1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
KlimaGlobal

Cop30: Hoffen auf positive Signale aus Belém

6. November 2025

Vor dem Start der Klimakonferenz treffen sich in Brasilien internationale Regierungschefs. Experten hoffen auf ein deutliches Bekenntnis zur Senkung von Emissionen und Impulse für die globale Zusammenarbeit.

https://p.dw.com/p/538f6
Ein toter Baum liegt auf der Erde im Amazonas-Wald, Abholzung Rodung Regenwald
Die Entwaldung im Amazonas geht weiter - wenn auch in geringerem UmfangBild: Alberto Araújo/Amazônia Real

Staats- und Regierungschefs aus aller Welt beraten am Donnerstag und Freitag in der brasilianischen Stadt Belém bei einem globalen Gipfeltreffen im Vorfeld der UN-Klimakonferenz.

Der diesjährige Gipfel findet im Herzen des Amazonasgebiets statt, einer gefährdeten Region, die für die globale Klimastabilität von entscheidender Bedeutung ist. Zugleich wächst der Druck, die Emissionen von Treibhausgasen drastisch zu senken, um die Zunahme von tödlichen Extremwetterereignissen durch die Erderhitzung einzudämmen.

Erwartet werden fast 60 Regierungschefs, darunter der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz , der britische Premierminister Keir Starmer und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Führung ist wichtiger denn je

Auch wenn von dem Treffen der Staats- und Regierungschefs keine konkreten Klimalösungen erwartet werden, kann das Treffen entscheidend sein für die Ausrichtung der UN-Konferenz, sagt Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

"Ohne das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs vorher hätte es kein Pariser Klimaabkommen gegeben", so Rockström. Die Anwesenheit von Staats- und Regierungschefs wie der damaligen deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama sei im Jahr 2015 entscheidend für das Zustandekommen des wegweisenden Abkommens gewesen. Die Länder vereinbarten darin, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad und auf möglichst 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

Der Gipfel der Staats- und Regierungschefs sei wie ein "Leitstern" für Verhandlungen auf der nächste Woche beginnenden Klimakonferenz, so Rockström.

Die diesjährigen Gespräche finden in einem schwierigen Umfeld statt, das geprägt ist von geopolitischen Spannungen, Kriegen, wirtschaftlicher Unsicherheit aufgrund der US-Zölle, sowie dem US-Austritt aus dem Pariser Abkommen unter Donald Trump und seiner Politik gegen klimafreundliche Energien .

Aufgrund der geopolitischen Instabilität und der Unsicherheit auf den Märkten sei der Gipfel der Regierungschefs wichtiger denn je, sagt Marc Weissgerber, Geschäftsführer von E3G in Deutschland, einem unabhängigen Klima-Thinktank. "Länder, Industrie, Investoren und Bürger sind sich nicht so sicher, wohin der Weg führt."

Luftaufnahme eines Regenwald-Gebietes mit grossen Flüssen, im Hintergrund sieht man die Skyline der Stadt Belém. Brasilien Belém 2025
Die Stadt Belém liegt an der Mündung des Rio Guamá in den Rio Pará, an der Mündung des am Amazonas-Deltas in den Atlantischen Ozean. Sie ist Austragungsort der Klimakonferenz vom 10. - 21 November 2025 Bild: Anderson Coelho/REUTERS

Eine Chance, den Emissionskurs zu ändern

Eine "Kurskorrektur", die den Ton neu setzt, das erhofft sich Lien Vandamme, leitende Kampagnenleiterin für Menschenrechte und Klimawandel beim Center for International Environmental Law.

Führende Politiker, insbesondere aus wohlhabenden Ländern, müssten deutlich machen, dass sie ihre Ambitionen und ihre Verantwortung für die Senkung der Emissionen im Einklang mit dem Pariser Abkommen massiv erhöhen wollen, sagt sie.

Eine Woche vor Beginn der COP30 hatten nur etwa ein Drittel der Länder ihre nationalen Ziele zur Emissionsreduzierung vorgelegt. Zusammengenommen würden damit die Emissionen nur um etwa 10 Prozent bis 2035 im Vergleich zu 2019 gesenkt. Das ist nur ein Sechstel dessen, was Wissenschaftler für notwendig halten.

Die Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfel müssten eine politische Botschaft senden, die anerkennt, dass wir "auf dem Weg in die Katastrophe sind", sagt Rockström.

Nach Angaben der Vereinten Nationen könnte die aktuelle Klimapolitik dazu führen, dass sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um mehr als 3 Grad Celsius erwärmt, was laut Rockström "unüberschaubare Folgen für die Menschheit" hätte.

Bekräftigung des 1,5-Grad-Ziels des Pariser Abkommens

Laut einem neuen UN-Report wird die globale Durchschnittstemperatur die 1,5-Grad-Grenze in den kommenden Jahrzehnten mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest vorübergehend überschreiten - mit "verheerenden" Konsequenzen für die Welt, so UN-Generalsekretär António Guterres.

Wissenschaftler betrachten die 1,5-Grad-Grenze als eine sehr wichtige Verteidigungslinie gegen die schwerwiegendsten und irreversiblen Schäden des Klimawandels.

