Zahlreiche neue Festnahmen in Sri Lanka | Aktuell Asien | DW | 28.04.2019
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Südasien

Zahlreiche neue Festnahmen in Sri Lanka

Nach den Anschlägen vom Ostersonntag sind in Sri Lanka nun erneut Dutzende Menschen festgenommen worden. Während vor Reisen auf die Insel gewarnt wird, erklärt der Premier, das Land könne "zur Normalität zurückkehren".

Soldaten in Colombo holen die Nationalflagge ein

Soldaten in Colombo holen die Nationalflagge ein

Nach Angaben der Regierung Sri Lankas sind inzwischen mehr als hundert Menschen in Zusammenhang mit den verheerenden Anschlägen vom Ostersonntag in Gewahrsam genommen worden. Die "meisten" der an den Anschlägen beteiligten Islamisten wurden festgenommen, "einige sind gestorben", sagte Regierungschef Ranil Wickremesinghe. Das Land könne "zur Normalität zurückkehren". Nach Behördenangaben gibt es rund 140 Anhänger der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Sri Lanka. 

Wickremesinghe kündigte zudem striktere Gesetze im Kampf gegen islamistische Extremisten an. "Der dschihadistische Terrorismus sollte sofort beendet werden. Deshalb werden wir neue und strengere Gesetze einführen." Ausländische Geistliche, die ohne Arbeitsvisum als Lehrer arbeiten, sollen ausgewiesen werden. Um wie viele es sich handelt und aus welchen Ländern sie stammen, sagte Wickremesinghe nicht. 

Premier Wickremesinghe (3. v. l.) und Präsident Sirisena (mit Brille) an der Kirche Sankt-Antonius-Kirche in Colombo

Premier Wickremesinghe (3. v. l.) und Präsident Sirisena (mit Brille) an der Kirche Sankt-Antonius-Kirche in Colombo

Allein am Sonntag gab es nach Angaben der Polizei 48 Festnahmen. Darunter war auch ein Bruder von zweien der Selbstmordattentäter, bei dem zwei Schwerter gefunden wurden. Ihr Vater ist ein reicher Gewürzhändler, der sich ebenfalls in Gewahrsam befindet.  

Vor einer der betroffenen Kirchen in Sri Lankas Hauptstadt Colombo wurde der Toten mit einem Gottesdienst gedacht. Obwohl die katholische Kirche des Landes wegen der anhaltenden Terrorgefahr bis auf weiteres alle Sonntagsmessen abgesagt hatte, versammelten sich mehrere Dutzend Gläubige auf der Straße vor der Sankt-Antonius-Kirche, um an die mehr als 250 Todesopfer zu erinnern. Unter den streng bewachten Trauernden waren auch Premierminister Wickremesinghe und Präsident Maithripala Sirisena.

Plötzliche Schüsse

Nach mindestens drei Explosionen in einem von Sicherheitskräften umstellten Haus in der Küstenstadt Sainthamaruthu waren in der Nacht zum Samstag 15 Leichen entdeckt worden. Das Haus sollte im Zuge einer Anti-Terror-Razzia von Polizisten und Soldaten gestürmt werden, als diese nach Aussagen eines Polizeisprechers aus dem Haus beschossen wurden. Kurz darauf sei es in dem Gebäude zu den Explosionen gekommen. Die Polizei vermutet, dass die Detonationen auf einen oder mehrere Selbstmordattentäter zurückgehen.

Lampen erinnern in Colombo an die Opfer der Anschläge

Lampen erinnern in Colombo an die Opfer der Anschläge

Unter den Toten waren demnach sechs Kinder. Ein vierjähriges Mädchen und eine Frau wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Sie wurden nach Angaben der Polizei als Tochter und Ehefrau des mutmaßlichen Drahtziehers der Osteranschläge, des Hasspredigers Mohammed Zaharan, identifiziert. Dessen Vater und zwei Brüder waren unter den Toten. Der IS reklamierte den Gewaltakt in der Nacht zum Samstag, wie zuvor schon die Osteranschläge, für sich. 

Das deutsche Auswärtige Amt verschärfte am Samstag seine Reisehinweise. "Von nicht notwendigen Reisen nach Sri Lanka wird abgeraten", heißt es auf der Internetseite. Zuvor hatte dies nur für die Hauptstadt Colombo gegolten, nicht für das gesamte Land. Auch andere Länder - darunter die USA, Großbritannien und Sri Lankas Nachbar Indien - rieten von Reisen in das beliebte Urlaubsland ab. 

Polizisten sichern nach der Schießerei vom Samstag Beweise

Polizisten sichern nach der Schießerei vom Samstag Beweise

Zwei extremistische Organisationen, die für die Anschläge vom Ostersonntag verantwortlich gemacht werden, wurden am Samstag in Sri Lanka verboten: die Islamistengruppe National Thowheeth Jamaath (NTJ) sowie die Organisation Jammiyathul Millathu Ibrahim. 

Moscheen lassen Gebete ausfallen

In vielen Moscheen des Landes fielen die Freitagsgebete aus. Führer der religiösen Minderheit hatten dazu aufgerufen, aus Solidarität mit den Christen Sri Lankas, deren Kirchen geschlossen blieben, aus Moscheen fernzubleiben. 

Neun einheimische Selbstmordattentäter, unter ihnen eine Frau, hatten am Ostersonntag Anschläge unter anderem auf drei christliche Kirchen und drei Luxushotels verübt. Unter den 253 Todesopfern waren mindestens 40 Ausländer und laut UNICEF 45 Kinder.

stu/AR (dpa, afp)
 

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