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Soft Power oder Sicherheitsrisiko? Irans Einfluss in Bosnien

Dragan Maksimovic (Banja Luka)
16. Januar 2026

Sarajevo und Teheran unterhalten gute Beziehungen, seit die Islamische Republik im Krieg 1992-95 Waffen lieferte. Gefährden diese Kontakte angesichts der aktuellen Ereignisse im Iran den euro-atlantischen Kurs Bosniens?

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Auf dem Bild sieht man die Außenfront eines Ladengeschäfts mit großen Glasfenstern und einer zweisprachigen Beschilderung in lateinischer und persischer Schrift. Hinter den Fenstern sind Ausstellungsstücke, Bücher und Fotos eines Mannes mit einem grauem Vollbart, der einen schwarzen Turban trägt.
Das Kulturzentrum der Botschaft der Islamischen Republik Iran in der Innenstadt der bosnischen Hauptstadt SarajevoBild: Dreamstime/IMAGO

Während des Krieges in Bosnien und Herzegowina (1992-95) lieferte der Iran der mehrheitlich muslimischen bosnischen Armee Waffen - trotz eines UN-Embargos. Angehörige der iranischen Revolutionsgarde begleiteten die Lieferungen und bildeten bosnische Soldaten aus, um sie in ihrem Kampf gegen serbische und kroatische Einheiten zu unterstützen.

Diese Unterstützung begründete ein Netzwerk, das bis heute besteht - durch Kulturzentren, akademische Projekte und politische Kontakte. Die Vertreter des Westens in dem Westbalkan-Land beobachten deren Aktivitäten aufmerksam, da sie die Institutionen, Projekte und Aktivitäten für verlängerte Arme des Regimes in Teheran halten.

Auf dem Foto ist eine Person in einem dunklen Sakko und hellblauem Hemd zu sehen, die mit einer leicht erhobenen Hand eine Bewegung macht, als würde sie sprechen oder etwas erklären. Im Vordergrund steht ein Mikrofon mit blauem Windschutz, und im Hintergrund ist eine rot-golden gemusterte Wand zu erkennen
Zukan Helez ist Verteidigungsminister von Bosnien und HerzegowinaBild: Samir Jordamovic/Anadolu Agency/picture alliance

Im vergangenen Jahr empfing Zukan Helez, der derzeitige Verteidigungsminister von Bosnien, den iranischen Militärattaché in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. Bei dieser Gelegenheit erklärte er: "Wir werden alles tun, um die militärische Zusammenarbeit zu stärken." Die Unterstützung des Iran in Kriegszeiten werde man in Bosnien "niemals vergessen".

Die amerikanische Reaktion auf seine Worte interpretierte Helez später so: Die USA schlössen die Möglichkeit, die Zusammenarbeit mit dem bosnischen Verteidigungsminister im Falle einer Zusammenarbeit mit dem Iran zu beenden, nicht aus. Jegliche Kooperation der bosnischen Streitkräfte mit dem Iran sei mit der strategischen Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Bosnien sowie der euro-atlantischen Orientierung des Landes unvereinbar. Helez entschuldigte sich und sprach von einer "Fehlinterpretation".

Diplomatische Verbindungen

Bisera Turkovic, von 2019 bis 2023 Außenministerin Bosniens, hat den Iran wiederholt als "Partner und Freund" bezeichnet. Bei einem Treffen mit dem iranischen Außenminister Hossein Amir-Abdollahian im Jahr 2022 sprach sie von wirtschaftlichen Chancen und Dialog, während im Iran gewaltsame Proteste tobten.

Auf dem Foto sieht man eine Frau, die einen dunklen Blazer über einem violetten Oberteil trägt und mit einem Stift auf Papier schreibt. Vor ihr stehen ein Mikrofon und ein Schild mit der Aufschrift "Bosnia and Herzegovina"
Bisera Turkovic war von 2019 bis 2023 Außenministerin BosniensBild: UN Web TV I

Turkovics Verhalten steht für ein Muster: Viele bosnische Politiker stellen ihre Kontakte zum Iran als pragmatisch dar - ohne tiefere Reflexion über den Charakter des Regimes in Teheran und dessen Politik. Doch Treffen wie das mit Irans Außenminister sind nicht nur bilaterale Gesten - sie finden zu einer Zeit statt, in der die EU erwägt, die Revolutionsgarde als Terrororganisation einzustufen und die USA ihre Sanktionen gegen den Iran verschärfen. Die Frage ist, inwieweit die bosnisch-iranische Interaktionen den Eindruck erweckt, Bosnien sei ein Raum, in dem Iran seine Isolation umgehen kann.

