Trump: IS-Chef Al-Bagdadi bei US-Einsatz getötet | Aktuell Welt | DW | 27.10.2019
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Terrorismus

Trump: IS-Chef Al-Bagdadi bei US-Einsatz getötet

Bei einem US-Militäreinsatz ist der Chef der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), Abu Bakr Al-Bagdadi, getötet worden. US-Präsident Trump bestätigte dies im Weißen Haus. DNA-Tests hätten die Identität bestätigt.

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Trump bestätigt Tod von IS-Anführer al-Bagdadi

Abu Al-Bagdadi sei bei einem Militäreinsatz von US-Spezialkräften in Nordwest-Syrien getötet worden, sagte US-Präsident Donald Trump in einer Ansprache im Weißen Haus. Außerdem seien zahlreiche Komplizen des Anführers der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) getötet worden. US-Soldaten seien nicht zu Schaden gekommen. Al-Bagdadi sei gestorben, als er bei dem Angriff eine Sprengstoffweste zur Detonation gebracht habe. Auch drei seiner Kinder und zwei Frauen habe er mit in den Tod gerissen. Bei seiner Flucht habe Al-Bagdadi wie ein Hund gewinselt.

DNA-Analysen hätten inzwischen bestätigt, dass es sich bei dem Toten um al-Bagdadi handle. 

Nach Angaben des US-Präsidenten waren acht US-Hubschrauber an dem Ort gelandet, wo sich Al-Bagdadi aufhielt. Der IS-Chef sei daraufhin in einen Tunnel geflüchtet, wobei er drei seiner kleinen Kinder mit sich "gezerrt" habe. Dann habe er die Sprengstoffweste detonieren lassen. Die US-Soldaten hielten sich laut Trump etwa zwei Stunden in dem Anwesen auf. Dabei hätten sie wichtiges Material gefunden, auch über die "Zukunftspläne" des IS.

Die Informationen über den Aufenthaltsort von Al-Bagdadi stammten offenbar aus dem Irak. Der irakische Geheimdienst habe das Versteck des IS-Chefs lokalisiert, teilten Sicherheitskräfte in Bagdad mit. Die US-Streitkräfte hätten ihre Militäraktion "auf dieser Basis" ausgeführt.

Trump wusste von Operation

Der US-Präsident dankte Russland, der Türkei, Syrien, aber auch den Kurden für ihre Mithilfe. Der Kommandeur der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Maslum Abdi, schrieb auf Twitter, Al-Bagdadis Tod sei das Ergebnis einer über fünf Monate dauernden Geheimdienstzusammenarbeit gewesen. Der IS-Chef sei dann bei einer gemeinsamen Militäraktion getötet worden. 

Trump gab an, dass er den Einsatz zusammen mit dem Verteidigungsminister Mark Esper sowie führenden US-Generälen verfolgt habe. Er habe seit drei Tagen von dem bevorstehenden Einsatz gewusst. Trump unterstrich, die USA würden die Jagd nach IS-Anführern fortsetzen. Man habe bereits die möglichen Nachfolger Bagdadis im Visier.

Beobachtung der Entwicklungen während der Razzia der US-Spezialeinheiten in Syrien (AP/The White House/S. Craighead)

US-Präsident Trump verfolgte die Operation zusammen mit Regierungsvertretern im Lagezentrum im Weißen Haus in Washington (von links: Nationaler Sicherheitsberater Robert O'Brien, Vize-Präsident Mike Pence, US-Präsident Donald Trump, Verteidigungsminister Mark Esper, General Mark Milley und Brigade-General Marcus Evans)

Mit dem von den USA ausgesetzten Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (rund 22 Millionen Euro) ist Al-Bagdadi einer der meistgesuchten Terroristen der Welt gewesen.

Internationale Reaktionen

Der Tod Al-Bagdadis wurde international begrüßt: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte nach Angaben seines Büros: "Ich möchte dem Präsidenten Trump zu dem beeindruckenden Erfolg gratulieren, der zur Tötung des IS-Chefs Al-Bagdadi führte.“ Der Einsatz beweise „unsere Entschlossenheit - der USA und aller freier Länder -, Terrororganisationen und -staaten zu bekämpfen“.

Die Türkei bekräftigte, sie wolle auch in Zukunft mit den USA zusammenzuarbeiten, um gegen den Terrorismus in all seinen Erscheinungsformen zu kämpfen.

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson schrieb auf Twitter: "Der Tod von Al-Bagdadi ist ein wichtiger Moment in unserem Kampf gegen den Terror, aber der Kampf gegen das Böse von Daesh ("Islamischer Staat") ist noch nicht vorbei. Wir werden mit unseren Koalitionspartnern zusammenarbeiten, um den mörderischen, barbarischen Aktivitäten von Daesh ein für alle Mal ein Ende zu setzen."

Auch Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly beglückwünschte die USA zu der gelungenen Militäraktion.

