Venezianer haben genug von Kreuzfahrten | Aktuell Europa | DW | 09.06.2019
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Weltkulturerbe

Venezianer haben genug von Kreuzfahrten

Jeden Tag fahren riesige Kreuzfahrtschiffe am berühmten Markusplatz in Venedig vorbei. Vor einer Woche kollidierte eines mit einem Ausflugsboot. Demonstranten forderten das Ende für Kreuzfahrten in der Lagunenstadt.

Tausende Demonstranten zogen mit Schildern und Transparenten durch die Stadt - darauf Slogans wie "Keine großen Schiffe" und "Haltet große Schiffe aus der Stadt fern". "Diese Giganten müssen die Lagune verlassen", forderte der Gemeindevorsitzende des Stadtteils Marghera, Gianfranco Bettin. Sie würden sich nicht mit dem sensiblen Ökosystem vertragen und seien "gefährlich" für die Stadt. Italienische Medien sprachen von rund 5000 Demonstranten.

Blockierter Antrieb und gerissene Kette

Am vergangenen Sonntag hatte ein außer Kontrolle geratener Kreuzfahrtriese beim Anlegen in Venedig ein Ausflugsschiff gerammt. Auf Videos in den sozialen Netzwerken ist zu sehen, wie die "MSC Opera" mit dröhnendem Signalhorn langsam auf den Kai des Giudecca-Kanals zufährt, die Mauer entlangschrammt und dabei das dort liegende Touristenschiff wegschiebt. Auf den Amateurvideos ist noch zu sehen, wie Touristen an der Uferpromenade vor dem herannahenden Kreuzfahrtschiff fliehen. Wie durch ein Wunder wurden nur vier Insassen des kleineren Schiffs leicht verletzt.

Italien Venedig Kreuzfahrtschiff rammt Touristenboot (AFP/Vigili del Fuoco)

David gegen Goliath in Venedig: Kreuzfahrtschiff rammt Ausflugsboot

Der Kapitän des Kreuzfahrtschiffs habe einen Motorschaden gemeldet, sagte der Leiter des Schlepperdienstes, der die "MSC Opera" bis zu ihrem Liegeplatz begleiten sollte. Nach seinen Angaben blockierte der Antrieb im Schubbefehl und die Geschwindigkeit nahm wieder zu. Die beiden Begleit-Schlepper hätten noch versucht, die Fahrt zu bremsen, doch sei eine ihrer Ketten unter dem Druck gerissen.

Sensibles ökologisches Gleichgewicht

Der Vorfall ließ die Kontroverse um Venedigs Kreuzfahrttourismus wieder aufleben. Bisher dürfen die riesigen Schiffe noch am berühmten Markusplatz vorbei durch den Giudecca-Kanal fahren, der zwischen der Altstadt und der Insel Giudecca liegt. Nach Angaben von Kultur- und Umweltschützern gefährden die Wellen der riesigen Schiffe die Fundamente des Weltkulturerbes und bedrohen das sensible ökologische Gleichgewicht in der Lagune.

pgr/rb (ap, afp)

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