Wie gefährlich ist das Marburg-Fieber in Westafrika? | Wissen & Umwelt | DW | 10.08.2021
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Hochansteckende Viruserkrankung

Wie gefährlich ist das Marburg-Fieber in Westafrika?

Das Marburg-Fieber wie auch das Ebola-Fieber treten selten auf, haben aber häufig einen dramatischen Verlauf. Was sind die Symptome? Gibt es eine Impfung? Droht eine Pandemie? Einige Antworten.

Elektronenmikroskop-Aufnahme vom Marburg-Virus

Der Marburg-Erreger gehört zu den gefährlichsten bekannten Krankheitserregern

Im westafrikanischen Guinea haben die Behörden und die WHO den Ausbruch des lebensgefährlichen Marburg-Fiebers bestätigt - knapp zwei Monate, nachdem in dem Land ein Ebola-Ausbruch für beendet erklärt worden war.

Was sind die Symptome?

Der Marburg-Erreger gehört zu den gefährlichsten bekannten Krankheitserregern. Die Viren können Blut-, Leber- und Hautzellen infizieren und zerstören, wodurch sich der Erreger sehr schnell und stark im Körper ausbreiten kann.

Nach einer Inkubationszeit von fünf bis zehn Tagen kommt es plötzlich zu Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen sowie zu Blutungen in Haut und Scheimhäuten, weil die Blutgerinnung gestört wird. Betroffen sind häufig der Mund, die Augen, der Magen-Darm-Trakt und innere Organe.

Elektronenmikroskop-Aufnahme des Marburg-Virus

Der Marburg-Erreger kann Blut-, Leber- und Hautzellen infizieren und zerstören.

Bei schweren Verläufen sind neurologische Lähmungserscheinungen möglich. Schwere Gerinnungsstörungen können einen "hämorrhagischen Schock" verursachen, der zu Organ- und Kreislaufversagen und dadurch zum Tod führen kann. Ohne eine intensivmedizinische Versorgung sterben die meisten Infizierten.

Wie wird der Erreger übertragen?

Das Virus wird vom Infizierten durch Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin oder Speichel auf Andere übertragen, weshalb sich vor allem engere Kontaktpersonen und Pflegende ebenfalls infizieren.

Außerhalb des Körpers überdauern die Viren dagegen nicht lange und auch Tröpfcheninfektionen über die Luft sind extrem selten.

Gibt es einen Impfstoff gegen das Marburg-Virus?

Impfstoffe gegen das Marburg-Virus sind bislang noch nicht zugelassen, aber sie existieren bereits, so Prof. Dr. Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Marburg. "Es ist eigentlich nicht schwer, Impfstoffe gegen das Marburg-Fieber zu entwickeln und es gibt bereits welche, die sehr gut im Tiermodell funktionieren. Aber bislang fehlen die für eine Zulassung nötigen klinischen Studien."

 Professor Stephan BeckerI Direktor des Instituts für Virologie

Prof. Dr. Stephan Becker ist Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Marburg

Anders als beim Coronavirus SARS-CoV2 fehle der politische Wille und der wirtschaftliche Anreiz zur Impfstoffherstellung: "Das ist genau die gleiche Situation wie mit Ebola 2013. Wir haben uns damals mit vielen anderen zusammengetan und haben dann relativ schnell Phase I Studien durchgeführt, die dann durch Phase II und Phase III Studien in Westafrika komplettiert wurden. Das Vakzin war wirklich sehr gut und der Pharmakonzern Merck hat dann 2018 viele hunderttausend Dosen für einen Ausbruch des Ebola-Virus im Kongo hergestellt", so der Marburger Virologe Becker. Inzwischen ist dieser Impfstoff zugelassen.

"Einen ganz ähnlichen Impfstoff gibt es auch gegen Marburg-Virus und der ist möglicherweise sogar noch besser als der gegen das Ebola-Virus. Bei Affen wirkte der Impfstoff sogar noch nach der Infektion, er wirkt also quasi als therapeutische Impfung. Und das mag daran liegen, dass sich das Marburg-Virus ein bisschen langsamer vermehrt als das Ebola-Virus."

Nach Abschluß der notwendigen klinischen Studien und der erforderlichen Zulassung könnte ein Impfstoff zügig produziert werden. "Wenn man das möchte, kann man damit auch relativ schnell starten", ist Virologe Becker überzeugt.

Da sich das Marburg-Virus und das Ebola-Virus ähneln, sei laut Becker auch eine Kombination-Impfung denkbar: "Ja, das wäre super. Und es ist auch schon im Tierexperiment probiert worden und hat dort gut funktioniert."

Wie wird das Marburg-Fieber behandelt?

Infizierte müssen häufig intensivmedizinisch versorgt und aufgrund der hohen Infektionsgefahr isoliert werden.

Bislang können die Ärzte jedoch lediglich die Symptome behandeln, Infusionen gegen den Flüssigkeitsverlust, Elektrolyte als Ersatz für Blutsalze und Glukose zur Regulierung des Zuckerhaushalts.

Weitere Medikamente können den Blutdruck stabilisieren, Fieber senken oder Durchfall bzw. Erbrechen stoppen. Bei starken Blutungen bekommt der Patient Blutkonserven und Gerinnungsfaktoren.

