UN: Gräueltaten des IS in Mossul | Aktuell Nahost | DW | 11.11.2016
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Dschihadismus

UN: Gräueltaten des IS in Mossul

"Herzzerreißend" seien die Berichte aus der irakischen Metropole, sagt der UN-Hochkommissar für Menschenrechte. Übermittelt werden sie von Zeugen, die dem Tod selbst nur um Haaresbreite entrannen.

Irak Zivilisten kehren in der Umgebung von Mossul zurück (Getty Images/C. McGrath)

Kinder beobachten aus der Ferne eine brennende Ölquelle, die fliehende IS-Kämpfer in Brand gesetzt haben sollen

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verübt laut den Vereinten Nationen immer neue Gräueltaten rund um die Stadt Mossul - ihre letzte verbliebene Bastion im Irak. In der umkämpften Metropole hätten die Extremisten 40 Zivilisten hingerichtet und die Leichen an Strommasten aufgehängt, sagte eine UN-Sprecherin in Genf.

Die Opfer seien des Verrats beschuldigt worden und der Kollaboration mit jenen Truppen, die Mossul den Dschihadisten entringen wollen. Weitere 20 Zivilisten seien wegen ähnlicher Vorwürfe erschossen worden. Eine der Hinrichtungsstätten des IS habe sich an einem Massengrab befunden, das erst kürzlich entdeckt wurde. Allerdings gebe es inzwischen auch einzelne Hinweise auf Rachemorde der irakischen Bevölkerung und der Armee. Die Vereinten Nationen berufen sich auf irakische Informanten. Darunter sei auch ein Mann, der sich bei einer Masseneexekution tot gestellt und nur so überlebt habe, erläuterte die UN-Sprecherin.

Kinder zum Töten gepresst

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, nannte die Berichte über Massentötungen, Folter und andere Grausamkeiten in Mossul "herzzerreißend". Die Extremisten, die hierfür verantwortlich seien, müssten vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag oder vor irakische Gerichte gestellt werden.

Angesichts der Gebietsverluste durch das Vorrücken der irakischen Armee und ihrer Verbündeten terrorisiere der "Islamische Staat" wahllos Männer, Frauen und Kinder, sagte der UN-Hochkommissar. So würden Kinder gezwungen, vermeintliche IS-Gegner hinzurichten. Frauen und Mädchen verteilten die Dschihadisten untereinander. Dann würden sie vergewaltigt. Auch weiterhin verschleppe der IS Zivilisten, um sie als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Bald 50.000 Flüchtlinge aus dem Großraum Mossul

Inzwischen sind nach UN-Angaben fast 50.000 Menschen aus Mossul und Umgebung vor den Kämpfen zwischen Armee und Terrormiliz geflohen. Der IS schicke inzwischen mit Sprengstoffgürteln ausgestattete Kinder und Jugendliche in die Altstadt. Zudem soll die Miliz in Wohngebieten Schwefel und andere Substanzen lagern, die für chemische Waffen genutzt werden könnten.

Die Großoffensive der irakischen Armee mit Unterstützung kurdischer Einheiten und der US-geführten Anti-Terror-Koalition hatte im Oktober begonnen. Die IS-Terroristen waren 2014 in die zweitgrößte Stadt des Iraks eingedrungen und hatten dort eine Schreckensherrschaft errichtet. Inzwischen mussten die Dschihadisten weite Teile des von ihnen beherrschten Territoriums im Land wieder preisgeben. Der Kampf um Mossul dürfte aber noch Wochen oder sogar Monate dauern.

jj/qu (rtr, epd, afp)