Wenn Kinder und Jugendliche HIV-positiv sind | Wissen & Umwelt | DW | 30.11.2018
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Welt-Aids-Tag 2018

Wenn Kinder und Jugendliche HIV-positiv sind

Bei HIV und Aids denken wir zuerst an Erwachsene. Aber was ist mit Kindern und Jugendlichen? Weltweit sind es etwa 1,8 Millionen. Nicht alle von ihnen haben die Chance auf ein normales Leben.

Rund 90 Prozent aller Kinder mit HIV leben in den Ländern Subsahara-Afrikas, und nur die Hälfte von ihnen erhält die benötigte medizinische Versorgung. Nach Angaben von "Ärzte ohne Grenzen" starben 2017 weltweit etwa 110.000 Kinder an Aids-bedingten Krankheiten. Neueste Zahlen lassen hoffen. "Es gibt deutlich weniger Neuinfektionen bei Neugeborenen und Babys", sagt Rudi Taneden, Sprecher von UNICEF Deutschland. "2017 waren es 430.000, fünfzehn bis sechzehn Jahre vorher noch doppelt so viele."

Auf einem guten Weg

In Deutschland leben etwa 600 HIV-positive Kinder und Jugendliche. Hinzu kommt die Dunkelziffer. Neuinfektionen gibt es hier kaum noch. Durch ein HIV-Screening in der Schwangerschaft können Mediziner eine mögliche Übertragung auf das Kind bei der Geburt meist verhindern. Die werdende Mutter erhält schon vorher antiretrovirale Medikamente. Sie senken die Viruslast. Durch einen Kaiserschnitt kann eine Infektion ebenfalls verhindert werden. "Das Kind bekommt zur Sicherheit noch für 2 Wochen einen prophylaktischen Saft verabreicht", erklärt Dr. Robin Kobbe. Er ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Der antiretrovirale Saft ist ein zusätzlicher Schutz für das Neugeborene. 

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Symbolbild Geburtenrate (picture-alliance/dpa/A. Burgi)

HIV-positive Mütter können gesunde Kinder zur Welt bringen

Wie sag ich's meinem Kinde?

Auch im Jahr 2018 werden HIV-Positive noch diskriminiert, trotz intensiver Aufklärung. Viele Eltern versuchen vor anderen geheim zu halten, dass ihr Kind HIV-positiv ist. "Die größte Angst der Eltern ist, dass ihre Kinder von anderen abgelehnt werden könnten", sagt Tanji Sthamer von der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Hamburg.

"Diese Ängste versuchen wir den Eltern zu nehmen", so die Sozialpädagogin. "Wir sagen ihnen auch, wie wichtig es ist, den Kindern gegenüber bei der Wahrheit zu bleiben und ihnen keine Lügen zu erzählen. Irgendwann kommt das raus und das bedeutet dann oft einen großen Vertrauensverlust." 

Tanji Sthamer rät, Kinder so früh wie möglich über ihre Erkrankung aufzuklären und das dann möglichst kindgerecht und in ganz kleinen Schritten. "Dabei ist es nicht wichtig, welchen Namen die Krankheit hat, sondern vielleicht zu sagen: 'Dein Blut ist krank'. Oft wollen die Kinder wissen, warum ihnen immer wieder Blut abgenommen wird. Dabei wird zum Beispiel geprüft, ob die Medikamente anschlagen. "Ich muss dem Kind also erklären, warum es schon wieder zum Arzt muss", sagt Sthamer. 

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HI Viren HIV Virus (picture alliance/dpa/H.Gelderblom/Robert Koch Institut)

HI-Viren unter dem Mikroskop

Mittlerweile gibt es sehr gute Medikamente, aber nicht alle sind für Kinder zugelassen. Das sei ein Problem, sagt UNICEF-Sprecher Taneden. "Medikamente, die im Kindesalter wirken, müssen für Jugendliche dann wieder angepasst werden. Hier ist noch viel Forschung nötig."

"Keinen Bock mehr"

HIV-positiv und in der Pubertät. Das bedeutet für Jugendliche und die Eltern, aber auch für die Ärzte eine besondere Situation. "Hier kommt es verständlicherweise oft zu psychischen Problemen", beschreibt Kobbe die Situation. "Oft werden die Medikamente unregelmäßig oder gar nicht eingenommen. Gerade bei nicht konsequenter Einnahme kann es zur Resistenzbildung kommen. Damit verbauen sich die Jugendlichen auf Dauer Behandlungsmöglichkeiten für die Zukunft."

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Sao Tome - Aids Kampagne (Imago/D. Delimont/A. Asael)

Weltweit gibt es immer mehr Aufklärungkampagnen - hier: Sao Tome

Nicht selten rebellieren die Jugendlichen dagegen, täglich ihre Medikamente einzunehmen, wollen oft nicht verstehen, wie wichtig sie sind. Werden die Tabletten aber nicht regelmäßig genommen, kann es sein, dass die Viruslast wieder ansteigt.

Gerade in der Zeit ist es jedoch wichtig, die Medikamente regelmäßig zu nehmen, weil es auch die Zeit ist in der Jugendliche erste sexuelle Erfahrungen machen. Wichtig ist es für die Betroffenen zu wissen: Die HIV-Infektion ist da und bleibt. Aber Dank guter Therapien ist die Diagnose "HIV" zumindest in Deutschland und Westeuropa heute kein Todesurteil mehr.

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