Ukraine aktuell: Kiew weist Verantwortung für Explosionen auf der Krim von sich | Aktuell Welt | DW | 10.08.2022
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Russlands Krieg gegen die Ukraine

Ukraine aktuell: Kiew weist Verantwortung für Explosionen auf der Krim von sich

Die Ursache der Detonationen in einem Munitionsdepot auf der Krim ist weiter unklar. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hält an der Befreiung der annektierten Halbinsel als Kriegsziel fest. Ein Überblick.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Spekulationen über Ursache der Explosionen auf der Krim
  • Selenskyj nennt Befreiung der Krim erneut als Kriegsziel
  • 13 Tote durch russische Raketenangriffe im Süden der Ukraine
  • Ukraine will Verbindung zwischen Saporischschja und Krim vereiteln 
  • Razzia bei russischer Journalistin nach erneutem Kriegsprotest

 

Nach den Explosionen auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim ist die Ursache weiter unklar. Spekuliert wird unter anderem über einen Verstoß gegen Brandschutzregeln oder einen Sabotageakt. Beobachter wiesen darauf hin, dass die ukrainischen Truppen mehr als 200 Kilometer entfernt seien. Bisherigen Berichten zufolge verfügt die ukrainische Armee bislang nicht über Raketen mit dieser Reichweite.

Die "New York Times" berichtet dagegen, dass die Explosionen die Folge eines ukrainischen Angriffs gewesen seien. Dabei sei eine von der Ukraine selbst entwickelte Waffe eingesetzt worden, zitiert die Zeitung einen ranghohen ukrainischen Militär.

Die Ukraine weist eine Verwicklung von sich. Präsidentenberater Mychajlo Podoljak antwortete auf die Frage des unabhängigen russischen Fernsehsenders "Doschd", ob Kiew die Verantwortung trage: "Natürlich nicht. Was haben wir damit zu tun?" Er deutete an, dass möglicherweise Partisanen beteiligt waren.

Auf der Krim war am Dienstag lokalen und Moskauer Angaben zufolge ein Munitionsdepot auf einem Luftwaffenstützpunkt explodiert. In sozialen Netzwerken kursierende Videos zeigten zudem Explosionen und große Rauchwolken, die bei dem Ort Nowofjodorowka unweit des Badeortes Jewpatorija aufgenommen worden sein sollen. Ein Mensch sei getötet worden, teilte der sogenannte Gouverneur der Krim Sergej Aksjonow laut russischen Agenturen mit. Ukrainischen Angaben zufolge sollen bei der Detonation mindestens zehn Kampfflugzeuge zerstört worden sein.

Selenskyj: Krieg beginnt und endet mit der Krim

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj versprach seinen Landsleuten unterdessen erneut eine Befreiung der Halbinsel. "Die Krim ist ukrainisch, und wir werden sie niemals aufgeben", sagte er. Mit der Annexion 2014 habe Russland die Krim in einen der gefährlichsten Orte verwandelt.

Präsident Wolodymyr Selenskyj und sein Stabschef Andrij Jermak am Dienstag im Videogespräch mit Ex-US-Präsident Bill Clinton

Präsident Selenskyj und sein Stabschef Jermak am Dienstag im Videogespräch mit Ex-US-Präsident Bill Clinton

Die Schwarzmeerregion könne "nicht sicher sein, solange die Krim besetzt ist". Selenskyj fügte hinzu: "Dieser russische Krieg gegen die Ukraine, gegen das ganze freie Europa, hat mit der Krim begonnen und muss mit der Krim enden, mit ihrer Befreiung."

