Trump lässt Auslandsinvestitionen sinken | Wirtschaft | DW | 12.06.2019
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Globalisierung

Trump lässt Auslandsinvestitionen sinken

Die ausländischen Direktinvestitionen sind im vergangenen Jahr erneut gesunken, so ein Bericht der UN-Organisation Unctad. Und wer ist schuld daran? Der US-Präsident und seine Steuerreform.

Mexiko BMW neues Werk in San Luis Potosi (Reuters/J. Gonzalez)

Mehr als eine Milliarde US-Dollar investierte der deutsche Autobauer BMW in sein neues Werk in Mexiko

Jedes Jahr untersuchen die Statistiker der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (engl. Unctad) mit Sitz in Genf, wie viel Geld Firmen im Ausland investieren. Bei diesen ausländischen Direktinvestitionen (engl. FDI - Foreign Direct Investment) fließt nicht nur Geld, sondern auch Wissen und Technologie; sie gelten daher als ein Gradmesser der Globalisierung.

Im Jahr 2018 sind die ausländischen Direktinvestitionen um 13 Prozent gefallen auf weltweit 1,3 Billionen US-Dollar, so der World Investment Report der Unctad. Es war der dritte Rückgang in Folge.

"Das ist kein gutes Signal für die internationale Gemeinschaft und ihre Fähigkeit, dringende globale Probleme anzugehen, etwa den Kampf gegen Armut oder die Klimakrise", sagte Unctad-Generalsekretär Mukhisa Kituyi. "Geopolitische Risiken und Handelskonflilkte werden die ausländischen Direktinvestitionen auch 2019 und danach belasten."

Besonders stark gingen die Investitionen in Europa zurück; 2018 haben sie sich gegenüber dem Vorjahr halbiert auf 172 Milliarden Dollar.

Folge der US-Steuerreform

Die Unctad sieht den Rückgang vor allem als Folge der großen Steuerreform, die US-Präsident Donald Trump 2017 durchgesetzt hatte. "Der Rückgang geht weitgehend darauf zurück, dass multinationale US-Firmen ihre Gewinne aus dem Ausland zurücktransferierten, um die genau dafür vorgesehenen Steuerreformen von 2017 zu nutzen", so die Unctad.

US-Firmen sind seit Jahren die größten Investoren im Ausland, aber im vergangenen Jahr belegten die USA nur noch Rang Platz 157. Das ist von Trump durchaus beabsichtigt: Er will, dass Unternehmen zu Hause und nicht im Ausland investieren.

Mehr Übernahmen

Allerdings heißt das nicht, US-Firmen seien nicht mehr im Ausland aktiv, ganz im Gegenteil. Viele Firmen schwimmen in Geld und haben 2018 für 172 Milliarden Dollar europäische Firmen gekauft, und damit doppelt so viel ausgegeben wie im Vorjahr. Zu den größten Übernahmen zählten der Kauf der britischen TV-Senderkette Sky durch den US-Telekom-Konzern Comcast für 40 Milliarden Dollar sowie die Fusion der Industriegassparten von Praxais (USA) und Linde (Deutschland) für 32 Milliarden Euro.

Weil US-Firmen aber gleichzeitig viel Geld in die USA zurücktransferiert haben, betrug der Gesamtwert ihrer Direktinvestitionen in Europa nur rund 20 Milliarden Dollar, so der Bericht.

Es waren vor allem Industrieländer, die unter den Folgen der US-Steuerreform gelitten haben. Hier fielen die Direktinvestitionen aus dem Ausland auf das Niveau von 2004.

Infografik Ausländische Direktinvestitionen Top 10

Besonders stark fielen die Direktinvestitionen in Großbritannien, von rund 100 Milliarden Dollar im Jahr 2017 auf nur noch 64 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Bei der Bewertung halten sich die Unctad-Experten zurück: "Es bleibt unklar, wie groß die Auswirkung des anstehenden Brexit auf die Direktinvestitionen ist", heißt es im Bericht.

Weil sich der Effekt der US-Steuerreform abschwächt, sind die Autoren des Berichts optimistisch, dass sich die Direktinvestitionen in Europa bald wieder erholen. "Der Ausblick sieht ziemlich gut aus", sagte James Zhan von der Unctad. "Wir erwarten für dieses Jahr ein bescheidenes Wachstum."

Entwicklungsländer profitieren

Entwicklungs- und Schwellenländer konnten dagegen mehr Direktinvestitionen anziehen als im Vorjahr (plus zwei Prozent). "Inzwischen machen die ausländischen Direktinvestitionen in diesen Ländern mehr als die Hälfte (54 Prozent) der globalen Ströme aus", so der Bericht.

Unter den 20 Ländern, die die meisten Direktinvestitionen aus dem Ausland anziehen, sind inzwischen die Hälfte Schwellen- und Entwicklungsländer. Das mit Abstand größte Stück vom Kuchen geht allerdings wieder in die USA, auch wenn es im vergangenen Jahr um neun Prozent kleiner wurde auf 252 Milliarden Dollar.

Deutschland fiel von Platz 11 auf Platz 14 zurück. Innerhalb Europas zogen die Niederlande das meiste Geld an, gefolgt von Großbritannien, Spanien und Frankreich. Deutschland lag in Europa auf dem sechsten Platz.

Top-Investoren waren 2018 Japan, China, Frankreich und Hongkong, gefolgt von Deutschland auf dem unveränderten Platz 5. Während die meisten Industrieländer einschließlich Deutschland weniger im Ausland investierten, hat Frankreich seine Aktivitäten auf gut 100 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt.

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