Coronavirus: Schwarze Schwanengesänge | Wirtschaft | DW | 04.03.2020
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Corona und Börse

Coronavirus: Schwarze Schwanengesänge

An der Börse ist der Schwarze Schwan das Synonym für unvorhergesehene Ereignisse mit weitreichenden Folgen. Unter Ökonomen wird derzeit darüber diskutiert, wie schlimm die Folgen des Corona-Ausbruchs sein werden.

Als man Gilles Guibout Ende Januar fragte, ob das Coronavirus ein Schwarzer Schwan sein könnte, antwortete er: "Ja, vielleicht für die Firmen, die besonders viel Geschäft in China machen." Seine Meinung hat Gewicht: Guibout ist für die Aktienstrategie von Axa Investment Managers in Europa verantwortlich, einem Vermögensverwalter mit rund 800 Milliarden Euro Anlagevolumen.

Damals war für den Axa-Chefstrategen und den Rest der Investment-Welt aber noch nicht abzusehen, dass das Virus schon längst dabei war, hunderte Menschen rund um Mailand zu infizieren. Mittlerweile ist die Nervosität an den Finanzmärkten weltweit erheblich gestiegen.

Wie lange lähmt Corona die Wirtschaft?

Immer öfter ist vom Schwarzen Schwan die Rede, wenn es um die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus geht. Gemeint ist damit ein völlig überraschendes Ereignis, das äußerst selten und unwahrscheinlich ist, aber verheerende Folgen für Finanzmärkte und Realwirtschaft hat.

USA New York | Aktienmarkt bricht durch Coronavirus ein

Corona lässt die Kurse fallen: Ende Februar erlebte die Wall Street ihre schlimmste Woche seit 2008

Aktuell machen immer häufiger Vergleiche zur Weltfinanzkrise vor mehr als zehn Jahren die Runde. Auch 2008 war es für die Finanzwelt völlig unvorstellbar, dass eine der führenden US-Investmentbanken mit einer 150-jährigen Geschichte Pleite gehen könnte. Und niemand würde bestreiten, dass die Folgen des Lehman-Bankrotts äußerst weitreichend waren.

Damals gingen die Schockwellen von den Finanzmärkten aus und griffen auf die Realwirtschaft über. Heute ist es umgekehrt: Werksschließungen, abgesagte Messen, gestrichene Flugverbindungen und das Verbot für Millionen Menschen, ihre eigenen vier Wände zu verlassen, lassen die reale Wirtschaft schrumpfen. Und wenn dadurch Unternehmen weniger verdienen, dann hat das Folgen für ihre Aktienkurse und damit auch für die Finanzmärkte.

Bangkok | Chinatown

Wenn die reale Wirtschaft zum Erliegen kommt: Vergebliches Warten auf Kundschaft in Bangkoks Chinatown

Seit dem Corona-Ausbruch in China und den weitreichenden Quarantänemaßnahmen der Staats- und Parteiführung ist die Volksrepublik als Motor der Weltkonjunktur weitgehend ausgefallen. Und wenn Ex-Bundesbankchef Axel Weber davon ausgeht, dass die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal um 1,5 Prozent schrumpfen wird, dann kann sich jeder die globalen Folgen ausrechnen - schließlich ist China für fast 20 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung verantwortlich.

Der Meister schweigt

Der Erfinder des Schwarzen Schwans als Schreckgespenst der Finanzmärkte hat sich bisher noch nicht öffentlich zu Wort gemeldet. Nassim Nicholas Taleb, US-Finanzmathematiker, ehemaliger Wall Street-Profi und Bestsellerautor, schweigt. Bereits 2001 hatte der gebürtige Libanese in seinem Buch "Narren des Zufalls" den Begriff des Schwarzen Schwans benutzt, um überraschende Ereignisse mit großer Tragweite in der Finanzwelt zu beschreiben

Als 2007 sein Buch "Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse" erschien, hielt sich das Interesse zunächst noch in Grenzen. Erst nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers ein Jahr später wurde Talebs Werk zum globalen Bestseller.

 

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