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Elons Herrschaft über den Mars

25. Mai 2021

Wie bitte? Bereits 1948 schrieb der deutsche Raketenpionier in seinem Buch "Das Marsprojekt", dass ein "Elon" die Führung der Mars-Kolonisation übernimmt. Vision oder Zufall?

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Elon Musk beim Besuch der Baustelle der Tesla Giga-Factory bei Berlin
Elon Musk will mit seinem Starship noch vor 2030 Menschen zum Mars bringenBild: Patrick Pleul/dpa/picture alliance

Im Jahre 1948 schrieb der deutsche Raketenentwickler Wernher von Braun, der im 2.Weltkrieg für die Nazis V2-Raketen baute und dann nahtlos für die USA das Weltraumprogramm voranbrachte, den fiktiven Roman "Das Marsprojekt".  Er veröffentlichte das Buch auf Deutsch 1952  und im folgenden Jahr auf Englisch. 

Darin beschreibt von Braun nicht nur die technischen Voraussetzungen für einen bemannten Marsflug, er skizziert auch, wie unser Nachbarplanet besiedelt und von einer Regierung aus zehn Männern regiert wird. Sie wird von der Gesamtbevölkerung für fünf Jahre gewählt, und an deren Spitze steht ein "Elon". 

Vision, Verschwörung oder einfach nur ein verrückter Zufall?

Ein "Elon"? Meinte er etwa den "Elon"? Oh mein Gott! Für Fans des US-Unternehmers Elon Musk ist klar, dass damit der messianisch verehrte CEO bzw. Gründer von Tesla und Space X gemeint sein muss. Schließlich will der Milliardär Musk auch zum Mars und er hat mit seinem privaten Weltraumunternehmen Space X wesentliche Raketentechnologien entwickelt, die bei einer ersten bemannten Marslandung möglicherweise zum Einsatz kommen.

Destiny! Destiny! No escaping that for me! Seiner Bestimmung kann man nicht entkommen, dieses Filmzitat aus einer Frankenstein-Groteske twitterte Elon Musk Ende des Jahres. Darauf reagierte ein Weltraum-Journalist mit der entsprechenden Textstelle aus Wernher von Brauns Fiktion. 

Ungewöhnliche Namenswahl

Viele haben den ungewöhnlichen Vornamen Elon sicherlich zum ersten Mal bei dem skurrilen Unternehmer gehört. Im alttestamentarischen "Buch der Richter" taucht der Name Elon erstmals auf, er stammt vom hebräischen Alon und bedeutet Eiche oder Baum, aber auch Ursprung oder Kraft. Vielleicht wählte von Braun daher diesen Namen für seine zentrale Figur. In Afrika ist Elon eigentlich ein Mädchenname und bedeutet "Gott liebt mich". Und in Südafrika, woher Elon Musk stammt, ist der Name Elon deutlich verbreiteter als hierzulande.

Wernher von Braun mit einem Raketenmodell
Wernher von Braun gilt als Wegbereiter des US-Raumfahrtprogramms Bild: picture-alliance / dpa

Durch den Internet-Hype um den Namen Elon fällt so noch mal ein Schlaglicht auf das in der Tat visionäre Buch von Wernher von Braun, das über viele Jahrzehnte hinweg die entscheidenden Impulse für bemannte Marsmissionen geliefert hat.

Vision mit Problemanalyse

"Das Marsprojekt" gilt als erste wissenschaftlich inspirierte Studie über die technischen Voraussetzungen für eine Marsmission. Seit der Veröffentlichung dauerte es noch gut zwanzig Jahre, bevor erstmals ein Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte. Und der Mond ist im Vergleich zum Mars fast schon in nächster Nähe.

Der NASA Mars Helikopter Ingenuity bei seinem ersten Testflug aufgenommen vom Rover perseverence
Unvorstellbare Meisterleistung: Der Rover macht ein Foto von einem Helikopter auf der MarsoberflächeBild: JPL-Caltech/NASA/abaca/picture alliance

Die visionären Ideen von Brauns wurden in seiner neuen Wahlheimat USA nach Erscheinen der englischsprachigen Ausgabe von populärwissenschaftlichen Publikationen aufgegriffen und so einem breiten Publikum zugängig gemacht. Zudem konnte von Braun in drei TV-Sendungen gemeinsam mit Walt Disney seine Ideen und Visionen vorstellen - die Begeisterung der Menschen in den USA für die Raumfahrt war geweckt.

