Zoonosen - wie gefährlich sind sie? | Wissen & Umwelt | DW | 22.10.2014
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Wissen & Umwelt

Zoonosen - wie gefährlich sind sie?

Ebola, Vogelgrippe, BSE oder auch Tollwut - Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden, sind sogenannte Zoonosen. Die Forschung auf diesem Gebiet soll in Deutschland nun gestärkt werden.

Bei Ebola sind es Flughunde, die als Quelle für diese gefährliche Infektionskrankheit gelten. Denn in einigen Gebieten Westafrikas sind sie eine beliebte Delikatesse. Die Ansteckung mit dem Ebola-Virus kann schon über den Kontakt zu den Tieren kommen, oder aber durch ihren Verzehr. So kann sich das Virus zuerst vom Tier auf den Menschen und dann vom Menschen auf den Menschen übertragen. Fledertiere und Flughunde sind bekannt als ein großes Reservoir von potenziellen Zoonosen.

Aber nicht nur exotische Tiere in fernen Ländern kommen als Überträger infrage. "Eine ganz klassische Zoonose, die in Deutschland aber seit wenigen Jahren keine große Rolle mehr spielt, ist die Tollwut, eine Virus-Erkrankung. Sie ist tödlich, nicht heilbar und wurde in unseren Breitengraden ursprünglich von Füchsen, von Hunden und fleischfressenden Raubtieren übertragen," so Ilia Semmler, wissenschaftliche Referentin der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen Seit 2008 gilt Deutschland als tollwutfrei.

Auch Fledermäuse können Tollwut übertragen. Das entsprechende Virus mit der Bezeichnung EBLV-1 unterscheidet sich allerdings von der klassischen Fuchstollwut. Eine Übertragung ist zwar äußerst selten, Forscher warnen aber dennoch vor dem Kontakt mit toten oder lebendigen Tieren.

Zecke (Foto: Fit und Gesund Screenshot).

Zecken übertragen die gefährliche Borreliose

Übertragung von Zoonosen

Zoonosen können über direkten Kontakt zwischen Tier und Mensch übertragen werden, aber auch - wie viele Keime - einfach über die Luft. Es gibt noch weitere Infektionswege, über Lebensmittel zum Beispiel oder über Vektoren. Ein solcher Krankheitsüberträger, transportiert einen Erreger vom Wirt auf einen anderen Organismus, ohne selbst zu erkranken.

Als Verbindung zwischen dem Tier und dem Menschen gibt es zum Beispiel eine Mücke oder eine Zecke, oder ein anderes Insekt.

Jedoch gelten nicht nur lebendige Tiere als Krankheitsüberträger, erklärt Ilia Semmler. "Sehr häufig sind Zoonosen, die über Lebensmittel übertragen werden, weil wir eben Tiere und tierische Produkte zu uns nehmen. Wenn diese Produkte nicht ausreichend erhitzt sind oder unter ungünstigen Bedingungen zubereitet werden, stellen sie natürlich eine große Infektionsquelle dar", so Semmler. Geflügel kommt infrage - wie etwa bei der Vogelgrippe - aber auch Lebensmittel, die vom Schwein oder vom Rind stammen. Eier, zum Beispiel, können eine Quelle für Salmonellen sein. Die träfen aber in der Regel auf gesunde Menschen, so Semmler. "Die leiden dann zwar eine Zeit lang, erholen sich dann aber wieder relativ schnell." Lebensgefahr besteht also nicht.

Globalisierung und Zoonosen

Bei kleinen Populationen - sowohl bei Menschen als auch bei Tieren - die in großen Abständen voneinander leben, ist die Gefahr, dass sich viele infizieren, begrenzt. Die Globalisierung aber habe starken Einfluss auf die Verbreitung von Zoonosen, so Semmler. "Viele Menschen leben auf einem Raum, der nicht größer wird, auf unserer Erde. Die kann nun mal nicht wachsen. Wir rücken also enger zusammen", erklärt Ilia Semmler.

