Globalisierung: Die Grenzen der Akzeptanz | Wirtschaft | DW | 29.05.2019
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Studie

Globalisierung: Die Grenzen der Akzeptanz

In vielen Ländern sehen Menschen die wirtschaftliche Globalisierung kritisch, so eine Umfrage. Und zwar vor allem dort, wo sie ihren Wohlstand nicht zuletzt der Globalisierung verdanken: in den USA und Teilen der EU.

"Die Globalisierung hat in meinem Land die Grenzen der Akzeptanz erreicht" - dieser Aussage stimmten in den USA 70 Prozent und in der EU 56 Prozent der Wirtschaftsexperten zu, die das Münchner Ifo-Institut für seinen aktuellen "World Economic Survey" befragt hat.

Als besonders kritisch werden die Franzosen eingeschätzt, hier stimmten 85 Prozent der Befragten der Aussage "vollständig oder etwas" zu. Das ist der höchste Wert unter den 120 untersuchten Ländern. Auch in Tschechien (70 Prozent), Österreich (69 Prozent), Großbritannien (68 Prozent) und Deutschland (64 Prozent) nehmen die Befragten die Stimmung im Land als überwiegend globalisierungskritisch war.

Gegenbewegungen

An die Grenzen der Akzeptanz scheint die Globablisierung vor allem in jenen Ländern zu stoßen, die vom zunehmend grenzüberschreitenden Handel der vergangenen Jahrzehnte besonders profitiert haben. Hier gab es auch die offensichtlichsten Gegenbewegungen: das Brexit-Referendum in Großbritannien, Donald Trump und sein "Make America Great Again" in den USA, die Gelbwesten in Frankreich. "In diesen Ländern sagt die Bevölkerung: die Grenze der Globalisierung ist erreicht, bis hierhin und nicht weiter", so Johanna Garnitz vom Ifo-Institut, Ko-Autorin der Untersuchung.

"Die fortgeschrittenen Volkswirtschaften sind hinsichtlich der Globalisierung generell kritischer als Schwellen- und Entwicklungsländer", fasst sie das Hauptergebnis der Untersuchung im DW-Gespräch zusammen. Global gesehen aber "halten sich die positiven und die negativen Meinungen exakt die Waage", fügt sie hinzu.

Infografik Einstellung zur Globalisierung DE

In China, Exportweltmeister und lange Zeit die "Werkbank des Westens", wird die Globalisierung positiv gesehen (77 Prozent), ebenso auf den Philippinen, in Malaysia und vielen anderen Entwicklungs- und Schwellenländern. "Diese Länder verbinden mit der Globalisierung noch große Hoffnungen", sagt Garnitz. "Menschen in wohlhabenden Ländern glauben dagegen eher, das Limit sei erreicht und viel mehr könnten sie von der Globalisierung nicht profitieren."

Doch es gibt Ausnahmen: In Indien, Bangladesh, Indonesien und Thailand ist die positive Haltung zur Globalisierung relativ gering ausgeprägt (weniger als 40 Prozent). Unter den Industrieländern hat Südkorea die mit Abstand positivste Haltung zur Globalisierung (83 Prozent). Aber auch in Europa gibt es Länder, in denen die Stimmung eindeutig pro Globalisierung ist: Portugal, Schweden, Luxemburg, Dänemark und Finnland kommen auf Werte zwischen 60 und 70 Prozent.

Geld aus China

Die Ifo-Forscher fragten auch, wie Direktinvestitionen aus China in den jeweiligen Ländern gesehen werden. China beteiligt sich in vielen Entwicklungsländern am Aufbau der Infrastruktur. Und in Deutschland und anderen Industrieländern kaufen Chinesen Technologiefirmen, weil deren Know-how zu nationalen Industriestrategie "Made in China 2025" passt.

Die Ergebnisse decken sich mit der Einstellung zur Globalisierung. "Die USA, die EU und auch Japan sehen chinesische Direktinvestitionen besonders kritisch", sagt Ifo-Forscherin Garnitz. "Die meisten Schwellen- und Entwicklungsländer sehen Investitionen aus China dagegen eher positiv oder zumindest nicht negativer als Direktinvestition aus anderen Ländern." Eine Einschränkung gab es: In Chinas Nachbarländern werden Direktinvestitionen aus dem Reich der Mitte kritischer beäugt als in anderen Schwellenländern.

Die Befragten

Allerdings konnten die Ifo-Forscher nicht große und repräsentative Bevölkerungsgruppen befragen, das wäre wohl zu aufwändig und teuer gewesen. Stattdessen baten sie rund 1200 Volkswirte und Konjunkturforscher in 120 Ländern, die Stimmung der Bevölkerung in ihrem jeweiligen Land einzuschätzen.

Seit 1981 befragt das Ifo-Institut vierteljährlich Experten in der ganzen Welt zur Konjunkturentwicklung in ihren Ländern und erstellt daraus den World Economic Survey. Die Fragen zu Globalisierung und chinesischen Investitionen wurden erstmals im Rahmen dieser Erhebung gestellt.

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