CO2-neutral bis 2050: 9 Charts zeigen, wie weit wir davon entfernt sind | Wissen & Umwelt | DW | 09.11.2021
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Wissen & Umwelt

CO2-neutral bis 2050: 9 Charts zeigen, wie weit wir davon entfernt sind

Auf der Klimakonferenz COP26 beraten Politiker aus aller Welt, wie der Klimawandel begrenzt werden soll. Dafür ist ein drastischer Umschwung nötig.

Symbolbild Alternative Energien

Wir müssen auf erneuerbare Energien setzen, wenn wir die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen wollen

Um CO2-neutral zu werden, müssten alle Länder ihre Wirtschaft umbauen. Dafür soll die ausgestoßene Menge Kohlendioxyd auch wieder aus der Atmosphäre entfernt – oder erst gar nicht produziert werden.

#1 Wie sehr hängen wir von fossilen Brennstoffen ab?

Ein Ende von Kohle, Öl und Gas wäre ein wichtiger erster Schritt Richtung CO2-Neutralität. Allerdings hängen die meisten Volkswirtschaften derzeit noch sehr stark von fossilen Brennstoffen ab – und der Anteil von erneuerbaren Energiequellen im Energieverbrauch steigt nur sehr langsam.

Datenvisualisierung COP26 Energieverbrauch nach Energiequelle über die Zeit DEU

Dass eine Energieversorgung ohne oder zumindest mit weniger fossiler Energie möglich ist, zeigen Länder wie Norwegen, das in Europa mit 70% den höchsten Anteil an grüner Energie nutzt. In Amerika liegt Brasilien mit 46% vorn und Neuseeland mit 37% in der Asien-Pazifik-Region. Afrika und der Nahe Osten nutzen noch vergleichsweise wenig erneuerbare Energie. Marokko hat mit 8% in den höchsten Anteil auf dem afrikanischen Kontinent, im Nahen Osten ist es Israel mit 5%.

Den höchsten Verbrauch an Kohle, Öl und Gas haben Länder wie Saudi-Arabien oder Algerien. Auch Trinidad & Tobago und Turkmenistan decken mehr als 99% ihres Energieverbrauchs durch fossile Brennstoffe. In Europa verbraucht Polen mit 93% den größten Anteil fossiler Energien im Energiemix.

Allerdings: Die mit Abstand meisten Kohleschlote rauchen in drei anderen Ländern – China (2990 Kraftwerke), Indien (855) und den USA (498). Ihren Rangplatz als Top 3 haben die drei Länder behalten, obwohl sie zusammen seit dem Jahr 2000 insgesamt rund 3.700 Kohlekraftwerke eingemottet, abgeschaltet oder abgebaut haben. Das zeigen Zahlen des Global Energy Monitors.

Datenvisualisierung COP26 Kohlekraftwerke weltweit nach Status DEU

Um das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten, müsste weltweit rund 80 Prozent weniger Kohle-Energie produziert werden: von 9.300 Terawatt-Stunden im Jahr 2020 dürften 2030 nur noch 1.700 TWh übrig sein.

#2 Woher kommt die Energie für Strom und Heizung?

Energie wird in drei großen Bereichen verbraucht: Verkehr, Strom und Wärme.

Wärme ist dabei der größte Faktor, so eine Analyse der Internationalen Energie-Agentur (IEA): "Wärme für Häuser, Industrie und andere Anwendungen ist für rund die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs verantwortlich."

Derzeit kommen rund 10 Prozent der Energie für Wärme aus erneuerbaren Quellen – ein Anteil, der sich bis 2030 verdoppeln wird, projiziert die IEA.

Datenvisualisierung COP26 Verkauf von Heiztechnologien DEU

In Mehrfamilien-Häusern mit vielen Wohnungen können Mieter eher selten selbst wählen, welche Energiequelle sie für die eigene Heizung möchten. Mehr Einfluss haben Verbraucher allerdings bei der Wahl der Stromquelle.

Länder im Nahen Osten produzieren derzeit noch den geringsten Anteil an grüner Energie (3%). Andere Regionen wie Afrika (22%) und besonders Südamerika (66%) schneiden deutlich besser ab. Diese Unterschiede sind interessant, denn die drei Regionen produzieren jeweils eine ähnliche Gesamtmenge Energie.

Datenvisualisierung COP26 Stromerzeugung nach Energiequelle und Region DEU

Strom ist nicht nur für die Versorgung von Wohnungen und Häusern wichtig, sondern auch für einen kohlenstoff-neutralen Verkehrssektor. Denn Elektroautos sind nur dann wirklich klimafreundlich, wenn der Strom für ihren Antrieb aus erneuerbaren Energiequellen stammt.

#3 Wie verändert sich der Verkehrssektor?

Nur sehr langsam. Zwar sinken die Verkaufszahlen für Autos mit Verbrennungsmotor. Doch noch sind relativ wenige Elektroautos unterwegs. Von den rund 66 Millionen verkauften Autos im Jahr 2020 hatten nur 4,3% (rund drei Millionen) einen elektrischen Antrieb.

Datenvisualisierung COP26 Verkaufszahlen Elektro-Autos vs konventionelle Autos DEU

Für andere Verkehrsmittel wie etwa Flugzeuge – die für 2,5% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind – gibt es noch keine nennenswerten emissionsarmen Alternativen. Immerhin hat Airbus angekündigt bis 2035 ein erstes Null-Emissions-Flugzeug für den kommerziellen Flugverkehr zu entwickeln.

#4 Wie gut schützen wir unsere Ökosysteme?

Kurz gesagt: Nicht gut genug. Obwohl der Wald weltweit in den letzten Jahrzehnten gewachsen ist – am meisten zwischen 2000 und 2010 mit 10 Millionen Hektar pro Jahr – konnte das die globalen Waldverluste durch Rodungen nicht ausgleichen

Datenvisualisierung COP26 Jährliches Waldwachstum nach Jahrzehnt DEU

Die Bilanz von Waldwachstum und Entwaldung in den letzten Jahrzehnten zeigt: Die Aufforstungs-Bemühungen in Südamerika und Afrika reichen nicht aus, um die Abholzung dort auszugleichen.

Datenvisualisierung COP26 Aufforstung und Entwaldung nach Region über die Zeit DEU

Das ist besonders bemerkenswert, da beide Regionen eine andere – eigentlich positive – Rangliste anführen: Von ihren Wäldern liegt ein besonders großer Anteil innerhalb von Naturschutzgebieten. Das wirft die Frage auf, wie effektiv dieser Schutz tatsächlich ist.

Datenvisualisierung COP26 Waldanteil in Naturschutzgebieten DEU

#5 Wie haben sich die Investitionen in erneuerbare Energien entwickelt?

Grüne Energie erlebt einen Aufwärtstrend in Sachen Investition. Nach Zahlen der IEA hat der erneuerbare Energien Sektor in den letzten Jahren mehr Investitionen erhalten als fossile Brennstoffe oder Atomenergie.

Datenvisualisierung COP26 Investitionen in Energieversorgung DEU

 

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