabbert haben, kann zu einer Infektion führen.

Der Ausbruch 2018 in Kerala ging wahrscheinlich auf eine Verseuchung von Trinkwasser zurück: In einem Brunnen, der zum Haus einer betroffenen Familie in Changaroth gehört, waren später tote Flughunde gefunden worden. Zunächst waren zahlreiche Familienmitglieder erkrankt. Später steckten sich dann andere Bekannte der Familie an.

Was richtet das Virus an?

Das Nipah-Virus verursacht eine aggressive Hirnentzündung bzw. Enzephalitis. Die US-Gesundheitsbehörde CDCP nennt eine Inkubationszeit von fünf Tagen bis zu zwei Wochen.

Erste Symptome ähneln denen einer Grippe: Fieber, Übelkeit und starke Kopfschmerzen. Bei einigen Patienten kommen dann auch Atemprobleme hinzu. Später folgen Orientierungslosigkeit, Schwindel und Verwirrung. Innerhalb von ein bis zwei Tagen können Patienten ins Koma fallen und sterben. Die Sterblichkeitsrate bei einer Nipah-Erkrankung liegt bei 70 Prozent.

Menschen decken einen Brunnen mit einem Netz ab

Der Nipah-Virus Ausbruch 2018 begann in diesem Brunnen, wo tote Flughunde gefunden wurden.

Wie lässt sich eine Erkrankung behandeln?

Bisher gibt es keine Impfung oder Medikamente gegen das Nipah-Virus – weder für Tiere noch für Menschen. Bei Patienten können nur die Symptome medikamentös gelindert werden. Erfolge brachte allerdings die Gabe des antiviralen Wirkstoffs Ribavirin, der die Sterblichkeitsrate senken konnte. 

Grundsätzlich müssen Patienten umgehend isoliert in eine Intensivstation gebracht werden, wo die lebenswichtigen Funktionen unterstützt werden können. Kontaktpersonen oder Verdachtsfälle müssen unter Quarantäne gestellt werden, um die Ausbreitung der Infektionskrankheit zu unterbinden.

Update: Der Beitrag wurde am 8. September 2021 grundlegend überarbeitet.

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