Russland hingegen zweifelte die Aktion der US-Amerikaner an. Das russische Verteidigungsministerium forderte Beweise für den Militäreinsatz. Es gebe von den mutmaßlich beteiligten Seiten in Details widersprüchliche Angaben, die Zweifel aufkommen ließen, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow in Moskau nach einer Mitteilung des Ministeriums. Es gebe keine überzeugenden Informationen, dass die USA in der von ihnen nicht kontrollierten Zone in Syrien solch einen Einsatz durchgezogen hätten. 

Trump verkündet Tod von IS-Anführer Al-Bagdadi (picture-alliance/dpa/A. Harnik)

Donald Trump bei seiner Ansprache im Weißen Haus

Bagdadi als Phantom

Über Al-Bagdadi ist wenig bekannt. Selbst für seine Anhänger blieb der IS-Anführer stets ein Phantom. Für tot erklärt wurde er schon häufiger. Seit Jahren wurde über seinen Aufenthaltsort gerätselt. Sehr selten wandte sich Al-Bagdadi in Audio- und Videobotschaften an seine Anhänger - der Aufnahmeort blieb geheim.

Soweit bekannt, war der 48-Jährige nur einmal in der Öffentlichkeit aufgetreten: Anfang Juli 2014, als er von der Kanzel der Al-Nuri-Moschee im nordirakischen Mossul aus ein "Kalifat" in Syrien und dem Irak ausrief und den "Gehorsam" aller Muslime einforderte. Seitdem veröffentlichte seine Dschihadisten-Gruppe wiederholt Audiobotschaften, die von ihm stammen sollen. Auch nach dem Fall des "Kalifats" im März dieses Jahres rief Al-Bagdadi seine Anhänger zur Fortsetzung des dschihadistischen Kampfes auf.

Diverse Bagdadi-Botschaften

Zuletzt waren die internationalen Befürchtungen, dass es zu einer Rückkehr des IS kommen könnte, angesichts der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien gestiegen. Die USA gaben die Zahl der aus kurdischen Gefängnissen entkommenen IS-Kämpfer seit dem türkischen Einmarsch am Mittwoch mit mehr als hundert an.

Erst im September hatte Al-Bagdadi in einer Audiobotschaft an seine Anhänger zur Befreiung der gefangenen Kämpfer und ihrer Familien aufgerufen. "Tut euer Möglichstes, um eure Brüder und Schwestern zu retten und die Mauern einzureißen, die sie gefangen halten", sagte der untergetauchte Extremistenführer damals. Ein einziges Mal - im vergangenen April - wandte sich Al-Bagdadi in einer Videobotschaft an seine Anhänger. Der sichtlich gealterte und an Diabetes leidende IS-Chef rief seine Anhänger in dem Video dazu auf, den Kampf trotz des Verlusts ihres "Kalifats" in Syrien und im Irak fortzusetzen. Seine Anhänger schwor auf eine "lange Schlacht" ein.

IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi (picture-alliance/AP Photo/Al-Furqan)

Al-Bagdadi war gesundheitlich angeschlagen - Archivbild aus dem April diesen Jahres

Geboren im Irak

Geboren wurde Al-Bagdadi 1971 im zentralirakischen Samarra als Sohn einer armen Familie unter dem Namen Ibrahim Awad al-Badri. Als Junge begeisterte er sich für Fußball und träumte davon, Anwalt oder Soldat zu werden. Doch seine mangelhaften Noten und seine schlechten Augen verhinderten beides. So studierte er in Bagdad Theologie, bevor er nach der US-Invasion 2003 als Anführer einer Dschihadistengruppe in den Untergrund ging.

Nach dem Sturz des irakischen Langzeitherrschers Saddam Hussein im Jahr 2003 saß er eine Zeit lang in einem US-Gefängnis im Irak. Im Jahr 2010 übernahm Al-Bagdadi die Führung des Al-Kaida-Ablegers im Irak, der damals noch "Islamischer Staat im Irak" hieß. Nach und nach begann die Gruppe, sich nach Syrien auszudehnen. Darüber brach Al-Bagdadi mit Al-Kaida, weil er nicht die Forderung der Führung des Terrornetzwerkes akzeptieren wollte, sich auf den Irak zu beschränken. Mit der Ausrufung des Kalifats benannte sich die Terrormiliz in "Islamischer Staat" um. Damit verbunden war der Anspruch, alle Muslime weltweit zu vereinen und zu führen.

Im Sommer 2014 überrannte sie die nordirakische Großstadt Mossul und stieß bis vor Bagdad vor. Doch mit Gräueltaten und blutigen Anschlägen brachte er nicht nur die internationale Gemeinschaft, sondern auch viele Landsleute gegen sich auf. In den vergangenen Jahren folgte eine Niederlage auf die andere, im März verlor seine Miliz nach langem Kampf schließlich auch Baghus, das letzte Dorf im Osten Syriens. 

as/ml (dpa, rtr, afp, CNN)

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