Der Stabschef von Selenskyj, Andrij Jermak, betonte allerdings, dass die Kämpfe noch vor Beginn der nächsten Heizperiode beendet werden müssten. Ansonsten bestehe das Risiko, dass Russland die Infrastruktur für Wärme und Energie zerstöre, sagte Jermak nach Angaben der Agentur Interfax in Kiew. Die russische Armee greife jetzt schon Infrastruktureinrichtungen an. "Das ist einer der Gründe, warum wir maximale Maßnahmen ergreifen wollen, um den aktiven Teil des Kriegs bis Ende Herbst zu beenden." Russland hält inzwischen etwa ein Fünftel des Nachbarlandes besetzt - einschließlich der Halbinsel Krim. 

13 Tote durch russische Raketenangriffe im Süden der Ukraine

Durch nächtlichen Raketenbeschuss sind im ukrainischen Gebiet Dnipropetrowsk offiziellen Angaben zufolge mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen. Das schrieb der Chef der Militärverwaltung des Gebiets Dnipropetrowsk, Walentyn Resnitschenko, auf seinem Telegram-Kanal. Die beiden getroffenen Ortschaften liegen dabei dem zuletzt mehrfach beschossenen Atomkraftwerk Saporischschja gegenüber - am anderen Ufer des hier zum Stausee geformten Fluss Dnipro.

Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine

Das Atomkraftwerk Saporischschja liegt am Fluss Dnipro

Am schwersten traf es demnach die Kleinstadt Marhanez. In der Stadt seien 20 mehrgeschossige Gebäude durch den Raketenbeschuss beschädigt worden, darunter der Kulturpalast, zwei Schulen und ein Wohnheim. Zehn Menschen seien in der Stadt getötet worden, elf weitere verletzt, sieben davon schwer, teilte Resnitschenko mit. In einem Dorf unweit der Großstadt Nikopol starb eine weitere Frau in ihrem Wohnhaus durch den Angriff.

Laut IAEA keine akute Gefahr in Saporischschja

Die Internationalen Atombehörde (IAEA) sieht nach dem Beschuss des von Russland besetzten Atomkraftwerks Saporischschja in der Südukraine keine unmittelbare Bedrohung der nuklearen Sicherheit. Das teilte IAEA-Chef Rafael Grossi in Wien mit. Ukrainische Behörden hätten die IAEA informiert, dass es zwar Schäden gebe, die Strahlungsmessungen aber weiterhin auf normalem Niveau lägen. 

Rafael Grossi, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien

Rafael Grossi ist Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien

Das in der Stadt Enerhodar gelegene AKW Saporischschja war am Wochenende mehrfach beschossen worden. Russland und die Ukraine geben sich gegenseitig die Schuld an den Angriffen. Unabhängig zu überprüfen sind die Vorwürfe bislang nicht.

Sorge um AKW Saporischschja

Russland will die Anlage nun mit einer eigener Flugabwehr ausrüsten. "Die Luftabwehrsysteme des Kraftwerks werden verstärkt", sagte der Chef der von Moskau eingesetzten Militärverwaltung in der Region, Jewgeni Balizki, im russischen Staatsfernsehen.

Ukraine will Verbindung zwischen AKW und Krim vereiteln 

Die Ukraine hat für den Fall eines Anschlusses des Atomkraftwerks an die von Russland annektierte Halbinsel Krim mit einem Kappen der Stromleitungen gedroht. "Ich denke, unsere Streitkräfte werden dazu bereit sein, wenn es nötig ist", sagte der Chef des staatlichen Atomkraftwerksbetreibers Enerhoatom, Petro Kotin, der Agentur RBK-Ukrajina. Dazu könne es kommen, bevor das Kraftwerk Saporischschja vom ukrainischen Netz getrennt wird.

Kotin zufolge will Russland seit langem das AKW mit der Krim verbinden. "Dafür muss das Kraftwerk komplett vom ukrainischen Energiesystem abgeschaltet und an die Leitung angeschlossen werden, welche die Krim mit dem Wasserkraftwerk Kachowka verbindet." Kotin sagte auch, dass die ukrainischen Truppen die Stromleitungen beschießen würden, wenn Russland das Atomkraftwerk an sein Netz anschließe. Bei einem Ausfall des Kraftwerks wäre die Stromversorgung des gesamten russisch besetzten Südens gefährdet. Russland hatte das größte europäische Atomkraftwerk Saporischschja Anfang März besetzt.

