Weltwirtschaftsforum: Haben kongolesische Davos-Delegierte die Zeche geprellt? | Afrika | DW | 27.01.2020
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DR Kongo

Weltwirtschaftsforum: Haben kongolesische Davos-Delegierte die Zeche geprellt?

Teile der kongolesischen Delegation beim Weltwirtschaftsforum in Davos hätten ihre Hotelrechnungen nicht bezahlt, so der Vorwurf zweier Schweizer Hoteliers. Die Regierung weicht aus. Noch fehlt ein offizielles Dementi.

Eigentlich wollte Félix Tshisekedi mit seinem Besuch beim Weltwirtschaftsforum (WEF) vergangene Woche in Davos für positive Schlagzeilen aus der Demokratischen Republik Kongo sorgen: Über erfolgreiche Impfkampagnen im Kampf gegen Ebola wollte der Präsident ein Jahr nach seinem Amtsantritt berichten, auf seine innenpolitischen Reformvorhaben hinweisen und um internationale Unterstützung für seine Regierung werben. Doch die Meldungen über die kongolesische WEF-Delegation, die in den Schweizer Medien seit Ende des Gipfels die Runde machen, haben mit alledem nur wenig zu tun.

Denn offenbar haben Teile der kongolesischen Delegation in zwei Hotels in der Gemeinde Arosa, anderthalb Autostunden von Davos entfernt, die Zeche geprellt. Insgesamt seien umgerechnet rund 10.000 Euro für gebuchte Zimmer nicht bezahlt worden. Das zumindest beanstanden die Betreiber der beiden Hotels, Marco Bühler vom Hotel Chamanna und Hansjörg Oliveira da Cruz vom Hotel Bellevue.

Demnach hätten beide Hotels wenige Tage vor dem Wirtschaftsgipfel über die Buchungsplattform booking.com von Vertretern der kongolesischen Botschaft Bern verbindliche Reservierungsanfragen für mehrere Zimmer erhalten. Doch schon bei der obligatorischen Anzahlung sei es zu Problemen gekommen, berichten die beiden Hoteliers. "Ich habe wie üblich versucht, einen Teil der Gesamtkosten von der Kreditkarte abzubuchen", erzählt Oliveira da Cruz im DW-Interview. "Und dann habe ich bemerkt, dass die Kreditkarte ungültig ist, also dass falsche Angaben gemacht wurden."

Weltwirtschaftsforum 2020 in Davos | Felix Tshisekedi, Präsident DR Kongo (Imago Images/Belga/E. Lalmand)

PR-Kampagne mit Hindernissen: Kongos Präsident Félix Tshisekedi beim Weltwirtschaftsforum in Davos

"Keine Sekunde des Zweifels"

Beide Hoteliers hätten daraufhin versucht, den hohen kongolesischen Besuch über die Buchungsplattform und die Botschaft in Bern zu kontaktieren - ohne Erfolg. "Da habe ich dann gedacht, das klappt einfach nicht", sagt Marco Bühler vom Hotel Chamanna gegenüber der DW. Doch seien am Sonntag vor Beginn des Weltwirtschaftsforums überraschend zwei kongolesische Herren in Arosa aufgetaucht, um die Hotels für die Delegation in Augenschein zu nehmen.

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Die Reservierungen hätten die beiden Abgesandten - die sich als Mitarbeiter des kongolesischen Konsulats in Genf vorstellten - zwar jeweils bestätigt, die eigentlich fälligen Anzahlungen aber nach wie vor nicht geleistet. Zweifel an der Seriosität der Buchung habe er trotzdem zu keinem Zeitpunkt gehabt, sagt Bühler. "Wir sprechen ja hier von einer Regierung und nicht von irgendwelchen Privatpersonen." Dennoch habe er sicherheitshalber eine Ausweiskopie des kongolesischen Hauptbuchers anfertigen lassen.

Hotel Schweiz Intercontinental Davos (picture-alliance/dpa/P. Koller)

Unterbringung in Davos: Beim Weltwirtschaftsforum meist ausgebucht oder unbezahlbar.

