Asylanträge in der EU 2025 um ein Fünftel gesunken
3. März 2026
Die Zahl der Asylanträge in der Europäischen Union ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Die EU-Staaten sowie Norwegen und die Schweiz verzeichneten insgesamt rund 822.000 Anträge - 19 Prozent weniger als 2024, wie die EU-Asylagentur im maltesischen Valletta mitteilte. Bereits 2024 war die Zahl der Anträge um elf Prozent gesunken. Anerkannt wurde 2025 knapp jedes dritte Asylgesuch.
In Deutschland, dem Land mit den meisten Asylanträgen, ging deren Zahl um ein Drittel auf 163.000 zurück. Hauptgrund war laut Jahresbericht, dass nach dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien Ende 2024 weniger Menschen aus dem Land um Asyl nachsuchten. Die meisten EU-Länder stoppten zudem die Bearbeitung dieser Anträge, um die neue Lage in Syrien zu bewerten.
"Konsequentes Engagement entlang der Migrationsrouten"
EU-Migrationskommissar Magnus Brunner führte die Entwicklung auch auf die europäische Migrationspolitik zurück. Das Asylrecht der Europäischen Union wurde zuletzt verschärft. Diese Änderungen schlagen sich aber noch nicht in der Statistik nieder. Ein "zentraler Faktor" sei dagegen "unser konsequentes Engagement in den Ländern entlang der Migrationsrouten", betonte Brunner. Die EU verstärkte zuletzt die Zusammenarbeit mit Ländern wie Ägypten oder Libyen - auch um Migranten davon abzuhalten, irregulär nach Europa zu kommen.
Menschenrechtler kritisieren dies, da vor allem aus Libyen immer wieder systematische Folter und Menschenhandel gemeldet werden. Nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 sind die staatlichen Strukturen weitgehend zusammengebrochen, das nordafrikanische Land versinkt in Chaos und Gewalt.
Herkunftsland Nummer eins: Afghanistan
Europaweit die meisten Asylanträge stellten Afghanen. Die Zahl der Anträge stieg um ein Drittel auf 117.000. Die EU-Asylagentur begründete das mit einem Urteil des Gerichtshofs der EU, der im Oktober 2024 bestätigt hatte, die von den Taliban auferlegten Beschränkungen für Frauen kämen einer Verfolgung gleich. Viele der Anträge im Jahr 2025 waren daher Folgeanträge; sie spiegeln keine Neuankünfte in den Ländern wider.
In Deutschland ziehen zudem zahlreiche Afghanen gegen widerrufene Aufnahmezusagen vor Gericht. Derzeit seien 501 Klagen anhängig, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan im August 2021 hatte die Bundesrepublik Ortskräften eine Aufnahme versprochen, die in dem Land etwa für die Bundeswehr gearbeitet hatten und dadurch besonders bedroht waren.
Zusagen gab es auch für Afghanen, die aus anderen Gründen als gefährdet eingestuft wurden, zum Beispiel Frauenrechtlerinnen oder Menschenrechtsaktivisten. Nach dem Regierungswechsel 2025 schränkte die neue Koalition aus Union und SPD die Aufnahmen jedoch ein und widerrief Zusagen im großen Stil. Eine Änderung der bestehenden Praxis sei ungeachtet der Klagewelle "nicht beabsichtigt", schrieb die Bundesregierung nun.
Venezolaner wollen nach Spanien
Einen Zuwachs verzeichnet der Jahresbericht der EU-Asylagentur auch bei Menschen aus Venezuela: Mit 91.000 Anträgen - fast ein Viertel mehr als 2024 - liegt das Land auf Platz zwei der Herkunftsstaaten. Der größte Teil der Anträge wurde in Spanien gestellt. Als Gründe für den Anstieg nannte die Agentur die strenge Einwanderungspolitik der USA sowie verschärfte Visa-Regeln in lateinamerikanischen Nachbarländern.
Insgesamt konzentrieren sich die Asylanträge auf wenige EU-Länder: Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und Griechenland erhielten zusammen 80 Prozent aller Anträge. Einen Rückgang verzeichneten neben Deutschland auch Spanien (insgesamt 143.000 Anträge), Italien (134.000) und Griechenland (62.000). Stabil blieben hingegen die Zahlen in Frankreich (152.000).
Die jüngste Eskalation im Nahen und Mittleren Osten könnte indes zu einer Trendwende führen. Die EU-Asylagentur warnte vor allem mit Blick auf den Iran vor einer möglichen Flüchtlingsbewegung "beispiellosen Ausmaßes". Verfasst wurde der Bericht noch vor Beginn der jüngsten Angriffe der USA und Israels auf die Islamische Republik. Anpassen wollte die EU-Behörde ihre Prognose jetzt nicht. Es wäre "unverantwortlich, hypothetische oder vorausschauende Aussagen zu treffen", hieß es auf eine entsprechende Frage der Nachrichtenagentur AFP.
jj/pgr (dpa, afp, epd, kna)
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