UN-Sicherheitsrat befasst sich mit AKW-Beschuss

Mit dem Beschuss des AKW soll sich auf Initiative Russlands auch der UN-Sicherheitsrat beschäftigen. Moskau beantragte ein Treffen des mächtigsten UN-Gremiums für Donnerstag. Der Rat soll von IAEA-Chef Grossi, über den Zustand des Kraftwerks unterrichtet werden.

Unterdessen forderten die Außenminister der G7-Staaten Russland in einer gemeinsamen Erklärung auf, das Kernkraftwerk Saporischschja und sämtliche kerntechnischen Anlagen des Landes unverzüglich wieder der vollständigen Kontrolle der Ukraine, zu unterstellen. Außerdem müssten die IAEO in der Lage sein, zu allen Anlagen sicheren und uneingeschränkten Zugang zu erhalten, hieß es in der Erklärung. 

Biden glaubt an "starke Verbündete"

US-Präsident Joe Biden hat die Ratifizierung des NATO-Beitritts von Finnland und Schweden durch den US-Senat mit seiner Unterschrift formal gebilligt. Die beiden Länder würden "starke, zuverlässige, hochgradig fähige neue Verbündete", indem sie die "heilige Verpflichtung" zur gegenseitigen Verteidigung im transatlantischen Bündnis unter Führung der USA eingingen, sagt Biden bei der Unterzeichnungszeremonie.

Washington | Unterzeichnungszeremonie zum NATO-Beitritt Schwedens und Finnlands mit US-Präsident Joe Biden

US-Präsident Joe Biden schüttelt der schwedischen Botschafterin in den USA, Karin Olofsdotter, die Hand, links von den beiden applaudiert Vizepräsidentin Kamala Harris (l.), rechts daneben steht der finnische Botschafter Mikko Hautala

Der Senat hatte den NATO-Beitritt der beiden Staaten in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit ratifiziert. Finnland und Schweden hatten im Mai wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine mit ihrer traditionellen militärischen Neutralität gebrochen und einen Antrag auf Mitgliedschaft in dem Verteidigungsbündnis gestellt. Bevor die Beitrittsprotokolle in Kraft treten können, müssen sie von den 30 NATO-Staaten ratifiziert werden.

Razzia nach erneutem Kriegsprotest

Die russischen Behörden haben bei der Journalistin Marina Owsjannikowa wegen angeblicher Diskreditierung der russischen Armee eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Laut ihres Anwalts Dmitri Sachwatow seien die Sicherheitsbeamten in das Haus eingedrungen, ohne die Ankunft ihres Rechtsbeistands abzuwarten. Owsjannikowa, die schon mehrere Geldstrafen wegen ihrer Kritik am russischen Angriffskrieg bezahlen musste, droht nun eine lange Haftstrafe.

Protest gegen den Ukraine Krieg von Journalistin Owssjannikowa im russischen TV

Mit diesem Plakat protestierte die Journalistin Owssjannikowa im russischen TV gegen den Krieg in der Ukraine

Laut Sachwatow könnte die Hausdurchsuchungen im Zusammenhang mit der jüngsten Protestaktion Owsjannikowas stehen, wo sie im Moskauer Stadtzentrum in Sichtweite des Kremls ein Plakat mit der Aufschrift "Putin ist ein Mörder, seine Soldaten Faschisten" hochgehalten hatte. International bekannt wurde sie im März. Damals hatte  sie als Mitarbeiterin des russischen Staatsfernsehens in einer Live-Sendung ein Protestplakat gegen den Krieg gezeigt. Darauf stand: "Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen".

bri/as/gri/ww (dpa, afp, rtr)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

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