So können Zoonosen schneller von einem auf den nächsten übertragen werden, bevor Antikörper gebildet werden und sich Immunität entwickeln kann. Globalisierung im Sinne von weltweitem Handel und weltweitem Reisen bedeutet natürlich, dass eine Infektionskrankheit über die Handels-, die Verkehrs- und Reisenetze natürlich relativ leicht auch in andere Länder und zu anderen Kontinenten gelangen kann."

Asiatische Tigermücke (Foto: Stephan Jansen/ dpa).

Die Asiatische Tigermücke breitet sich auch in Europa aus

Klimawandel und Zoonosen

Durch den Klimawandel wird es an einigen Orten der Welt wärmer, an anderen kälter. In einigen Gebieten wird es trockener, in anderen feuchter. All das beeinflusst die Überlebensfähigkeit bestimmter Erreger und Vektoren. Bestimmte Mückenarten siedeln sich mittlerweile weiter nördlich an als bisher, weil die Klimabedingungen dort besser sind. "Feuchte, warme Sommer in unseren Breitengraden ermöglichen es ganz anderen Mückenarten hier zu überleben", sagt Semmler.

"Und wenn der Klimawandel dazu führt, dass Inseln überschwemmt werden, dann ziehen die Menschen woanders hin und mit ihnen möglicherweise die Infektionen."

Hund, Katze und Co.

Hunden, Katzen und andere Haustiere sind ebenfalls häufige Überträger von Krankheiten. Aber auch umgekehrt funktioniert die Infektion. Der Mensch kann Tiere anstecken. Viele Menschen teilen Bett und Teller mit ihren Hausgenossen und dann vielleicht auch eine Menge Bakterien. Der Erreger "Clostridium difficile" beispielsweise ist ein Stäbchenbakterium und einer der häufigsten Krankenhauskeime. Beim Menschen führt er zu Durchfall-Erkrankungen. Es gibt ihn auch bei Katzen und bei Hunden.

Junge mit Golden Retriever Hund (Foto: Fotolia/ oksix ).

Die Liebe zwischen Kindern und Tieren kann gefährlich werden

Viele Haustiere tragen die verschiedensten Krankheitserreger in sich. Dazu gehören Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. Viele davon verursachen zwar keine Beschwerden beim Tier, wohl aber beim Menschen. So gibt es bei jedem zehnten Hund und bei jeder zwanzigsten Katze Salmonellen und die können heftige Durchfälle verursachen, was besonders für kleine Kinder schlimm ist. Meerschweinchen und Kaninchen - ebenfalls beliebte Spielgefährten bei Kindern - haben oft Hautpilze. Die können bei Kindern zu Ausschlag führen. Haustiere sind eben auch zum Schmusen da.

Ein Beispiel für eine nicht ganz ungefährliche Zoonose, ist die sogenannte Bruccelose. Sie taucht in landwirtschaftlichen Betrieben auf und ist eine meldepflichtige Tierseuche. Menschen infizieren sich über den Kontakt mit den Tieren oder mit deren Ausscheidungen. Eine weitere Infektionsquelle kann Milch sein, die nicht ausreichend erhitzt wurde. Vor allem Tierpfleger, Schäfer und Tierärzte können davon betroffen sein. Die Gefahr, dass die Erkrankung von einem Menschen auf einen anderen übertragen wird, besteht allerdings nicht.

Im Mittelpunkt der Forschung

Auf der Agenda vieler Forscher steht vor allen Dingen das Thema "Tier-Reservoir". Das soll noch genauer erforscht werden, sagt Semmler. "Was schlummert im Tier-Reservoir, auch in unserer Umgebung hier, nicht nur weit, weit weg in Westafrika oder im Dschungel. Welche Erreger-Besiedlung haben die Tiere und die Vektoren, die bereits hier sind? Welche Erreger können sie bekommen?" Von den Mücken, die es in Deutschland gibt, bekomme man einen Stich, das sei lästig, aber man fange sich dadurch keinen schlimmen Erreger ein. "Aber es ist noch völlig unklar, was passieret, wenn ein fremder Erreger hierher kommt und ob unsere Mücken dann sozusagen als Vektoren infrage kämen."

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