Ampulle mit dem Remdesivir Medikament

Für die WHO gibt es nicht nicht genügend Beweise, um die Verwendung von Remdesivir zur Behandlung des Marburg-Fiebers zu empfehlen.

Professor Stephan Becker hält auch den Einsatz von Medikamenten für sinnvoll, die auch bei COVID-19-Erkrankungen zum Einsatz kamen: "Mit Remdesivir zum Beispiel, dass ja ursprünglich auch für das Ebola-Virus entwickelt worden ist. Die Polymerase, also das Enzym, das die RNA des Virus vervielfältigt, ist zwischen dem Marburg- und dem Ebola-Virus doch relativ ähnlich, so dass man hoffen kann, dass Remdesivir auch gegen das Marburg-Virus wirkt."

Auch der Einsatz von Antikörpern sei denkbar. Die wirksamste Möglichkeit zur Bekämpfung seien aber zweifellos Impfungen, so Becker.

Wie häufig tritt das Marburg-Fieber auf?

Außer bei einem Ausbruch 1967 in Marburg/Frankfurt und Belgrad, trat das Marburg-Virus nur in Einzelfällen oder in kleineren Epidemien auf, und dies ausschließlich  in afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Vom Marburg- und Ebola-Virus besonders betroffen waren Angola, die Demokratische Republik Kongo, Südsudan, Gabun und Uganda.

Impfkampagne gegen Ebola in Guinea

Die bei der Impfkampagne gegen Ebola gesammelten Erfahrungen kommen Guinea jetzt zugute

Der jüngste Marburg-Fieber-Fall wurde laut WHO in einem Dorf in der Präfektur Guéckédou im Süden von Guinea nachgewiesen. Genau in dieser Präfektur fand auch der Ausbruch des Ebola-Virus in den Jahren 2013-2016 statt. Einen Fall des Marburg-Fiebers hat es aber in Guinea, und in der gesamten westafrikanischen Region, noch nie gegeben.  

Der Infizierte wurde laut WHO zunächst in einem örtlichen Krankenhaus behandelt. Als sich sein Zustand weiter verschlimmerte, wurde ein medizinisches Untersuchungsteam in die Klinik entsandt, doch eine Woche nach Auftreten der ersten Symptome verstarb der Mann. Die entnommenen Proben seien zunächst negativ auf Ebola, dann aber positiv auf das Marburg-Virus getestet worden.

Ein zehnköpfiges WHO-Team unterstützt jetzt vor Ort Notfallmaßnahmen und führt Tests in der Bevölkerung durch. Drei Angehörige des Toten sowie ein Mitglied des medizinischen Personals wurden laut WHO als Hochrisikofälle identifiziert. Ihr Gesundheitszustand wird überwacht. Insgesamt wurden 155 Kontaktpersonen ermittelt, die täglich überwacht werden.

Bislang hat es jedoch auch grenzübergreifend keine weiteren Verdachtsfälle auf das Marburg-Virus gegeben. Die Nachbarstaaten Guineas seien ebenfalls in Alarmbereitschaft versetzt worden. 

Droht eine Pandemie?

Das Marburg-Virus habe das Potenzial, sich "weit zu verbreiten", sagte die Regionaldirektorin der WHO für Afrika, Matshidiso Moeti. Laut WHO ist die Gefahr einer Epidemie in dem Land und der Region "hoch", weltweit jedoch "gering". 

Ausdrücklich lobte die WHO die "Wachsamkeit und die schnellen Ermittlungen" der Gesundheitsbehörden Guineas. Bei der Eindämmung des Virus baue die WHO auf "Guineas Erfahrung und Expertise im Umgang mit Ebola, das auf ähnliche Weise übertragen wird", so Moeti.

Reagenzgläser mit Blutproben

Bei der Eindämmung des Virus baut die WHO auf "Guineas Erfahrung und Expertise im Umgang mit Ebola".

Auch Becker lobt ausdrücklich das professionelle Vorgehen der Verantwortlichen in Guinea: "Guinea scheint durch den letzten Ebola-Ausbruch sehr gut vorbereitet zu sein. Sie haben sehr schnell reagiert und haben das Virus auch mit Hilfe vom Institut Pasteur in Dakar schnell identifizieren können, sodass man dann auch sehr schnell Quarantäne-Maßnahmen ergreifen konnte. Da ist wirklich viel passiert und das ist eine gute Nachricht. Hoffentlich lässt sich der Ausbruch so relativ früh eindämmen."

Woher stammt das Marburg-Virus?

Benannt wurde das Virus nach der kleinen, idyllischen Stadt an der Lahn, wo es erstmals nachgewiesen wurde: Im Jahr 1967 haben sich zeitgleich mehrere Labormitarbeiter im hessischen Marburg, Frankfurt und Belgrad (Serbien) durch einen aus Uganda importierten Affen mit dem Virus infiziert.

Wahrscheinlich dienen vor allem verschiedene Fledertiere (Fledermaus, Flughunde) dem Marburg-Virus wie auch dem Ebola-Virus als natürliches Reservoir. Durch den Kontakt mit den Tieren oder deren Körperflüssigkeiten wird das Virus auf Affen oder Menschen übertragen. Auch der Verzehr von infizierten Wildtieren kann zu einer Infektion führen.

 

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