Wie Trump den Anschlag politisch für sich nutzen könnte
27. April 2026
Als die Nachricht vom jüngsten Anschlagsversuch auf US-Präsident Donald Trump publik wurde, dauerte es nicht lange, bis dieser sich selbst äußerte. Nur etwa 30 Minuten nach den Schüssen verlangte er - noch in Smoking und Fliege - , das Dinner zu Ende zu bringen. "Lasst die Show weiterlaufen", forderte Trump laut Agenturen betont unerschrocken. In einem Interview mit dem US-Sender CBSlegte er zudem Wert darauf, dass er ganz aufrecht gegangen sei, als ihn die Sicherheitsleute in einen sicheren Raum geleitet hätten.
In einer Pressekonferenz am Abend gab sich Trump dann staatsmännisch: "Angesichts der Ereignisse dieses Abends rufe ich alle Amerikaner dazu auf, sich von Herzen dafür einzusetzen, unsere Differenzen friedlich beizulegen."
Bei dem traditionellen Gala-Dinner mit den White-House-Korrespondenten war am Samstagabend ein schwer bewaffneter Mann durch eine Sicherheitsschleuse gestürmt und von Sicherheitskräften überwältigt worden. Es fielen Schüsse, der Präsident wurde in Sicherheit gebracht. Aus Ermittlerkreisen hieß es, der mutmaßliche Täter habe Trump und mehrere US-Regierungsmitglieder töten wollen. Trump selbst äußerte sich ähnlich und bezeichnete ihn als "sehr gestörten Mann".
Trump - schon mehrfach Ziel von Attentätern
Trump war in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Ziel von Attentätern gewesen. So wurde er im Juli 2024 bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Pennsylvania angeschossen. Eine Kugel streifte sein Ohr. Ein Besucher kam ums Leben, zwei weitere wurden verletzt, der Täter wurde erschossen.
Damals konnte Trump den Vorfall für sich nutzen, so der Vorwurf seiner Kritiker. Umzingelt vom Secret Service und mit Blut im Gesicht, reckte Trump nach dem Anschlag die Faust in den Himmel, was unter seinen Anhängern als ikonischer Moment gewertet wurde. Das Bild ging um die Welt und wurde vielfach mit dem berühmten Foto des Flagge-Hissens aus dem Zweiten Weltkrieg verglichen. Im Wahlkampf mit dem Demokraten Joe Biden stiegen seine Zustimmungswerte deutlich, Beobachter führten das auch auf Trumps Umgang mit dem Anschlag zurück.
Trump als Marke - auch in der Krise
Diesmal gab es keine ikonischen Bilder, die Trump für sich nutzen konnte. Dafür konnte der US-Präsident zeigen, dass er die Situation in jedem Moment unter Kontrolle hatte und präsentierte sich als betont unerschrocken. "Was auch immer man von der Politik dieses Präsidenten halten mag, seine Zähigkeit im Umgang mit der Gefahr war vorbildlich", lobte die britische Zeitung The Telegraph. "Die politische Antwort verlangt Besonnenheit. Trump hat zumindest zunächst einen versöhnlichen Ton angeschlagen", schrieb die spanische Zeitung El Mundo.
Das dürfte laut Experten kein Zufall sein. "Trump ist ein Marken-Mann", sagt Thomas Jäger, Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität zu Köln, der DW. Dazu gehöre auch jedes Ereignis zu nutzen, um sich als Marke zu präsentieren.
"Nach den Schüssen beim Presse-Dinner war das: starker Präsident, Opfer, Ballsaal. Trump als starker Präsident steht im Feuer, wäre fast schon wieder zum Opfer geworden und braucht deshalb den Ballsaal", sagt Jäger. "Ähnlich wie 2024 wurden sogleich Bilder produziert, die Trump die Hoheit über die Berichterstattung geben." Dass er sogleich für die Presse auftrat, zeigte, dass er die Erzählung über das Geschehen in der Hand behalten will.
Trump will den Ballsaal unbedingt
Der Ballsaal, den Trump gegen den Protest von Kritikern anstelle des Ostflügels des Weißen Hauses errichten lassen will, scheint - trotz aller innenpolitischen Probleme - tatsächlich der Hauptfokus seiner Argumentation nach dem Anschlagsversuch zu sein. Mit dem neuen, militärisch streng geheimen Ballsaal wäre dieses Ereignis niemals passiert, erklärte er nach dem Vorfall.
Denkmalschützer gehen derzeit juristisch gegen den Bau vor. Am Sonntag forderte das Justizministerium die Klägerseite dazu auf, ihre Klage zurückzuziehen - und begründete das mit den Schüssen vom Vorabend. "Einfach ausgedrückt: Ihre Klage bringt das Leben des Präsidenten, seiner Familie und seiner Mitarbeiter in große Gefahr", hieß es.
Trumps mögliche Strategie hat Grenzen
"Die Grenzen dieser Strategie liegen in der Folgebereitschaft seiner MAGA-Bewegung“, sagt Jäger im DW-Interview. "Solange sie das mitmacht, setzt er sich damit durch. Die vielen Verschwörungserzählungen - auch aus seiner Bewegung - deuten an, dass dies weit schwerer fallen wird als nach dem Attentat in Butler 2024."
Schon seit einiger Zeit kursieren Verschwörungstheorien auch aus seiner eigenen Basis, die die Interpretation der Attentatsversuche der Vergangenheit in Zweifel ziehen. Vor allem die umstrittene ehemalige Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene säte jüngst auf der Onlineplattform X Zweifel an der Echtheit des Anschlags in Butler, Pennsylvania 2024.
Autor David Frum vom US-amerikanischen Magazin The Atlantic erinnert zudem daran, wie anders die Reaktion noch im Herbst 2025 ausfiel, als der Mord an dem rechten Aktivisten Charlie Kirk von Trump‑Verbündeten genutzt wurde, um mit Medien, NGOs und Kritikern abzurechnen. Dieses Mal jedoch bleibe eine solche Eskalation aus. Trump bezeichnete den mutmaßlichen Täter als Einzeltäter und verzichtete darauf, den Vorfall in ein größeres Verschwörungs‑ oder Feindbild einzubetten.
Derweil haben sich zahlreiche Politiker Trumps Ballsaal-Forderung angeschlossen. "Wir MÜSSEN den Ballsaal fertigstellen, um @POTUS und seine Gäste zu schützen“, schrieb etwa Pam Bondi, die Trump kürzlich als Justizministerin entlassen hatte.