Venezuela: Oppositioneller Juan Pablo Guanipa "verschleppt"
9. Februar 2026
In Venezuela ist der bekannte Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa offenbar wieder festgenommen worden. Er habe gegen die Auflagen seiner kürzlich erfolgten Haftentlassung verstoßen, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft mit, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Man strebe eine gerichtliche Genehmigung an, um Guanipa unter Hausarrest zu stellen, hieß es.
Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado erklärte, ihr Vertrauter sei von Unbekannten verschleppt worden. "Schwer bewaffnete Männer in Zivilkleidung kamen in vier Fahrzeugen und nahmen ihn mit Gewalt mit", schrieb Machado auf der Online-Plattform X. "Wir fordern seine sofortige Freilassung", fügte sie hinzu. Der Vorfall habe sich in der Wohnsiedlung Los Chorros in der Hauptstadt Caracas ereignet.
"Unser nationaler Anführer Juan Pablo Guanipa wurde von repressiven Organen der Diktatur entführt", teilte seine Partei Primero Justicia mit. Guanipas Sohn Ramón verlangte ein Lebenszeichen seines Vaters.
Venezuelas Führung "illegitim"
Guanipa war erst wenige Stunden zuvor aus dem Gefängnis freigekommen - nach mehr als acht Monaten in Haft. Ihm wurde vorgeworfen, Anführer eines terroristischen Netzwerks gewesen zu sein, das Anschläge innerhalb des Landes geplant habe. Seine mutmaßlich erfolgte erneute Festnahme wirft jetzt einen Schatten auf die Zusagen der venezolanischen Regierung, ein Amnestiegesetz für politische Gefangene zu verabschieden.
Unmittelbar nach seiner Freilassung hatte der 62-Jährige laut Medienberichten mit weiteren prominenten Oppositionspolitikern vor Gefängnissen in Caracas für die sofortige Entlassung aller politischen Gefangenen demonstriert. Auch veröffentlichte Guanipa Videos, in denen er die amtierende Regierung als illegitim bezeichnete.
In diesem Zusammenhang forderte Guanipa Venezuelas Führung auf, das Ergebnis der Präsidentenwahl von 2024 zu respektieren. Nach allgemeiner Einschätzung hatte damals der Oppositionspolitiker Edmundo González Urrutia die Wahl gegen den linksnationalistischen Staatschef Nicolás Maduro gewonnen. Von den Behörden wurde jedoch Maduro zum Sieger erklärt, die Opposition sprach von Wahlbetrug. In der Folge kam es zu gewaltsamen Protesten mit etlichen Todesopfern und mehr als 2400 Festnahmen. González Urrutia floh nach Spanien ins Exil.
Maduro war Anfang Januar dieses Jahres bei einem US-Militäreinsatz gefangengenommen und nach New York gebracht worden. Dort soll ihm wegen "Drogenterrorismus" der Prozess gemacht werden. Venezuela wird derweil von Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez geführt. Sie war bis zur Entmachtung Maduros dessen Stellvertreterin.
wa/pg (epd, rtr, afp, dpa)