Bolsonaro lässt Amazonas-Gipfel sausen | Aktuell Amerika | DW | 03.09.2019
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Brasilien

Bolsonaro lässt Amazonas-Gipfel sausen

Bald nur noch Flüssignahrung: Brasiliens Präsident muss sich auf eine Operation vorbereiten. Deshalb wird er beim Amazonas-Gipfel in Kolumbien nicht dabei sein.

Brasiliens ultrarechter Präsident Jair Bolsonaro hat seine geplante Teilnahme an einem Amazonas-Gipfel zu den verheerenden Waldbränden in der Region abgesagt. Bolsonaro müsse sich auf einen für nächste Woche anberaumten medizinischen Eingriff vorbereiten, sagte ein Regierungssprecher am Montag. Die Regierung in Brasília erwägt, einen Stellvertreter zu dem Gipfel nach Kolumbien zu schicken oder um eine Verschiebung des Treffens zu bitten.

Bolsonaro müsse sich ab dem kommenden Freitag einer Flüssig-Diät unterziehen, sagte der Sprecher. Zum vierten Mal, seit er während seines Wahlkampfes vor einem Jahr niedergestochen wurde, muss Bolsonaro operiert werden. Bei dem Eingriff in São Paulo nächste Woche soll ein Narbenbruch behandelt werden. Bolsonaros Ärzte erklärten, der Präsident brauche anschließend eine zehntägige Erholungsphase.

Abbrennen von Flächen für 60 Tage untersagt

 Am Freitag beginnt der Amazonas-Gipfel im kolumbianischen Leticia. Bei dem regionalen Gipfeltreffen soll es um die schweren Waldbrände gehen, die derzeit im Amazonasgebiet wüten. Die Brände sorgen seit einigen Wochen für Streit zwischen Bolsonaro und internationalen Regierungen. Unter wachsendem Druck hatte Bolsonaro am Donnerstag ein Dekret erlassen, das das Abbrennen von Flächen für 60 Tage untersagt. Zuvor hatte Bolsonaro von den G7-Staaten bewilligte Soforthilfen für die Bekämpfung der Brände abgelehnt. Später lenkte er ein und erklärte, die Hilfe unter bestimmten Bedingungen akzeptieren zu wollen.

Brasilien Waldbrände in Porto Velho (Reuters/U. Marcelino)

In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahm die Zahl der Feuer und Brandrodungen im Vergleich zum Vorjahr um 82 Prozent zu.

Umweltschützer machen Bolsonaro dafür verantwortlich, dass Rodungen und Brände im Amazonasgebiet in diesem Jahr massiv zugenommen haben. Der Staatschef ist eng mit der brasilianischen Agrarlobby verbündet und hat Umweltschutzauflagen gelockert.

Unzufriedenheit der Brasilianer wächst

Die Popularität Bolsonaros hat einer Umfrage zufolge durch sein Verhalten im Streit um die heftigen Brände gelitten. 38 Prozent der Brasilianer lehnten seine Politik und sein Verhalten ab, ergab eine Umfrage des Datafolha-Instituts im Auftrag der Zeitung "Folha de São Paulo". Das seien fünf Prozentpunkte mehr, als noch im Juli, schrieb die Zeitung. Auch die Zahl der Brasilianer, die mit der Politik des extrem rechten Präsidenten einverstanden sind, sei in dem Zeitraum von 33 auf 29 Prozent gefallen. 
 

mir/sti (afp, dpa) 

 

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