Geld für eine Übernachtung zusammengekratzt

Als am Dienstagabend schließlich tatsächlich Teile der kongolesischen WEF-Delegation in Arosa eintrafen, sei die Verwirrung zunächst groß gewesen. "Der Hauptbucher hat dann gesagt, die Delegierten sollen selber zahlen. Ich habe das akzeptiert, unter der Bedingung, dass er für alle nicht bezahlten Zimmer haftet", so Bühler. Doch am nächsten Tag habe ihm der Hauptbucher erklärt, er würde nicht bezahlen - er habe schlicht kein Geld.

Ähnlich sei es auch im Hotel Bellevue gewesen, sagt Oliveira da Cruz. Auch dort mussten die Delegierten bei ihrer Ankunft am Dienstagabend zu ihrer Überraschung selbst zahlen. "Die haben dann das Geld, das sie hatten, zusammengenommen und konnten so eine Nacht bezahlen", so Oliveira da Cruz. Eine zweite Gruppe, die erst spätnachts angekommen sei, habe allerdings kein Geld dabei gehabt. Diese habe das Hotel erst verlassen, nachdem er bei der Polizei angerufen habe.

Insgesamt belaufen sich die ausstehenden Rechnungsbeträge für die gebuchten Zimmer laut Aussagen der Hoteliers auf rund 3300 Euro im Hotel Chamanna und rund 5700 Euro im Hotel Bellevue. Für Marco Bühler sind die Übeltäter längst ausgemacht: "Die Schuldigen sind die, die das organisiert haben. Diese zwei Typen, die für die Botschaft arbeiten und die das nicht bezahlt haben. Denn die Delegierten wussten ja von nichts."

Reaktionen aus dem Kongo

Die kongolesischen Delegierten hätten ihm fast leidgetan, sagt auch Oliveira Da Cruz: "Stellen Sie sich vor, Sie kommen in die Schweiz und eigentlich gibt es Leute, die  alles organisieren sollen, aber dann kommen Sie abends um 9 Uhr in einem Hotel an und Sie bekommen gesagt, Sie müssen das Zimmer selber bezahlen."

Die offizielle kongolesische Reaktion scheint derweil zu lauten: Selbst schuld. Der Sprecher des Präsidenten, Kasongo Mwema Yamba Y'amba, begnügt sich bislang damit, einen Tweet seiner Stellvertreterin Tina Salama zu teilen: "Welches seriöse Hotel in Europa würde einen Besucher aufnehmen, ohne dass die Check-In-Gebühr bezahlt wurde?", fragt Salama auf Twitter - und zweifelt die Glaubwürdigkeit der Darstellung in den Schweizer Medien an, ohne ein offizielles Dementi zu liefern.

"Wir haben daraus gelernt"

Mit dem Vorwurf der Zechprellerei konfrontiert, weist ein Abgeordneter der kongolesischen Regierungspartei UDPS die Forderungen der Schweizer Hoteliers zurück: "Das ist völlig falsch. Kein einziges Delegationsmitglied hat seine Rechnung nicht beglichen", so Peter Kazadi im Gespräch mit der DW. Es seien lediglich reservierte Hotelzimmer nicht in Anspruch genommen worden.

Liegt am Ende möglicherweise ein Missverständnis vor? "Bei Nichtanreise oder Spätanreise ist der Gesamtbetrag fällig, so steht es in den Richtlinien des Hotels", betont Oliveira da Cruz. Etwas Hoffnung haben die beiden Hoteliers noch: Beide seien inzwischen in Kontakt mit Vertretern des Weltwirtschaftsforums und der kongolesischen Botschaft in Bern. "Wir haben daraus gelernt", sagt Marco Bühler. Trotz allem würde er Gäste aus dem Kongo auch nächstes Mal wieder aufnehmen. "Aber sie bekommen die Zimmerschlüssel nur, wenn alles im Voraus bezahlt ist."

Mitarbeit: Nafissa Amadou

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