Natürlich finden sich im Buch "Das Marsprojekt" einige Ungereimtheiten und offene Fragen, die sich damals einfach noch nicht beantworten ließen. Wernher von Braun thematisiert dies in seiner Einleitung selber. So gebe es noch Schwierigkeiten mit der interplanetaren Navigation, mit Meteoritenschauern und der Marsumlaufbahn.

Außerdem wisse man ja noch nicht, wie sich das lange Reisen im Weltall auf den menschlichen Körper auswirke. Allein schon die Thematisierung diese Fragen zeigt, wie weit und wie konkret von Braun seiner Welt gedanklich voraus war. 

Kosmischer Spaziergang

Sein Marsprojekt sollte 1965 beginnen. Insgesamt sollten zehn Raumschiffe zum Roten Planeten aufbrechen, sieben Raumschiffe mit 70 Mann Besatzung (Astronautinnen konnte sich offenbar auch ein Visionär damals noch nicht vorstellen) und drei Raumfahrzeuge mit Proviant und Material.

China Mars Base 1 Station in der Wüste Gobi
Teststation in der Gobi-Wüste. So sieht Chinas Konzept für eine Mars-Basis aus Bild: Getty Images/AFP/W. Zhao

Mit einem Teleskop sollte die Mars-Mission dann vom Marsorbit aus nach einem geeigneten Landeplatz in der Nähe des Äquators suchen. Ein Vorauskommando würde durch die Marsatmosphäre schweben und auf einem der beiden schneebedeckten Pole landen. Mit einem Kettenfahrzeug würde das Vorauskommando dann zu dem rund 6500 Kilometer entfernten Basislager fahren und dort eine Landebahn für die anderen im Orbit verbliebenen Raumfahrer anlegen. Mit Raumgleitern würden die dann zum Vorauskommando hinabschweben. Und für den Rückweg würden sie mit diesen Gleitern dann auch wieder zur Erde zurückfliegen. 

Reale Herausforderungen

Nun ja, ganz so einfach waren die Marsmissionen der letzten Jahre nicht unbedingt. Und natürlich wusste von Braun noch nichts von kosmischer Strahlung oder der tatsächlichen Beschaffenheit der Marsatmosphäre. Inzwischen wissen wir ungleich mehr über den Roten Planeten und die drei letzten Marsmissionen der Vereinigten Arabischen Emirate, der USA und Chinas waren sehr erfolgreich.

Trotz eisiger Temperaturen und einer kargen Wüstenlandschaft gilt der Mars als attraktivstes Ziel in unserem Sonnensystem. Denn in den unendlichen Weiten des Weltalls ist der Mars noch vergleichsweise schnell zu erreichen. Da er der Erde zumindest teilweise ähnelt, eignet er sich nun einmal für bemannte Missionen und vielleicht irgendwann einmal auch für eine Besiedelung. 

Visionäre und Vor-Denker

Rund 73 Jahre nach dem Erscheinen von "Das Marsprojekt" klingt also selbst eine bemannte Marsmission gar nicht mehr so visionär. Wernher von Braun hat mit seiner wissenschaftlich inspirierten Studie definitiv die gedankliche Grundlage für eine Marsmission geschaffen. 

SpaceX FAA SN9 und SN10 Raketen stehen auf einem Startplatz in Boca Chica, Texas
Mit seiner wiederverwertbaren Raketentechnologie setzt Musks Spaxe X neue MäßstäbeBild: Gene Blevins/ZUMA/picture alliance

Und ein gewisser "Elon" hat dafür gesorgt, dass sich weiterhin viele für die Raumfahrt interessieren und dass nicht nur einige wenige Staaten, sondern eben auch ein privates Unternehmen bei diesem Wettlauf zum Mars eine führende Rolle spielt.

Wenn es nach Elon Musk geht, sollen sein Raumschiff Starship noch vor 2030 Menschen zum Mars bringen, später sollen einmal eine Million Menschen den roten Planeten besiedeln. Über die künftige Regierungsform dort hat sich der Visionär allerdings noch nicht geäußert.

DW Mitarbeiterportrait | Alexander Freund
Alexander Freund Wissenschaftsredakteur mit Fokus auf Archäologie, Geschichte und Gesundheit@AlexxxFreund