Geld für extremistische Organisationen

"Es gibt NGOs, die Geld an extremistische Organisationen verteilen. Manche tendieren zum schiitischen Islam, andere zum säkularen. Es wird also an mehreren Fronten gearbeitet - aber im Kern geht es immer um Religion", sagt Milos Solaja, Direktor des Zentrums für Internationale Beziehungen an der Universität von Banja Luka. Er meint, dass die Gefahr amerikanischer Sanktionen die Ausbreitung eines Islamismus iranischer Prägung in Bosnien weiterhin verhindern wird.

Auf dem Foto sieht man einen Mann in einem dunklen Anzug mit weißem Hemd und gestreifter Krawatte, der in einem großen Veranstaltungsraum steht. Im Hintergrund erkennt man eine Bühne mit einer beleuchteten Leinwand, eine blaue Flagge mit gelben Sternen darauf und Hinweise auf eine Konferenz zum Thema Sicherheit und Verteidigung
Milos Solaja ist Direktor des Zentrums für Internationale Beziehungen an der Universität von Banja LukaBild: DW

Der Iran gilt als Hauptfinanzier der militant-islamistischen palästinensischen Terrororganisation Hamas. Jährlich stellt Teheran hunderte Millionen Dollar für Waffen, Ausbildung und Operationen für die Terroristen bereit.

Seit dem Angriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 und dem anschließenden Krieg im Gazastreifen fanden in Bosnien viele pro-palästinensische Demonstrationen mit Tausenden von Teilnehmern statt - jedoch ohne größere Zwischenfälle. Die Proteste verliefen friedlich und konzentrierten sich auf Solidarität mit den Palästinensern.

Kritik an Israel, Verurteilung der Hamas

Einer der lautesten Kritiker des Vorgehens Israels in Gaza ist Denis Becirovic, das muslimische Mitglied des bosnischen Staatspräsidiums. Das kollektive Staatsoberhaupt des Landes besteht aus drei Personen, die jeweils eins der drei konstituierenden Völker Bosniens repräsentieren: die bosnischen Muslime, die sich "Bosniaken" nennen, sowie Serben und Kroaten.

Auf dem Foto sieht man vor einem blauen Hintergrund einen Mann im Profil, der einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd und eine dunkel gemusterte Krawatte trägt
Denis Becirovic ist Mitglied des bosnischen StaatspräsidiumsBild: Juliane Sonntag/photothek/picture alliance

Becirovic bezeichnete Israels Vorgehen als "Völkermord" und "Schande der Welt", verurteilte aber auch den Hamas-Terrorismus und forderte einen Waffenstillstand sowie die Bereitstellung humanitärer Hilfe.

Bosniens Ex-Botschafter im Iran, Emir Hadzikadunic, bezeichnet die Beziehungen zwischen seinem Land und dem Iran als "begrenzt". Es gäbe fast keine Investitionen, der Handel sei vernachlässigbar, und politisch gesehen liefe alles auf ein paar bilaterale Treffen hinaus.

"Es gibt das iranische Kulturzentrum, das Persisch-Bosnische Kolleg, das Mulla-Sadra-Institut, das in Bezug auf die Auslegung des Islam stärker philosophisch, religiös und bildungsbezogen ausgerichtet ist", so der heutige Professor für Internationale Beziehungen in Sarajevo weiter.

Hadzikadunic ist sicher: Der Iran agiert in Bosnien als Soft Power. Befürchtungen, die Islamische Republik könne darüber hinaus Einfluss gewinnen, etwa auf die bosnischen Muslime, seien unbegründet: "Die islamische Gemeinschaft in Bosnien ist sunnitisch, das ist etwas ganz anderes als der schiitische Islam Irans", so der Ex-Botschafter. "Die Iraner haben nie versucht, den bosnischen Islam zu verändern."

Milos Solaja vom Zentrum für Internationale Beziehungen in Banja Luka dagegen ist der Ansicht: "Der iranische Einfluss in Bosnien ist nicht nur ein historisches Kapitel - von den Waffenlieferungen während des Krieges bis zu den heutigen kulturellen Netzwerken -, sondern auch ein Test für die strategische Ausrichtung des Landes."

Porträt eines Mannes mit Vollbart, der mit verschränkten Armen vor einem blauen Hintergrund steht
Dragan Maksimovic Autor, Reporter, Korrespondent für DW Bosnien und Herzegowina und den Westbalkan@knespoljac