UN-Bericht: Systematischer Missbrauch durch syrische Regierungstruppen | Aktuell Nahost | DW | 15.03.2018
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Verbrechen gegen die Menschlichkeit

UN-Bericht: Systematischer Missbrauch durch syrische Regierungstruppen

Vergewaltigung, sexuelle Gewalt und Demütigung - das ist nach einem UN-Bericht in Syrien an der Tagesordnung. Vor allem Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Milizen würden Frauen und Kinder missbrauchen.

Sexuelle Gewalt mit System, lautet der Vorwurf, den die UN-Untersuchungskommission zu Syrien mit ihrem Bericht belegt. Neben Vergewaltigungen, Demütigungen und sexueller Gewalt gegen Frauen und Mädchen dokumentiert die Kommission in ihrem Bericht auch Fälle, bei denen Jungen und Männer mit Stöcken und Flaschen misshandelt wurden.

Vor allem Regierungssoldaten von Machthaber Baschar al-Assad und verbündete Milizionäre sind dem UN-Bericht zufolge "systematisch" vorgegangen. Auch oppositionelle Milizen begingen ebenfalls Verbrechen dieser Art, allerdings sei dies keine systematische Kriegsstrategie gewesen.

"Umfassender Angriff"

Ziel der Vergewaltigungen sei es gewesen, Angst zu verbreiten, Loyalität zu erzwingen oder Informationen herauszupressen. So sollten mit den Misshandlungen durch Regimetreue Geständnisse oder Informationen über Aufständische erpresst werden oder vermeintliche Einsätze für Oppositionskräfte bestraft werden, heißt es.

Die sexuelle Gewalt gegen Frauen sei Teil eines "umfassenden" Angriffs auf die Zivilbevölkerung gewesen und als Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzustufen, so die UN-Untersuchungskommission mit Sitz in Genf. Vergewaltigungen fänden bei Kampfeinsätzen, Hausdurchsuchungen, an Kontrollpunkten und in Gefängnissen statt. Die Kommission sprach mit 454 Überlebenden, Anwälten und Medizinern.

Detaillierte Zeugenberichte

"Der Aufseher nahm zwei Mädchen, drückte ihr Gesicht auf den Tisch und vergewaltigte sie", zitiert die Kommission einen Mann, der 2014 in Damaskus in Gewahrsam war. "Er sagte: Du siehst, was ich tue, das mache ich auch mit deiner Frau und deiner Tochter." Ältere Frauen berichteten, dass sie an Kontrollpunkten durchsucht wurden und Kämpfer sie dabei bewusst an Brust und Genitalien berührten. Andere berichteten von Folter mit Elektroden an Brüsten und Genitalien. Viele hätten dabei das Bewusstsein verloren.

In einem anderen Fall in Homs seien 2012 mit der Regierung verbündete Milizen in ein Haus gestürmt, hätten fünf Männer getötet und einen sechsten gezwungen zuzusehen, wie sie seine Frau und zwei Töchter vergewaltigten. Anschließend sei der Mann vor den Augen seiner Familie ebenfalls vergewaltigt worden. Andere Männer seien zu Oralsex an Gefangenen gezwungen worden.

Die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission für Syrien (COI) übergab ihren Bericht dem UN-Menschenrechtsrat. Sexualverbrechen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sind in dem Report nicht aufgeführt, sie wurden separat dokumentiert.

 

sam/rb (AFP, dpa, epd)