Das Nipah-Virus: Selten und hochgefährlich | Wissen & Umwelt | DW | 23.05.2018
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Wissen & Umwelt

Das Nipah-Virus: Selten und hochgefährlich

Zehn Menschen sind im indischen Bundesstaat Kerala nach einer Nipah-Virus Infektion gestorben. Das seltene Virus wird von Fledermäusen übertragen. Wer daran erkrankt, hat geringe Überlebenschancen.

Seit Anfang Mai sind in Indien zehn Menschen am Nipah-Virus gestorben.Etwa hundert Personen, die Kontakt zu den Patienten hatten, wurden unter Quarantäne gestellt. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Woher stammt das Nipah-Virus?

Das Virus wurde erstmals 1998 in dem malaysischen Dorf Sungai Nipah entdeckt. Dort waren nach einem Ausbruch etwa 300 Menschen erkrankt. Von diesen waren innerhalb eines Jahres mehr als 100 gestorben. Das Virus kommt vor allem in fruchtfressenden Fledermäusen vor, kann aber auch andere Tiere wie etwa Schweine, Rinder oder auch Menschen befallen. Nach dem ersten Ausbruch veranlassten die malaysischen Behörden die Tötung von Millionen von Schweinen.

Wie wird das Virus übertragen?

Menschen und Tiere können sich direkt voneinander durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion anstecken. Auch der Genuss von kontaminierten Früchten – etwa solche, von denen vorher Fledermäuse genascht haben – kann zu einer Infektion führen.

2004 kam es in Bangladesch zu einem Ausbruch, nachdem Menschen rohen Dattelpalmen-Saft getrunken hatten. Der Saft wird nicht aus den Früchten, sondern dem Stamm des Baumes gewonnen. Es stellte sich später heraus, dass er mit Spuren von Speichel und Urin von Fledermäusen kontaminiert war.

Der jüngste Ausbruch geht wahrscheinlich auf eine Verseuchung von Trinkwasser zurück: In einem Brunnen, der zum Haus einer betroffenen Familie in Changaroth gehört, waren später tote Fledermäuse gefunden worden. Zunächst waren zahlreiche Familienmitglieder erkrankt. Später steckten sich dann andere Bekannte der Familie an.

Was richtet das Virus an?

Das Nipah-Virus verursacht eine aggressive Hirnentzündung bzw. Enzephalitis. Die US Gesundheitsbehörde CDCP nennt eine Inkubationszeit von fünf Tagen bis zu zwei Wochen.

Erste Symptome ähneln denen einer Grippe: Fieber, Übelkeit und starke Kopfschmerzen. Bei einigen Patienten kommen dann auch Atemprobleme hinzu. Später folgen Orientierungslosigkeit, Schwindel und Verwirrung. Innerhalb von ein bis zwei Tagen können Patienten ins Koma fallen und sterben. Die Sterblichkeitsrate bei einer Nipah-Erkrankung liegt bei 70 Prozent.

Menschen decken einen Brunnen mit einem Netz ab (Getty Images/AFP)

Der jüngste Nipah-Virus Ausbruch begann in diesem Brunnen, wo tote Fledermäuse gefunden wurden.

Wie lässt sich eine Erkrankung behandeln?

Bisher gibt es keine Impfung gegen das Nipah-Virus – weder für Tiere noch für Menschen. Patienten müssen umgehend in eine Intensivstation gebracht werden, wo die lebenswichtigen Funktionen überprüft und unterstützt werden können. Kontaktpersonen oder Verdachtsfälle müssen unter Quarantäne gestellt werden, um die Ausbreitung der Infektionskrankheit zu unterbinden. 

Wie kann man sich schützen?

Um eine Infektion zu vermeiden, sollten nur Mediziner und Pflegepersonal in den betroffenen Gebieten Kontakt zu Kranken haben. Auch sollte man Kontakt zu Haustieren meiden.

Ansonsten sollte man keine rohen Früchte oder Produkte wie Dattelpalmensaft zu sich nehmen. Am besten ist es, Früchte oder Gemüse nur gekocht zu sich zu nehmen.

In Kerala haben die Gesundheitsbehörden spezielle Kliniken für Verdachtspatienten eingerichtet. Gleichzeitig haben sie eine Informationskampagne gestartet, um die Bevölkerung über das richtige Verhalten aufzuklären.

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