Rockström hält es für unerlässlich, dass die Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfel ihr Bekenntnis zu diesem Temperaturziel bekräftigen. "Was ich befürchte – und was wir nicht zulassen dürfen – ist, dass erste Vorschläge aufkommen, die 1,5-Grad-Grenze aufzugeben", sagt Rockström.

Er fügt hinzu, dass schneller zu fahren als die erlaubte Höchstgeschwindigkeit im Straßenverkehr auch nicht bedeuten würde, Geschwindigkeitsbeschränkungen insgesamt abzuschaffen.

Die Staats- und Regierungschefs müssten den Gipfel nutzen, um ihr Scheitern einzugestehen und gleichzeitig zu versprechen, dass sie alles tun werden, um die Überschreitung des im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziels so gering wie möglich zu halten. "Das wird den Verhandlungen enorm helfen."

Konkrete Zusagen zur Klimafinanzierung

Weissgerber betont die Notwendigkeit konkreterer Zusagen zur Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen, die derzeit "völlig unterfinanziert" seien.

Er fordert, dass die Staats- und Regierungschefs klare Signale senden, wie sie das auf der Klimakonferenz in Baku im letzten Jahr vereinbarte Ziel von 300 Milliarden US-Dollar für Klimaschutz bis 2035 erreichen wollen.

Damit sollen Entwicklungsländer bei der Bewältigung von Klimakatastrophen und beim Übergang zu sauberer Energie unterstützt werden.

Er hofft auch auf ehrgeizigere Ziele für die sogenannte "Baku-to-Belem-Roadmap". Sie zielt darauf ab, bis 2035 jährlich 1,3 Billionen US-Dollar an öffentlichen und privaten Mitteln aufzubringen, damit Entwicklungsländer Anpassungspläne und eine kohlenstoffarme wirtschaftliche Entwicklung unterstützen können. 

Carsten Elsner, Forscher am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie, sagt, dass Brasiliens Vorzeigeinitiative "Tropical Forest Forever Facility" (TFFF) bei den Gesprächen wahrscheinlich eine wichtige Rolle spielen werde.

Die TFFF ist ein vorgeschlagener globaler Naturschutzfonds in Höhe von 125 Milliarden Dollar, der Länder entsprechend dem Umfang ihres Waldschutzes finanziell unterstützen würde. 

Überflutete Straßen und Häuser mit flachen Dächern. Die Landschaft steht unter Wasser bis zum Horizont JACOBABAD, PAKISTAN, Oktober 2025:
Immer mehr Überschwemmungen: Die Emissionen müssen sinken, um die starke Zunahme von Klimakatastrophen einzudämmen. Die Regierungschefs können Maßnahmen beschießenBild: IMAGO/Newscom World

Er fügte hinzu, dass der Fonds für bestimmte Geberländer attraktiv sein könnte, da er im Gegensatz zu anderen Fonds eine Rendite auf Investitionen verspreche. "Ich denke, dass die Länder sich dafür entscheiden werden ... es ist etwas, das bestimmte Länder wirklich in einer Koalition zusammenbringen kann", sagt Elsner.

Stärkung der globalen Zusammenarbeit nötig 

Experten zufolge wird eine der Herausforderungen des Gipfels darin bestehen, tiefe politische Gräben und die schwächelnde internationale Zusammenarbeit zu überwinden.

Für Vandamme biete das Treffen der Staats- und Regierungschefs die Gelegenheit zu signalisieren, dass trotz der Krise des Multilateralismus weiterhin Vertrauen in die globale Zusammenarbeit bestehe. Die internationale Klimadiplomatie müsse nun beweisen, dass es die notwendigen Lösungen zur Bewältigung der Klimakrise liefern könne.

Im Vorfeld des Gipfels erklärte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums, dass das Prinzip der internationalen Zusammenarbeit unter Druck stehe. Die Gespräche in Brasilien seien "eine Chance, zu zeigen, dass die übergroße Mehrheit der Staatengemeinschaft weiter zusammenarbeiten will, um das Menschheitsproblem Klimawandel zu lösen." 

Nach dem Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen werde man beim Gipfeltreffen auch die Entstehung "neuer Allianzen" beobachten können, erwartet Weissgerber. Er geht davon aus, dass große Emittenten wie Brasilien, die EU, Großbritannien und China eine stärkere Führungsrolle übernehmen werden.

Vandamme ergänzt, dass sie auch darauf achten werde, ob die Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfel auf das historische Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zu den rechtlichen Verpflichtungen der Staaten in Bezug auf den Klimawandel reagieren. Das Urteil vom Juli dieses Jahres könnte dazu führen, dass stark betroffene Staaten von den größten Umweltverschmutzern Entschädigungszahlungen fordern.

Der Bericht wurde aus dem Englischen adaptiert von Gero Rueter.

 

Marina Silva: Brasiliens Stimme für das Klima

Holly Young Holly Young ist Klimareporterin bei der DW Umweltredaktion in Berlin.@holly_young88
Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen