"Viele Schüler wissen gar nicht, wie Fake News entstehen"
25. Februar 2026
Auf den ersten Blick wirkt das Klassenzimmer wie jedes andere: Zwischen bunten Wandplakaten und Laptops sitzen Schülerinnen und Schüler über ihre Handys gebeugt. Doch auf den Bildschirmen läuft kein Unterrichtsvideo, sondern eine selbst erstellte KI-Animation.
"Ich habe einfach ein Foto meiner Freunde hochgeladen, das Programm hat den Rest erledigt", erzählt Ognen, 18 Jahre alt, und lacht kurz. "Es hat keine fünf Minuten gedauert, bis sie auf dem Bildschirm tanzten."
Was für ihn nur ein Experiment war, zeigt eindrucksvoll, wie leicht Künstliche Intelligenz heute Inhalte erschaffen oder manipulieren kann. Und es macht ihm und den 35 anderen Teilnehmenden des vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Projekts "Resilienz gegen Desinformation in Nordmazedonien", bewusst, wie wenig sie im Schulalltag darauf vorbereitet sind.
"Die Nutzung von KI und Sozialen Medien sollte unbedingt Teil des Unterrichts sein", fordert Ognen. "Es gibt so viele Risiken, und wir wissen oft gar nicht, wie wir damit umgehen sollen."
Seine Mitschülerin Dea nickt zustimmend. Smartphones, TikTok und Chatbots seien längst selbstverständlich im Alltag "aber wir fühlen uns trotzdem ins kalte Wasser geworfen", sagt sie.
"Viele Schüler wissen gar nicht, wie Fake News, Deepfakes oder Desinformation entstehen und erkennbar sind. Klar, im Projekt lernen wir darüber durch praktische Übungen, aber eigentlich müsste sowas fester Bestandteil der Schule sein, genauso wie Mathe oder Sprachen."
Mehr Medienkompetenz im Curriculum
Viele Jugendliche in der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje teilen diese Meinung: Sie wünschen sich gezielte Aufklärung über künstliche Intelligenz, Fact Checking und Desinformation. Zwar gibt es Projekte und Workshops - doch ein verbindliches Unterrichtsfach "Medienkompetenz" fehlt.
"Medienkompetenz ist ein zentrales Instrument für die Entwicklung des kritischen Denkens und eines analytischen Zugangs zu den Informationen, die wir erhalten", betont die Lehrerin Biljana Pejovska vom Georgi-Dimitrov-Gymnasium in Skopje. "Und Desinformation ist eine der größten Bedrohungen für unsere Demokratie, nicht nur hier in Nordmazedonien, sondern überall in der Westbalkan-Region und auf der Welt."
Darum müssten junge Menschen verstehen, wie Nachrichten entstehen, wie man Quellen überprüft und warum manche Inhalte manipuliert werden, so Pejovska weiter. Ihre Schule versuche bereits, Schülerinnen und Schüler durch Medienprojekte zu sensibilisieren. "Doch um echte Veränderungen zu erreichen, braucht es systematische Bildung und nicht nur einzelne Aktivitäten oder kurzfristige Projekte."
Zwischen Chancen und Verantwortung
Auch bei NarativAI, einen regionalen Nichtregierungsorganisation (NGO) in Skopje, sieht man dringenden Handlungsbedarf. "Wenn wir kritisches Denken in der Schule fördern wollen, müssen wir mit Medienbildung früh beginnen, idealerweise ab der Grundschule", erklärt Aleksandar Manasiev. "KI kann ein großartiges Werkzeug sein, aber nur, wenn junge Menschen lernen, sie bewusst, kreativ und verantwortungsvoll zu nutzen."
Alle Projektteilnehmenden wünschen sich eine Schule, die jungen Menschen beibringt, wie man Wahrheit von Manipulation unterscheidet. Und das in einer Welt, in der selbst ein Foto nicht mehr beweist, was wirklich war.
Und während sich Ognen und Dea über ihren nächsten Unterrichtstag unterhalten, bleibt die Frage im Raum, wie schnell das Schulsystem in Nordmazedonien und anderswo auf diese digitale Realität reagiert. Fest steht: Die Welt der Informationen ändert sich rasant. Und wer in ihr bestehen will, braucht mehr als technisches Wissen - nämlich die Fähigkeit, Wahrheit von Manipulation zu unterscheiden.
Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Projekts "Resilienz gegen Desinformation in Nordmazedonien", das von der Regierung von Nordrhein-Westfalen unterstützt wird.