Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr wird 80 | Musik | DW | 07.07.2020
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Musik

Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr wird 80

Als Drummer der Beatles wurde Richard Starkey alias Ringo Starr zum Weltstar. Nun feiert Sir Ringo seinen 80. Geburtstag - mit einem Online-Benefizkonzert.

"Mal ehrlich, Ringo Starr ist nicht der beste Schlagzeuger der Welt, er ist nicht mal der Beste der Beatles", scherzte 1981 ein britischer Komiker. Über Jahrzehnte hielt sich das Gerücht, Beatles-Mastermind John Lennon habe das gesagt über Ringo Starr, der ab 1962 Drummer der Beatles war. Dieser "Scherz" klebt bis heute an ihm – und das ist bezeichnend für seine Karriere, die ihn zwar mit den Beatles zu Weltruhm führte, die ihn allerdings auch stets etwas im Schatten der Giganten John Lennon und Paul McCartney stehen ließ.

Überschattet war auch die Kindheit im Liverpooler Stadtteil Dingle, wo Richard Starkey, so sein bürgerlicher Name, am 7. Juli 1940 als Sohn des Arbeiters Richard Starkey geboren wurde. Es war "die andere Seite von Liverpool", wie sie Starr 2010 im autobiografischen Song "The Other Side of Liverpool" besang. "Der einzige Weg hier raus: Schlagzeug, Gitarre und Verstärker" heißt es da. Dieser Weg heraus aus einer Kindheit und Jugend, die geprägt war von Armut und einer Tuberkulose-Erkrankung, vom Kleinkrieg Liverpooler Gangs und einer Lehre als Maschinenbauer.

 Ringo Starr am Schlagzeug (imago images/Everett Collection)

Die Musik half Ringo Starr aus der Armut und Trostlosigkeit seiner Jugend heraus

Starkey ersetzt Best bei den Beatles

Es begann, als Starkey Drummer der Liverpooler Band Rory Storm & The Hurricanes wurde: Im Frühjahr 1962 traf die Gruppe bei einem gemeinsamen Konzert im Hamburger Kaiserkeller auf eine bereits zu diesem Zeitpunkt berühmte Band aus Liverpool: The Beatles. Dabei dämmerte es John Lennon und Paul McCartney, dass Starkey an den Drums womöglich besser zu ihnen passe als der bisherige Schlagzeuger Pete Best.

Gesagt, getan: Zurück in Liverpool sprang Starkey mehrfach für den verhinderten Best ein, ab August 1962 übernahm er dessen Platz dann dauerhaft. Sang- und klanglos verlief diese Rochade indes nicht: Laut manchen Beatles-Historikern kam es 1962 bei einem Konzert im Liverpooler Cavern Club unter "Pete forever, Ringo never!"-Rufen zu gewaltsamen Protesten von Pete-Best-Fans. Die bald einsetzende, weltweite Beatle-Mania machte derlei allerdings schnell vergessen.

THE BEATLES: GEORGE HARRISON, PAUL MCCARTNEY, RINGO STARR, Manager BRIAN EPSTEIN and JOHN LENNON. (imago stock&people)

Die Beatles 1964 mit ihrem Manager Brian Epstein

Als Songwriter beinahe vergessen

Bis zum Ende der Beatles 1970 blieb Ringo Starr der unangefochtene Schlagzeuger der Band. Und er hatte noch weitere Funktionen inne: etwa die des Klassenclowns – oder als bodenständiges Gegengewicht zu manchen Eitelkeiten seiner Bandkollegen, etwa den Selbststilisierungen des späten John Lennon.

Auch als Sänger ist Ringo Starr auf den meisten Beatles-Alben präsent, Lennon und McCartney passten Melodien eigens an dessen Bariton an. Dass der Drummer aber auch als Songwriter zum Beatles-Werk beitrug, fällt oft unter den Tisch. Die Komposition von "Don‘t Pass Me By" etwa entstammt laut Credits seiner Feder, ebenso "Octopus's Garden", inspiriert durch eine Reise nach Sardinien im August 1968 auf der Yacht seines Freundes, dem Schauspieler Peter Sellers. Starr war dorthin geflohen, weil er genug hatte vom Zwist innerhalb der Band bei den Aufnahmen zum "Weißen Album".

Holprige Solo-Karriere

Nach der Trennung der Beatles wartete Starr 1973 mit einem ersten, konsequent schlicht "Ringo" betitelten Solo-Album auf, bei dem die übrigen Ex-Beatles als Gastmusiker mitmachten. Es sollte kommerziell wie musikalisch der Zenit seiner Solo-Karriere werden. Starr verlegte sich danach aufs Schauspielern und wirkte in mehreren Film mit. Bei den Dreharbeiten zur Steinzeit-Komödie "Caveman" lernte er 1981 Schauspielerin und Ex-"Bond-Girl" Barbara Bach kennen, die seine Frau wurde. Die Ehe mit Maureen Cox war 1975 geschieden worden. Die beiden haben drei gemeinsame Kinder.

Ringo Starr mit Gattin Barbara Bach (imago images/UPI Photo)

Ringo Starr mit Gattin Barbara Bach

Parallel zum künstlerischen Niedergang Starrs verdichteten sich Hinweise auf seine Abhängigkeit von Alkohol und anderen Drogen. "Ich wusste nicht, wie du etwas machst, wenn du nicht betrunken bist – da war ich gelandet", erzählte Starr 2019 in einem Interview über diese Zeit. Gemeinsam mit Barbara Bach machte er einen Entzug. Heute ist Starr nach eigener Aussage eher von Broccoli, Blaubeeren und Workout abhängig.

Karitatives Engagement

Bereits ab 1971 engagierte sich Starr immer wieder auch karitativ, etwa mit Auftritten bei Benefizkonzerten. Dafür und für sein Lebenswerk wurde er 2018 von Prinz William zum Ritter geschlagen, womit er mit Sir Paul McCartney gleichzog.

Ringo Star mit der Ritter-Medaille (imago images/Images/S. Lock)

Mit dieser Medaille hieß es ab 2018: "Sir" Ringo Starr

Und so passt es ins Bild, dass Sir Ringo Starr nun seinen 80. Geburtstag am 7. Juli 2020 zwar krachend, aber eben auch karitativ feiert: mit einem Benefizkonzert, unter anderem mit seinem alten Kollegen McCartney, Sheryl Crow und Ben Harper. Gewidmet ist der Erlös der Hilfsorganisation Wateraid, der David Lynch Foundation sowie der Black-Lives-Matter-Bewegung. Für das Netzwerk hatte sich Ringo Starr zuletzt auch in Interviews und via Twitter stark gemacht.

Corona-bedingt wird das Geburtstagskonzert am 7. Juli live über Ringo Starrs YouTube-Kanal ausgestrahlt – vor Ort an Ringo Starrs Wohnort in Beverly Hills in Los Angeles ist es dann 17 Uhr am Nachmittag, in Deutschland 2 Uhr nachts. 

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