Weinstein-Anwalt wirft Richter Befangenheit vor | Aktuell Amerika | DW | 08.01.2020
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#MeToo

Weinstein-Anwalt wirft Richter Befangenheit vor

Der gefallene Medienmogul Harvey Weinstein ist während seines Vergewaltigungs-Prozesses ungewöhnlich scharf gerügt worden. Ein Anwalt Weinsteins will den Richter nun wegen Befangenheit austauschen.

Gerichtszeichnung USA New York City Prozess gegen Filmproduzenten Harvey Weinstein (Reuters/Jane Rosenberg)

Damon Cheronis (M.), Anwalt im Verteidiger-Team von Harvey Weinstein (l.) spricht mit Richter James Burke (hinten r.) (Gerichtszeichnung)

Im New Yorker Prozess um mutmaßliche Sexualverbrechen von Ex-Filmproduzent Harvey Weinstein hat die Verteidigung dem Richter Befangenheit vorgeworfen. Anwalt Arthur Aidala forderte Richter James Burke deswegen auf, sich von dem Fall zurückzuziehen. Burke habe Weinstein bereits für schuldig befunden.

Grund ist eine scharfe Rüge Weinsteins durch den Richter am Dienstag, weil der einstige Hollywood-Mogul im Gerichtssaal anscheinend ein Handy benutzt hatte. "Das war an jedem Tag im Gericht ein Problem", sagte Burke. "Wollen Sie wirklich so für den Rest ihres Lebens im Gefängnis landen, indem Sie in Verletzung einer Gerichtsanordnung Textbotschaften verschicken?"

Arthur Aidala (r.) mit den anderen beiden Verteidigern Weinsteins

Arthur Aidala (r.) mit den anderen beiden Verteidigern Weinsteins

In einem Schreiben erklärte Anwalt Aidala, diese Rüge zeige eine "Feindseligkeit" gegenüber Weinstein und lasse Zweifel an der Unvoreingenommenheit des Gerichts aufkommen. Die Äußerungen könnten zweierlei bedeuten: Entweder sei Burke der Auffassung, ein Handy im Gerichtssaal zu benutzen, könne mit lebenslanger Haft bestraft werden. Oder aber er lasse durchblicken, dass Weinstein schuldig sei, und er ihn zu lebenslanger Haft verurteilten wolle. Aidala warf dem Richter zudem vor, einer am Vortag beantragten Vertagung des Prozesses nicht zugestimmt zu haben. Der angeklagte Weinstein war am Mittwoch erneut auf eine Art Rollator gestützt am Gericht erschienen.

Komplizierte Geschworenen-Suche

Der Prozess gegen den Gründer des Miramax-Filmstudios hatte am Montag begonnen. Derzeit läuft die Auswahl der Geschworenen. Eine Geschworenen-Jury auszusuchen, kann bei einem so schlagzeilenträchtigen Verfahren mehrere Tage dauern - einige Beobachter gehen in diesem Fall sogar von bis zu zwei Wochen aus. Am Dienstag hatte rund ein Drittel der 120 potenziellen Kandidaten sofort gesagt, dass sie in diesem Fall befangen seien. Nur 36 blieben als mögliche Juroren im Rennen. Insgesamt müssen zwölf Geschworene und sechs Ersatzjuroren nun gefunden werden, bevor der Prozess mit den Auftaktplädoyers richtig losgehen kann.

Demonstration gegen sexuelle Belästigung Mitte November in Los Angeles

Demonstration gegen sexuelle Belästigung Mitte November in Los Angeles

In dem Prozess geht es um die Vorwürfe von zwei Frauen - Weinstein soll eine von ihnen 2006 zum Oral-Sex gezwungen haben, die andere soll er 2013 vergewaltigt haben. Weinstein weist die Vorwürfe zurück und spricht von einvernehmlichen sexuellen Handlungen. Der Prozess könnte insgesamt bis zu zwei Monate dauern. Bei einer Verurteilung droht dem 67-Jährigen lebenslange Haft.

Mehr als 80 Frauen - darunter bekannte Schauspielerinnen wie Angelina Jolie, Salma Hayek und Gwyneth Paltrow - werfen dem einstigen Hollywood-Mogul jahrzehntelanges sexuelles Fehlverhalten vor. In den meisten Fällen sind die Vorwürfe aber verjährt oder die mutmaßlichen Opfer haben keine Anzeige erstattet.

Salma Hayek am Sonntag bei den Golden Globes

Salma Hayek am Sonntag bei den Golden Globes

Salma Hayek und die Oscar-Preisträgerin Charlize Theron könnten in dem Prozess als Zeuginnen gehört werden. Ihre Namen stehen auf einer Liste von rund 90 möglichen Zeugen für den Prozess in New York, die Richter James Burke veröffentlichte.

Am Tag des Prozessbeginns in New York wurde Weinstein in Los Angeles in zwei weiteren Fällen formal beschuldigt. Er soll im Februar 2013 in der kalifornischen Filmmetropole eine Frau vergewaltigt und eine andere sexuell attackiert haben.

Die Anschuldigungen gegen Weinstein, im Herbst 2017 von der "New York Times" und dem Magazin "New Yorker" veröffentlicht und später mit dem Pulitzer-Preis gekrönt, haben die MeToo-Bewegung ausgelöst. Überall auf der Welt erkannten Frauen und auch einige Männer ihre eigenen Geschichten in denen der Weinstein-Opfer wieder und begannen, sie unter dem Schlagwort "Me too" ("Ich auch") zu sammeln.

stu/se (afp, dpa, ap)

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