Wer war Martin Luther King? | Aktuell Amerika | DW | 03.04.2018
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Bürgerrechte

Wer war Martin Luther King?

Vor 50 Jahren, am 4. April 1968, erschoss der Rassist James Earl Ray den berühmten Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. Bis heute inspiriert King viele Menschen mit seinen Worten.

"I have a dream" - Der Traum von Martin Luther King war groß: Schwarze und Weiße kommen friedlich miteinander aus, Freiheit und Gerechtigkeit widerfährt jedem US-Bürger und seine vier Kinder leben in einem Land, in dem sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt werden. Mit diesem "Traum", den er am 23. August 1963 beim "Marsch auf Washington" in der US-Hauptstadt schilderte, ging King in die Geschichte ein. Mehr als 250.000 Menschen, darunter auch viele Weiße, verfolgten dort damals seine Rede.

Kings Ziel: Die Rechte der Schwarzen stärken, auf ihre Probleme im Alltag, aber auch bei der Jobsuche aufmerksam machen. "Er war das Gesicht der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, die politische Führungspersönlichkeit und Organisator gewaltlosen Widerstands", sagt Sebastian Jobs, Geschichtsprofessor und Nordamerika-Experte an der Freien Universität Berlin (FU).

Bürgerrechtsbewegung Marsch auf Washington (1963) (Foto: Hulton Archive/Getty Images)

"Marsch auf Washington" (1963)

Wie alle Afroamerikaner seiner Generation bekam Martin Luther King schon als Kind die Folgen der Rassentrennung zu spüren. Geboren am 15. Januar 1929 in Atlanta im Bundesstaat Georgia, übrigens unter dem Namen Michael King Jr., als Sohn eines Pfarrers und einer Lehrerin, spielte er in seiner Kindheit oft mit zwei weißen Nachbarsjungen - bis deren Eltern ihm eines Tages verboten seine Freunde zu sehen.

Namensänderung zu Ehren Martin Luther

Doch King ließ sich nicht unterkriegen. Sowohl in der Schule als auch im Studium der Soziologie und Theologie glänzte er - auch wenn nach seinem Tod bekannt wurde, dass er Teile seiner Doktorarbeit kopiert hatte. Mit 17 Jahren wurde er Hilfsprediger seines Vaters in Atlanta. Sowohl Vater als auch Sohn empfanden einen tiefen Glauben in Gott.

Dieser fand dann auch Ausdruck in ihren Namen. 1934 reiste Michael King Senior nach Berlin, um am baptistischen Weltkongress teilzunehmen. Auf dieser Reise lernte er viel über den Reformator Martin Luther - und war fasziniert. Zurück in der Heimat ließ King Senior denn auch seinen und den Namen seines Sohnes in Martin Luther King ändern.

Aber sein Sohn war nicht nur religiös interessiert, er las auch Aristoteles, Plato, Marx und fand vor allem Gefallen an den Schriften Mahatma Gandhis. "Durch die Konzentration Gandhis auf Liebe und Gewaltlosigkeit fand ich die Methode für Sozialreformen, nach der ich suchte", sagte King.

Auslöser: Rosa Parks Widerstand

Als Bürgerrechtler wurde Martin Luther King erstmals richtig aktiv, nachdem die schwarze Bürgerrechtlerin Rosa Parks in Montgomery (Alabama) sich am 1. Dezember 1955 weigerte, ihren Sitzplatz in einem öffentlichen Bus an einen Weißen abzugeben und anschließend verhaftet wurde.

Rosa Parks sitzt in einem Bus, hinter ihr ein Weißer (Foto: picture alliance)

Bürgerrechtlerin Rosa Parks

King boykottierte mit anderen Aktivisten mehr als ein Jahr lang öffentliche Busse. Der Widerstand war erfolgreich: Der Oberste Gerichtshof untersagte 1956 in Montgomery die Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln. Im darauffolgenden Jahr hielt King dutzende Reden und schrieb über seine Erlebnisse in Montgomery ein Buch.

Auch danach engagierte sich King weiter. So unterstützte er auch die Teilnehmer der "Freedom Rides" in Georgia, bei denen Schwarze gewaltfrei in kleinen Gruppen gegen Rassentrennung im öffentlichen Raum demonstrierten. Schließlich zeigten die landesweiten Proteste der schwarzen Bevölkerung Wirkung. Im Juni 1963 legte Präsident John F. Kennedy den "Civil Rights Act" vor, der die weitgehende landesweite Gleichberechtigung vorsah.

