Kommentar: 50 Jahre nach Martin Luther King - Warum wir Helden brauchen | Kommentare | DW | 03.04.2018
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Standpunkt

Kommentar: 50 Jahre nach Martin Luther King - Warum wir Helden brauchen

Deutschland hat sich lange schwer getan, Helden zu feiern. Der 50. Jahrestag der Ermordung von Martin Luther King ist ein guter Tag, darüber nachzudenken, warum unsere Zeit solcher Vorbilder bedarf, meint Ines Pohl.

USA Martin Luther King, Jr. National Memorial in Washington (picture-alliance/newscom/Detroit Free Press/E. Creager)

Das Martin-Luther-King-Denkmal auf der National Mall in Washington D.C.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges lässt der deutsche Dramatiker Bertolt Brecht seinen Galilei sagen: "Unglücklich das Land, das Helden nötig hat." Ein Satz, mit dem der von den Nazis verfolgte Schriftsteller den übertriebenen Heldenkult von unfreien Staaten anprangert. Brecht war der tiefen Überzeugung, dass die Menschen in einem freiheitlichen und demokratischen Land nicht auf das Heldentum Einzelner angewiesen sind, um Probleme zu lösen. Im Gegenteil. Die Verantwortung des Individuums wurde groß geschrieben, Heldenkult gleichgesetzt mit blindem Gehorsam und damit der bis zu einem gewissen Grad selbst gewählten Entmündigung.

Glaube an ein besseres Leben

Vor 50 Jahren wurde Martin Luther King ermordet. Der schwarze Prediger, der nicht aufhörte, gegen die Ungerechtigkeit und den Vietnam-Krieg zu kämpfen und für gleiche Arbeitsbedingungen von Schwarzen. Der trotz aller Gewalt gegen ihn und seine Anhänger friedlich blieb. Und der bis heute jenen Mut macht, die sich nicht zufrieden geben mit dem Bestehenden und daran glauben, dass ein besseres Leben möglich ist.

Ines Pohl Kommentarbild App (DW/P. Böll)

DW-Chefredakteurin Ines Pohl

Vor wenigen Tagen haben in Washington und vielen anderen Städten der Vereinigten Staaten Hunderttausende gegen den Einfluss der Waffenlobby in den USA protestiert. Angeführt und organisiert von jenen Schülerinnen und Schülern aus Parkland, die das Massaker an ihrer Schule überlebt haben. Völlig selbstverständlich haben sie sich hinter den Worten Martin Luther Kings versammelt. Haben seine neunjährige Enkeltochter Yolanda Renee King die berühmten Worte sprechen lassen: "Ich habe einen Traum." Haben mit der 18-jährigen Emma Gonzalez eine Frau an die Spitze ihrer Bewegung, die wie eine junge, moderne, weibliche Variante von Martin Luther King wirkt.

Helden wie Martin Luther King verleiten nicht zu blindem Gehorsam. Im Gegenteil: Sie ermutigen und ermächtigen den Einzelnen. Sie ermöglichen, dass sich hinter ihnen Gemeinschaften bilden, die zusammen stärker sind als der Einzelne. Die sich damit Gehör und politischen Einfluss erkämpfen können.

Helden wie King geben Hoffnung

Vor allem aber geben Helden wie Martin Luther King Hoffnung. Hoffnung, dass es sich lohnt, aufzustehen. Den eigenen kleinen Schutzraum zu verlassen und Zivilcourage zu zeigen. Sich zu solidarisieren. Netzwerke zu knüpfen und eben nicht aufzugeben. Sie rütteln an den Wohlfühlzonen der Privilegierten, fordern sie auf, sich einzubringen.

Es ist genau diese Energie, die Deutschland und die viele andere Länder brauchen, um in der Kompliziertheit dieser Welt, der vermeintlichen Aussichtslosigkeit vieler Konflikte, die Hoffnung nicht zu verlieren. Es ist letztlich der Glaube an die Kraft und die Möglichkeiten eines demokratischen Staates. Der Staat, der engagierte Bürgerinnen und Bürger braucht, um zu funktionieren. Und sich nicht in der angeblichen Alternativlosigkeit einrichtet.

Weltweit wird heute Martin Luther King gefeiert. Nicht nur, weil er Großes zu seinen Lebzeiten erreicht hat. Sondern weil er bis heute gebraucht wird.

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