Weltklimakonferenz COP30 in Brasilien eröffnet
10. November 2025
In der brasilianischen Amazonas-Stadt Belém hat an diesem Montag die 30. UN-Klimakonferenz (COP30) begonnen. Zum Auftakt rief UN-Klimachef Simon Stiell dringend zum Handeln gegen die Erderwärmung auf: "Wir müssen sowohl bei der Reduzierung der Emissionen als auch bei der Stärkung der Widerstandsfähigkeit viel, viel schneller vorankommen." Nur zu klagen sei keine Strategie, mahnte Stiell, "wir brauchen Lösungen."
An den zweiwöchigen Verhandlungen in Brasilien beteiligen sich Delegationen aus mehr als 190 Staaten, insgesamt werden rund 50.000 Teilnehmer erwartet. Die Bundesregierung ist mit Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) und Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) vertreten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bereits am vergangenen Freitag an einem Auftaktgipfel der Staats- und Regierungschefs teilgenommen.
Wieder eine UN-Klimakonferenz ohne die USA
Viele betrachten die COP30 als wichtigen Test für die Zusammenarbeit zwischen Ländern – gerade jetzt, wo immer mehr Staaten eigene Wege gehen. So nimmt etwa US-Präsident Donald Trump nicht an der Weltklimakonferenz teil. Der Rechtspopulist, der den von Menschen verursachten Klimawandel als den "weltweit größten Betrug aller Zeiten" bezeichnet, schickt nicht einmal hochrangige Regierungsvertreter nach Brasilien.
Da der US-Präsident erneut denAusstieg seines Landes aus dem Pariser Klimaabkommen verfügt hat und die US-Mittel für die Energiewende und Entwicklungshilfe zusammenstreicht, liefert er anderen Staaten möglicherweise zudem eine Ausrede für unzureichende Maßnahmen gegen die Klimakrise.
Auch vor diesem Hintergrund mahnte der brasilianische COP-Präsident André Corrêa do Lago, dass die Länder beim Klimaschutz zusammen arbeiten müssten. Die 30. UN-Klimakonferenz müsse Lösungen präsentieren und als "COP der Umsetzung" in Erinnerung bleiben.
UN-Klimachef warnt vor extremem Wohlstandsverlust durch die Klimakrise
Schon jetzt ist klar: Die Klimaschutzzusagen der Länder und die Unterstützung ärmerer Staaten sind schon jetzt völlig unzureichend.
Dabei könne sich das kein einziges Land leisten, da Klimakatastrophen inzwischen zweistellige Einbußen beim Bruttoinlandsprodukt verursachten, mahnte UN-Klimachef Stiell in seiner Auftaktrede.
Beim Klimaschutz zu zögern, während Mega-Dürren Ernten zerstörten und die Lebensmittelpreise in die Höhe trieben sei weder wirtschaftlich noch politisch sinnvoll. "Dass wir uns streiten, während Hungersnöte Millionen Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat zwingen und sich Konflikte ausbreiten, wird man uns niemals verzeihen. Dass Klimakatastrophen Millionen Menschenleben vernichten, obwohl wir bereits Lösungen haben, wird uns niemals vergeben werden."
Der Präsident des Gastgeberlandes Brasilien, Lula da Silva, sagte: "Der Klimawandel ist keine Bedrohung der Zukunft - er ist bereits eine Tragödie der Gegenwart."
Erst jüngst hätten Hurrikan Melissa in der Karibik und ein Tornado im Süden Brasiliens Todesopfer gefordert. "Dürren und Brände in Afrika und Europa, Überschwemmungen in Südamerika und Südostasien: Der Anstieg der globalen Temperatur verursacht Leid und Zerstörung". Die COP30 werde die Konferenz der Wahrheit sein, mahnte Lula.
Die EU hat zur COP30 nur vage Klimaziele im Gepäck
Im Pariser Klimaabkommen hatten sich die Staaten vor zehn Jahren darauf geeinigt, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Dieses Ziel habe die Weltgemeinschaft aber bereits verfehlt, sagte UN-Generalsekretär António Guterres in der vergangenen Woche.
Derzeit steuert die Erde vielmehr auf eine gefährliche Erhitzung um etwa drei Grad zu. Nun sind Maßnahmen gefragt, mit denen die Erde vor Ende des Jahrhunderts auf den 1,5-Grad-Pfad zurückkehren kann.
Trotzdem sind bislang nur etwa 100 der gut 190 Staaten des Pariser Abkommens der UN-Aufforderung nachgekommen, dieses Jahr nachgebesserte nationale Klimaziele vorzulegen. Die EU-Delegation reist mit dem vagen Ziel an, bis 2035 die Emissionen in der Europäischen Union um 66,25 bis 72,5 Prozent zu verringern.
Weiter ungelöst: eine gerechte Klimafinanzierung
Auch das Ringen um die Klimafinanzierung für ärmere Länder dürfte sich in Belém äußerst schwierig gestalten. Bei der COP29 in Aserbaidschan war im vergangenen Jahr zugesagt worden, dass die Entwicklungsländer bis 2035 jährlich 300 Milliarden Dollar für den Kampf gegen den Klimawandel und die Anpassung an seine Auswirkungen bekommen sollen. In Belém wird es nun darum gehen, woher genau die Summe kommen soll, die nach Angaben von Betroffenen und Experten deutlich unter dem tatsächlichen Bedarf liegt. Sie geben die Summe mit rund 1,3 Billionen Dollar an.
Ein weiterer Schwerpunkte der Konferenz ist außerdem der Schutz der Tropenwälder. Gastgeber Brasilien hat dazu im Vorfeld der COP30 den globalen Tropenwaldschutz-Fonds TFFF gestartet. Staaten wie Norwegen und Frankreich haben bereits konkrete Summen zugesagt. Bundeskanzler Merz hatte in seiner Rede in Belém lediglich von einem "namhaften" deutschen Beitrag für den Fonds gesprochen und zugleich betont, dass Klimaschutz und Wirtschaftswachstum "Hand in Hand" gehen müssten.