Trump lässt sich für gesund erklären | Aktuell Amerika | DW | 15.09.2016
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Aktuell Amerika

Trump lässt sich für gesund erklären

Die Lungenentzündung von Hillary Clinton hat den Gesundheitszustand der US-Präsidentschaftskandidaten zum Wahlkampfthema gemacht. Nach langem Zögern geht nun auch Donald Trump in die Offensive.

Donald Trump erfreue sich "glänzender körperlicher Verfassung", schreibt dessen Leibarzt Harold Bornstein in einer Mitteilung. Mit der Veröffentlichung bemüht sich der republikanische Präsidentschaftskandidat, die Debatte um seinen Gesundheitszustand einzudämmen. Denn durch die Lungenentzündung von Kontrahentin Hillary Clinton und deren intransparentem Umgang damit war auch die Debatte um Trumps Fitness hochgekocht.

Nur ein paar Mittelchen

Laut Bornstein sind Trumps Leber- und Schilddrüsenwerte "alle im normalen Bereich". Trump rauche nicht und trinke keinen Alkohol, habe einen leicht erhöhten Blutfettwert und sei mit 107 Kilogramm bei 1,90 Meter Körpergröße ein bisschen zu dick, heißt es in dem Brief, der der "Washington Post" vorlag. Darin sind auch Trumps Cholesterol-, Triglyceride-, Blutzucker- und Blutdruckwerte aufgelistet. Insgesamt sei der 70-Jährige völlig gesund. Er nehme ein paar Mittelchen gegen erhöhte Cholesterinwerte und vorsichtshalber eine niedrige Dosis Aspirin. Der Brief verschweigt aber mögliche Gesundheitsprobleme in der Vergangenheit und ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Gesundheitsakte.

Der langjährige Arzt des Milliardärs ist nicht unumstritten. 2015 hatte er Trump attestiert, er wäre der "gesündeste Kandidat, der jemals in das Präsidentenamt gewählt werde". Später gestand Bornstein ein, das kurze Schreiben in Eile verfasst zu haben und inzwischen eine andere Wortwahl wählen würde.

Bislang kein Arztgutachten von Trump

Der Gesundheitszustand der Kandidaten von Demokraten und Republikaner ist in den vergangenen Tagen zum Wahlkampfthema geworden. Clinton hatte bei den Gedenkfeiern für die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York am Sonntag einen Schwächeanfall erlitten. Ihr Team hatte daraufhin eingestehen müssen, dass sie seit Freitag an einer Lungenentzündung leide. Dies hatte Trump in seiner Haltung bestärkt, wonach Clinton körperlich nicht den Belastungen des Präsidentenamts gewachsen wäre. Er selbst hatte aber bisher, außer dem kurzen Schreiben Bornsteins, kein ausführliches Arztgutachten veröffentlicht.

USA New York Hillary Clinton

Nach dem Schwächeanfall zeigte sich Clinton kurz der Öffentlichkeit und machte erst später ihre Lungenentzündung publik

Clinton hatte das hingegen bereits 2015 getan. Nun ließ sie ein neuerliches Gesundheitsgutachten ihrer Ärztin Lisa Bardack veröffentlichen. Trotz einer "leichten" Lungenentzündung sei die 68-Jährige weiterhin "fit genug" für das oberste Staatsamt, heißt es. Clinton erhole sich dank Antibiotika und Ruhe gut von der "leichten, nicht ansteckenden Lungenentzündung". Auch bleibe sie „weiterhin gesund und fit genug, um als Präsidentin" zu dienen, erklärte Bardack. Ihre Werte seien "normal", und sie verfüge über eine "exzellente geistige Gesundheit".

Stimmung im Clinton-Lager schlechter

Die gesundheitlichen Probleme Clintons könnten sich auf die bevorstehende heiße Phase des US-Wahlkampfes auswirken. So ließ die Begeisterung im Lager Clintons laut einer Umfrage für den Sender CBS und die "New York Times" deutlich nach. Hatten im August noch 77 Prozent der eingeschriebenen demokratischen Wähler gesagt, sie seien recht begeistert oder sehr begeistert von der Kandidatin, so waren es neuerdings nur noch 64 Prozent. Der Prozentsatz der stark Begeisterten lag im Clinton-Lager nun bei 36, während er im Lager Trumps mit 43 deutlich darüber lag.

Auch liegen beide Kandidaten nahezu gleichauf. Jeweils rund 42 Prozent der Wähler äußerten die Absicht, für Clinton beziehungsweise für Trump zu stimmen. Für die Umfrage wurden die Angaben von 1753 US-Bürgern ausgewertet. Sie wurde zwischen dem 9. und 13. September abgehalten. Ein Teil der Wähler war also möglicherweise schon von den Nachrichten über den Schwächeanfall beeinflusst. Aufgrund des Wahlsystems in den USA sind die landesweiten Befragungen allerdings weniger aussagekräftig. Entscheidend ist die Stimmung in den einzelnen Bundesstaaten. Sie stellen eine festgelegte Zahl an Wahlmännern.

wo/wh (afp, dpa)