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KatastropheLateinamerika

Venezuela: Kleiner Junge sechs Tage nach Erdbeben gerettet

1. Juli 2026

Die Zahl der Erdbebenopfer in Venezuela ist weiter gestiegen. 1943 Tote wurden bislang geborgen. Inmitten von Tod und Zerstörung gibt es jedoch noch kleine Hoffnungsschimmer.

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Venezuela Caracas 2026 | Ein Retter mit Helm trägt einen kleinen Jungen im Arm (30.06.2026)
Jordanischer Helfer bei Rettung des Dreijährigen in CaracasBild: Jordan Public Security/Handout/REUTERS

Sechs Tage nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben in Venezuela ist ein Dreijähriger nach Angaben jordanischer Rettungskräfte lebend aus den Trümmern geborgen worden. Der Junge habe vor Ort Erste Hilfe erhalten und sei in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte der jordanische Zivilschutz am Dienstag mit.

Zudem erreichten salvadorianische Einsatzkräfte in der Nacht auf Dienstag (Ortszeit) einen 44-Jährigen unter den Trümmern eines Einkaufszentrums in der Küstenstadt Maiquetía. Der Mann sei über einen Schlauch mit Wasser versorgt worden, während die Rettungsarbeiten andauerten.

Zwei Beben mit 39 Sekunden Abstand

Am 24. Juni hatten zwei starke Erdbeben Venezuela erschüttert. Die Zahl der Toten ist seitdem auf mindestens 1943 gestiegen, wie der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mitteilte. Verletzt wurden demnach mehr als 10.500 Menschen.

Mehr als 6400 Personen wurden von Suchmannschaften lebend gerettet, hieß es weiter. Die tatsächliche Zahl der Überlebenden liege wahrscheinlich eher bei 20.000, wenn die tausenden Menschen berücksichtigt würden, die unter Trümmern begraben waren und "entweder aus eigener Kraft oder mit der Hilfe von Freunden oder der Familie herauskommen konnten", sagte Rodríguez.

Menschen inmitten von Hilfsgütern in einem Sportkomplex in Venezuela  (30.06.2026)
In La Guaira, einer der zerstörtesten Städte, werden Hilfsgüter in einem Sportkomplex gesammeltBild: Cem Tekkesinoglu/Anadolu/picture alliance

Die zwei Beben hatten sich am Mittwoch vergangener Woche im Abstand von nur 39 Sekunden westlich der Hauptstadt Caracas ereignet. Die Erdstöße hatten eine Stärke von 7,2 und 7,5, es gab dutzende Nachbeben. Tausende Menschen werden nach UN-Angaben noch vermisst. Wie Rodríguez mitteilte, wurden 855 Gebäude vollständig zerstört oder schwer beschädigt.

THW-Helferin in Venezuela: "Wir erleben viel Solidarität"

Auch Einsatzkräfte aus Deutschland sind in Venezuela. Mareike Harms ist eine von ihnen. Sie ist Helferin beim Technischen Hilfswerk (THW) und beobachtet ein großes Engagement der Bevölkerung bei der Bewältigung der Krise. "Wir erleben vor Ort viel Solidarität", sagte Harms dem Evangelischen Pressedienst: "Viele Leute aus anderen Regionen und Betroffene kommen mit Hilfsgütern und suchen selbst nach Überlebenden."

Venezuela Caraballeda 2026 | Eine Grupp von THW-Leuten im Erdbebengebiet (27.06.2026)
THW-Helfer beim Einsatz in Caraballeda im Bundesstaat La Guaira (am Samstag)Bild: THW/dpa/picture alliance

Das Ausmaß der Zerstörung sei groß, sagte Harms. "In La Guaira, wo wir eingesetzt sind, finden wir viele eingestürzte Häuser." Die ehrenamtliche THW-Helferin kam Freitagabend mit einer Sucheinheit an. Ihr Team versucht, in den Trümmern noch Überlebende zu finden und zu retten.

US-Militär mit großem Hilfseinsatz

Derzeit ist auch das US-Militär mit einem großen Aufgebot in und um Venezuela im Einsatz, um Hilfe zu leisten. Mehr als 900 Einsatzkräfte aus den Vereinigten Staaten seien in der Erdbebenregion, sagte ⁠der Befehlshaber ⁠des US-Südkommandos, General Francis Donovan, der Nachrichtenagentur Reuters.

Weitere 800 Armeeangehörige stünden auf Stützpunkten in Puerto Rico und ‌Curaçao bereit. Die US-Streitkräfte hätten sich an Such- und Rettungsaktionen beteiligt, bei der Wiederinbetriebnahme des Flughafens ​geholfen und Luft- und Seetransporte für humanitäre Hilfe mobilisiert.

Ein Rettungsteam sucht in Trümmern nach Überlebenden (30.06.2026)
Ein US-Rettungsteam sucht in Venezuela nach ÜberlebendenBild: U.S. Department of State/UPI Photo/IMAGO

Donovan lehnte es ab, über die Dauer des Einsatzes zu spekulieren. Es gebe jedoch ​keine Pläne für ⁠einen dauerhaften Einsatz der entsandten Truppen. "Es ist nicht die Rede davon, zu bleiben", sagte er. "Wir ⁠gehen, wenn wir ​fertig sind."

Der Einsatz markiert eine bemerkenswerte Wende in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Noch am 3. Januar hatte das US-Militär eine Razzia ausgeführt, ‌um den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro zu ergreifen und ihn ‌für ​einen Prozess wegen Drogenhandels nach New York zu bringen.      

pg/AR (dpa, afp, rtr, epd)

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