Rassengleichheit nur auf dem Papier

Am 28. August 1963 folgte dann die viel beachtete Demonstration in Washington, D.C. sowie die berühmte I-have-a-dream-Rede vor dem Lincoln-Denkmal.

Kings Strahlkraft sorgte für weltweites Aufsehen. Ein Jahr später erhielt er den Friedensnobelpreis. Doch Rassengleichheit gab es in vielen Fällen noch immer nur auf dem Papier, weshalb er 1965 in Alabama die Märsche von Selma nach Montgomery organisierte, um auf Ungerechtigkeiten zwischen Weißen und Schwarzen im Wahlrecht aufmerksam zu machen.

Mehrfach wurden die Märsche von der Polizei gestoppt, doch schließlich schafften es die Teilnehmer, von Selma in die Nachbarstadt Montgomery zu laufen. Anschließend sprach sich der damalige Präsident Lyndon B. Johnson für ein neues Wahlrechtsgesetz aus. Der Kongress verabschiedete den entsprechenden "Voting Rights Act" im Sommer 1965.

Martin Luther King und seine Frau Coretta Scott King in Selma, Alabama (Foto: William Lovelace/Express/Getty Images)

Martin Luther King mit seiner Frau Coretta Scott King im März 1965 in Selma (Alabama)

Unterdessen organisierten sich vor allem in Städten in Kalifornien und den nördlichen Bundesstaaten gewaltbereite Gruppen - ihnen gingen die Entwicklungen zu langsam voran. Ernüchterung und Enttäuschung machten sich breit bis schließlich Malcolm X und die Black Panther Party den gewaltfreien Ideen Martin Luther Kings gegenüberstanden.

King blieb bei seiner Linie. "Er hat sehr viel dafür getan, Afroamerikaner als intellektuelle und spirituelle Aktuare auf der Bühne in den USA zu etablieren", sagt Geschichtsprofessor Jobs. So heftete King 1966 - nach dem Vorbild seines Namensvetters Martin Luther - 48 Thesen an die Tür des Rathauses von Chicago. Auch dort hatte es zunächst Widerstand gegen King gegeben, der sich nicht in die Belange der Schwarzen in Chicago einmischen sollte. Aber King blieb standhaft - so wie auch seine mehr als 30 Inhaftierungen ihn nicht von seiner Überzeugung abbrachten.

Überwacht vom FBI

Auch das FBI übte Druck auf ihn aus. Die US-Bundespolizei hörte ihn ab, hielt ihn für einen Kommunisten. Außerdem drohten ihm Ermittler, private Informationen zu veröffentlichen, unter anderem über seine Seitensprünge, wenn er nicht aufhörte, sich für die Bürgerrechte der Schwarzen einzusetzen. Aber King ließ sich nicht einschüchtern - so wie auch seine mehr als 30 Inhaftierungen ihn nicht von seiner Überzeugung abbrachten.

Dann kam der 4. April 1968: An diesem Tag vor 50 Jahren wurde Martin Luther King - wie sein Vorbild Gandhi - Opfer eines Attentates. Der mehrfach vorbestrafte Rassist James Earl Ray erschoss King auf dem Balkon eines Motels in Memphis (Tennessee). Martin Luther King wurde 39 Jahre alt. Der Mord führte zu erheblichen Krawallen in vielen Städten der USA. Insgesamt 39 Menschen kamen dabei ums Leben, rund 10.000 wurden verhaftet.

Kings Enkelin beim "March For Our Lives"

Bis heute gilt King als Held der US-amerikanischen Geschichte. "Er ist eine wichtige Identifikationsfigur für Afroamerikaner, vor allem in den USA", so FU-Experte Sebastian Jobs. Kings Träume inspirieren viele Schwarze in den Vereinigten Staaten bis heute. So auch seine Enkelin, Yolanda Renee King.

Yolanda Renee King (Getty Images/AFP/N. Kamm)

King Enkelin Yolanda Renee (l.): "Genug ist genug"

Ganz im Sinne ihres Großvaters trat die Neunjährige am 24. März beim "March For Our Lives" ans Mikrofon, einer großen Demonstration für schärfere Waffengesetze in Washington, D.C.: "Mein Großvater hatte einen Traum, dass seine vier kleinen Kinder nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt werden", sagte Yolanda Renee King nicht weit von dem Ort, an dem ihr Großvater seine berühmte I-have-a-dream-Rede hielt. "Ich habe einen Traum, dass genug genug ist. Dies sollte eine waffenfreie Welt sein. Punkt." Ihr Großvater wäre stolz auf sie.

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