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"Echter Loser": Trump beschimpft US-Athleten bei Olympia

9. Februar 2026

Bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina stehen US-Sportler im Mittelpunkt politischer Debatten. Ihr eigener Präsident und dessen Anhänger schießen per Social Media gegen sie.

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US-Präsident Donald Trump bei Dunkelheit vor US-Flagge an Fahnenmast
US-Präsident Donald Trump schießt per Social-Media-Post gegen einen kritischen OlympiasportlerBild: Sipa USA/picture alliance

Die US-Olympiateilnehmer erhalten immer mehr Hass-Nachrichten. Erster und prominentester Absender ist ihr eigener Präsident, Donald Trump. Der fast 80-Jährige nutzte am Wochenende nach dem Beginn der Olympischen Spiele in Mailand und Cortina mehrfach die Gelegenheit, solche Athletinnen und Athleten öffentlich zu kritisieren, die ihn und seine Politik nicht vollständig befürworten.

So bezeichnete Trump den Ski-Freestyler Hunter Hess auf seiner Plattform Social-Media-Plattform Truth Social als "echten Loser". Es sei sehr schwer, "jemanden wie ihn anzufeuern".

Hess, der bei der Eröffnungsfeier in Livigno US-Fahnenträger gewesen war, hatte zum teilweise brutalen Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten in den  USA gesagt, es rufe "gemischte Gefühle" hervor, die USA im Moment zu vertreten. "Nur weil ich die Flagge trage, heißt das nicht, dass ich alles repräsentiere, was gerade in den USA passiert", sagte der 27-Jährige.

Unterstützt wurde Trump unter anderem von Youtuber Jake Paul, der auch als Boxprofi aktiv ist. "Von allen echten Amerikanern: Wenn Du dieses Land nicht repräsentieren willst, dann zieh doch woanders hin", schrieb Paul an Hess gerichtet auf der Plattform X, wo er 4,4 Millionen Follower hat.

Die Anwesenheit von ICE-Agenten in Italien hatte am Wochenende zu Protesten geführt, die teilweise in Gewalt ausarteten. Auch deswegen werden die US-Sportlerinnen und Sportler bei den Winterspielen ständig auf das Thema angesprochen.

Shiffrin verliest Mandela-Zitat

Ski-Star Mikaela Shiffrin gab daraufhin kein direktes Statement gegen Donald Trump ab, sondern betonte in einer Pressekonferenz zur Eröffnungsfeier Werte wie Frieden, Vielfalt, Inklusion, Freundlichkeit, Einsatzbereitschaft und Teamgeist.

Pressekonferenz mit Mikaela Shiffrin bei den Olympische Winterspiele 2026
Ski-Star Mikaela Shiffrin sendete mit einem Mandela-Zitat eine Botschaft für Frieden und Inklusion ausBild: Michael Kappeler/dpa/picture alliance

Sie las ein Zitat von Nelson Mandela vor: "Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Konflikten, sondern die Schaffung eines Umfelds, in dem wir alle gedeihen können, unabhängig von Rasse, Religion oder anderen Unterscheidungsmerkmalen."

Sowohl Freestyle-Skifahrer Chris Lillis als auch Eiskunstläuferin Amber Glenn wurden nach ihren öffentlichen Aussagen bei den Winterspielen in sozialen Medien massiv angefeindet.

Amber Glenn erhielt nach ihren Aussagen zur Lage von LGBTQ+-Personen in den USA eine "beängstigende Menge von Hass-Nachrichten und Drohungen" und sah sich gezwungen, eine Social-Media-Pause einzulegen.

Chris Lillis wurde wegen seiner Kritik im Zusammenhang mit ICE-Einsätzen mit Kommentaren wie "Anti-American" und Forderungen, er solle "nach Hause gehen", attackiert.

Botschaft aus Urin an ICE

Unterstützung für die ICE-Kritiker gab es vom britischen Ski-Freestyler Gus Kenworthy, der die Botschaft "fuck ice" in den Schnee pinkelte und das Bild auf seinem Instagram-Account teilte.

In seinem Beitrag schrieb er: "Unschuldige Menschen wurden ermordet, und es reicht jetzt. Wir können nicht länger zusehen, wie ICE weiterhin mit ungehinderter Macht in unseren Gemeinden agiert."

Auch das Olympische und Paralympische Komitee der USA (USOPC) hat reagiert. Es werde das Bestmögliche getan, um die Attacken in sozialen Medien zu entfernen und ernstzunehmende Drohungen an die Strafverfolgungsbehörden weiterzuleiten, teilte das USOPC der Nachrichtenagentur AP mit.

"Das USOPC steht fest hinter den Athleten des Teams USA und setzt sich weiterhin für ihr Wohlergehen und ihre Sicherheit ein, sowohl auf als auch neben den Wettkampfstätten", hieß es in einem Statement der Dachorganisation.

Grönländische Biathlon-Geschwister gegen Trump

Auch das Thema Grönland und Donald Trump überschattet die olympischen Wettbewerbe. "Wir sprechen viel darüber, und ich bin völlig wütend. Donald Trump ist ein riesiger Idiot", sagte die Biathletin Ukaleq Slettemark beim dänischen Sender DR Sporten.

Ukaleq und ihr Bruder Sondre Slettemark sind Grönländer, starten in Mailand und Cortina aber für Dänemark, weil ihr Heimatland über kein eigenes Nationales Olympisches Komitee (NOK) verfügt.

Sie machen sich nach wie vor Sorgen und haben Angst vor den nächsten Schritten des US-Präsidenten im anhaltenden Konflikt über eine mögliche Annexion der Insel.

Biathletin Ukaleq Astri Slettemark sitzt nach Weltcup-Rennen in Ruhpolding erschöpft im Ziel
Biathletin Ukaleq Slettemark kommt aus Grönland, startet bei den Olympischen Spielen aber für DänemarkBild: Heike Feiner/Eibner-Pressefoto/picture alliance

"Ich bin stolz darauf, mit Dänemark auf der größten Bühne der Welt stehen zu dürfen, auch wenn ich Grönländer und kein Däne bin", sagte Sondre Slettemark.

"Die stärkste Botschaft, die wir senden können, ist für Dänemark anzutreten", ergänzte seine Schwester Ukaleq. Für sie sei es "wichtig, dass wir Dänemark als unseren sicheren Hafen haben und dass wir gut zusammenarbeiten können. Wir müssen den USA ein klares Signal senden, dass wir nicht die geringste Lust haben, Teil der USA zu sein."

Hass von Trump für Bad Bunnys Liebesbotschaft

Trump war auch abseits der Olympischen Spiele recht aktiv in Sachen Sport an diesem Wochenende. Neben den Kritikern an seiner Politik im US-Olympiateam war auch Latino-Sänger Bad Bunny Ziel seiner abfälligen und hasserfüllten Kommentare.

Nach dem Sieg der Seattle Seahawks im Super Bowl, wo Bad Bunny in der Halftime Show auftrat, bezeichnete Trump dessen Hommage an die lateinamerikanische Kultur die mit der Botschaft "Liebe ist stärker als Hass" endete, als "absolut furchtbar!"

"Ein Schlag ins Gesicht für unser Land", schimpfte Trump auf Truth Social. Kein Mensch verstehe "nur ein Wort" (Bad Bunny sang auf Spanisch, was 41 Millionen Amerikaner sprechen), das Getanze sei "widerlich".