Unfassbare Produktionsgeschichte - Terry Gilliams Don-Quixote-Film in den Kinos | Filme | DW | 27.09.2018
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Film-Geschichte

Unfassbare Produktionsgeschichte - Terry Gilliams Don-Quixote-Film in den Kinos

Terry Gilliam kann sich trösten. Er ist mit seinem neuen Film "The Man Who Killed Don Quixote" nicht der einzige Regisseur, der an einem Traum-Projekt scheiterte - wie ein Blick in die Filmgeschichte beweist.

Das mit Abstand Spannendste an dem Film "The Man Who Killed Don Quixote", der nun auch in Deutschland in den Kinos anläuft, ist die Produktionsgeschichte. Leider. Terry Gilliams Film, der in Cannes Welt- und in München Deutschland-Premiere feierte, ist eine Enttäuschung, vor allem künstlerisch. Der Film ist nach langen Jahren der Vorbereitung, nach mehreren Drehstarts, nach Unterbrechungen am Set, nach vollkommen neuen Schauspieler-Besetzungen und der Zusammenarbeit mit verschiedenen Produzenten fertig. Das zumindest ist einmal die gute Nachricht.

Monty-Python-Mitglied Terry Gilliam erfüllte sich einen Kinotraum

Vielleicht sollte man sich lieber die Dokumentation "Lost in La Mancha" anschauen, die vor 16 Jahren entstand. Regisseur Keith Fulton drehte 2002 einen Film über einen Film, der nie zu Stande kam - eben über Gilliams vergebliche Versuche, Don Quixote zu verfilmen. Das war damals schon faszinierend.

Aber natürlich ist es auch wahr, dass Fultons Film nur die eine Hälfte der Geschichte des Don-Quixote-Projekts erzählt. Denn danach ging es ja weiter. Terry Gilliam nahm noch einen Anlauf, und irgendwann gelang es ihm, sein Herzensprojekt doch noch zu verwirklichen. Nun ist Gilliam 77 Jahre alt und es hätte ein Triumph werden können. Man hätte es dem ehemaligen Mitglied der Monty-Python-Truppe von Herzen gegönnt.

 Terry Gilliam beim Filmfest München (picture-alliance/dpa/F. Hörhager)

Bekam im Sommer in München beim Filmfest einen Preis fürs Lebenswerk: Terry Gilliam

Der britisch-amerikanische Drehbuchautor, Schauspieler und Regisseur hatte vor einem Vierteljahrhundert einen Traum. Gilliam wollte den weltberühmten Roman "Don Quijote" des Spaniers Miguel de Cervantes von Anfang des 17. Jahrhunderts ins Kino bringen. Im Jahre 2000 stand die Finanzierung, die Dreharbeiten begannen. Doch schnell stellte sich raus, dass doch nicht genügend Geld vorhanden war und als dann auch noch Hauptdarsteller Jean Rochefort ernsthaft erkrankte, musste das Projekt gestoppt werden.

Eine Kette von Unglücken, Dramen und Finanzierungsproblemen

Das Filmmaterial sowie die Rechte an dem Drehbuch gelangten in den Besitz einer deutschen Versicherungsgesellschaft. Ein Drama für Gilliam und sein Team. Über das Desaster entstand besagter Dokumentarfilm von Keith Fulton. Doch Gilliam gab nicht auf. Ein paar Jahre später nahm er einen neuen Anlauf, inzwischen mit anderen Darstellern, Robert Duvall und Ewan McGregor. Doch auch diese Dreharbeiten scheiterten, unter anderem auch, weil die Locations durch Unwetter verwüstet wurden.

Film Don Quixote von Orson Welles (picture alliance/Mary Evans Picture Library)

Gilliam war nicht der einzige, der am Don-Quixote-Stoff scheiterte: Szene aus dem nicht beendeten Film von Orson Welles

Vor zwei Jahren dann klappte es doch noch. Wieder andere Schauspieler, eine völlig überarbeitete Story und ein neuer Produzent - mit dem sich Gilliam dann in der Folge aber auch wieder überwarf - brachten das lang gehegte Projekt doch noch zu einem Abschluss. Nun ist es die Geschichte eines selbstgefälligen Werbefilmers (Adam Driver), der in Spanien einen Clip drehen soll und dabei mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird: Vor zehn Jahren hatte er ganz in der Nähe als idealistischer Jungfilmer die Geschichte des Ritters von der traurigen Gestalt verfilmt.

Blutleerer Film: "The Man Who Killed Don Quixote"

Vielleicht haben die vielen Jahre der Produktionsgeschichte einfach an den Nerven aller Beteiligten gezehrt: "The Man Who Killed Don Quixote" wirkt in seiner verschachtelten Erzählkonstruktion überfrachtet und überambitioniert. Die Filmhandlung, der Versuch die gescheiterte Produktionsgeschichte widerzuspiegeln, packt die Zuschauer nur in wenigen Szenen. So fielen die Reaktionen in Cannes und München sehr zurückhaltend aus. "The Man Who Killed Don Quixote" ist somit ein in zweifacher Hinsicht gescheitertes Filmprojekt.

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