Wie gefährlich ist das neue MERS-Virus? | Wissen & Umwelt | DW | 16.10.2013
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Wissen & Umwelt

Wie gefährlich ist das neue MERS-Virus?

Rund zwei Millionen Muslime aus aller Welt haben mit der Hadsch-Wallfahrt in die saudi-arabische Stadt Mekka begonnen. Überschattet wird die Pilgerreise von der Angst vor einem gefährlichen, neuen Virus.

MERS-CoV heißt der Erreger, ausgeschrieben Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus. Im September 2012 wurde das Virus zum ersten Mal in Saudi-Arabien entdeckt. Seitdem infizierten sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO insgesamt 138 Personen. Alle Patienten hatten sich auf der arabischen Halbinsel angesteckt. Die meisten Krankheitsfälle traten in Saudi-Arabien auf, einige in Jordanien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Zahl der gemeldeten Infektionen steigt seit April 2013 monatlich an.

Diese Entwicklung macht Experten wie Christian Droste Sorgen: "Ungefähr die Hälfte der mit dem Virus infizierten Menschen sind gestorben." Das sei eine extrem hohe Todesrate, so der Virologe von der Universität Bonn im Gespräch mit der DW.

Ausgerechnet jetzt findet in der betroffenen Virus-Region die große Pilgerfahrt nach Mekka statt. Nach Angaben von saudi-arabischen Behörden kommen in diesem Jahr etwa zwei Millionen Pilger nach Mekka, die meisten von ihnen reisen aus dem Ausland an. Rund eine Woche lang leben Muslime aus der ganzen Welt auf sehr engem Raum beieinander - ideale Voraussetzungen also für die Übertragung des Virus.

Corona-Virus (Foto: AP)

Sowohl MERS als auch SARS zählen zu den Coronaviren

Schutz vor Virus möglich

Solch eine enorme Menschendichte erhöht die Gefahr einer Infektion dramatisch, sagt Christian Drosten. Aus diesem Grund tragen viele Pilger schon seit einigen Jahren freiwillig einen Mundschutz - auch Frauen, obwohl sie nach muslimischer Sitte in Mekka keine Verschleierung tragen dürfen.

Nach dem Ausbruch des MERS-Virus schlagen auch die saudi-arabischen Behörden vor, Vorbeugungsmaßnahmen zu treffen. Das Gesundheitsministerium rät Schwangeren und Alten sogar von der Wallfahrt ab, obwohl es bisher noch keinen einzigen Krankheitsfall unter den Pilgern gibt. Hat Saudi-Arabien überreagiert?

"Nein", versichert Christian Drosten. "Ich halte es für gerechtfertigt, was die saudi-arabischen Behörden machen." Es sei wichtig, allgemeine Hinweise zu geben, wie man sich vor einer Infektion schützen kann. Leider habe man bislang noch keine verlässlichen epidemiologischen Daten zum MERS-Virus, auch werde es noch einige Zeit dauern, um das neue Virus kennenzulernen. Niemand wisse, ob eine Epidemie tatsächlich beginnen wird. Aber die Gefahr besteht, sagt der Virologe: "Mit dem SARS-Virus ist es auch so losgegangen. Erst nach Monaten haben wir herausgefunden, wie viele Menschen sich infiziert haben und wie schnell die Erkrankung übertragbar ist."

Was die Forscher bislang wissen: Wie SARS ist auch MERS ein Coronavirus, auch die Symptome unterscheiden sich sehr wenig vom SARS-Erreger, der vor etwa zehn Jahren eine Pandemie mit 800 Todesopfern auslöste. Die Beschwerden beginnen mit einer grippeähnlichen Erkrankung, die im Verlauf der ersten Woche häufig in eine Lungenentzündung mit zum Teil schwerer Atemnot übergeht.

Eine akute Pandemie-Gefahr durch das MERS-Coronavirus sieht Christian Drosten zur Zeit aber nicht, "zumindest in seiner jetzigen Form hat es wahrscheinlich kein Potenzial, eine Pandemie zu starten." Trotzdem sei es äußerst wichtig, sich vor den Erregern zu schützen. So sei der von den saudi-arabischen Behörden empfohlene Mundschutz sehr hilfreich. Außerdem sei regelmäßiges Hände waschen enorm wichtig, betont Drosten. Mit diesem einfachen Mittel könne man sich vor zahlreichen Erregern schützen - nicht nur vor MERS.

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