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KonflikteVenezuela

Venezuela: Neuer "Akt der Piraterie" durch die USA

21. Dezember 2025

Im Konflikt mit Venezuela zeigen die Vereinigten Staaten ihre "eiserne Faust". Die US-Küstenwache fing erneut einen Tanker mit Öl aus dem südamerikanischen Land ab.

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Screenshot aus einem Video, auf dem der Tanker "Centuries" zu sehen ist
Screenshot aus einem Video, das auf dem X-Account der US-Heimatschutzministerin Kristi Noem gepostet wurdeBild: US Secretary of Homeland Security Kristi Noem's X account/AFP

"Die US-Küstenwache hat in Zusammenarbeit mit dem Kriegsministerium eine Blitzaktion durchgeführt, um den Tanker 'Centuries' zu beschlagnahmen, der im Verdacht steht, Öl zu transportieren, das den US-Sanktionen unterliegt", wurde in Washington offiziell mitgeteilt. "Die eiserne Faust der Streitkräfte und der Strafverfolgungsbehörden der Vereinigten Staaten beherrscht die Meere", betonte die Küstenwache.

Heimatschutzministerin Kristi Noem veröffentlichte ein rund acht Minuten langes Video mit Aufnahmen von einem Helikopter, der über dem Deck des Schiffs auf hoher See schwebt. Die Vereinigten Staaten würden "weiterhin gegen den illegalen Transport von sanktioniertem Öl vorgehen, das zur Finanzierung des Drogenterrorismus in der Region verwendet wird", erklärte Noem. Eine Sprecherin des Weißen Hauses bezeichnete den Tanker als "Teil der venezolanischen Schattenflotte".

Öl aus Venezuela für China

Dem Online-Portal "TankerTrackers" zufolge hat das Schiff 1,8 Millionen Barrel Rohöl geladen, das von Venezuela nach China gebracht werden sollte. Das unter der Flagge Panamas fahrende Schiff, das wohl in internationalen Gewässern östlich von Barbados aufgebracht wurde, befindet sich demnach in chinesischem Eigentum.

Die venezolanische Führung verurteilte den Einsatz der US-Küstenwache scharf: Die Regierung in Caracas sprach von einem "schwerwiegenden Akt internationaler Piraterie" und warf den USA den "Diebstahl und die Entführung" des Schiffes sowie das "gewaltsame Verschwindenlassen der Besatzung" vor. Man werde vor dem UN-Sicherheitsrat gegen das Vorgehen eine Beschwerde einlegen.

Die USA hatten bereits Mitte vergangener Woche einen Öltanker vor der Küste Venezuelas unter ihre Kontrolle gebracht. Vor wenigen Tagen ordnete US-Präsident Donald Trump dann eine "vollständige und komplette Blockade aller sanktionierter Öltanker auf dem Weg von und nach Venezuela" an. Das Land verfügt über die weltweit größten bestätigten Ölreserven.

Trump ordnet Seeblockade für Öltanker vor Venezuela an

Venezuela habe Öl, Land und andere Vermögenswerte von den USA "gestohlen", begründete Trump die Maßnahme. Der Hintergrund: Anfang der 2000er Jahre hatte Venezuela Ölfelder verstaatlicht - betroffen waren auch US-Firmen. In der Folge entbrannte ein Streit um Entschädigungszahlungen. 2019 hatte Trump in seiner ersten Amtszeit dann den staatlichen Ölkonzern PDVSA mit Sanktionen belegt.

Sturz des Maduro-Regimes als Ziel?

Schon seit Monaten spitzt sich der Konflikt zwischen Washington und Caracas zu. Etliche Male versenkte das US-Militär angeblich mit Drogen beladene Boote in der Karibik, teils auch im Pazifik. Dabei seien mindestens 100 Menschen getötet worden, heißt es. Die US-Regierung gibt offiziell an, mit ihrem aggressiven Vorgehen Drogenkartelle bekämpfen zu wollen. Laut Experten gilt Venezuela aber nicht als Produktionsland von Drogen, sondern als Transitland - vor allem für den europäischen Markt.

US-Präsident Donald Trump
Schließt die Möglichkeit eines Krieges mit Venezuela nicht aus: US-Präsident Donald TrumpBild: Evan Vucci/AP Photo/picture alliance

Für zusätzliche Spannungen sorgte ein Interview des Magazins "Vanity Fair" mit Trumps Stabschefin Susie Wiles, in dem sie Aussagen über einen möglichen Machtwechsel in Venezuela machte. "Er (Trump) will so lange Boote in die Luft jagen, bis (Venezuelas Staatschef) Maduro aufgibt. Und Leute, die sich damit viel besser auskennen als ich, sagen, dass er das auch schaffen wird", wurde Wiles zitiert. Später erklärte sie, ihre Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.

wa/haz (dpa, rtr, afp)