Taktik-Spielchen auf allen Seiten | Aktuell Welt | DW | 16.10.2018
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Fall Khashoggi

Taktik-Spielchen auf allen Seiten

In den Fall des verschwundenen Journalisten Khashoggi kommt Bewegung: US-Außenminister Pompeo hat mit den Saudis gesprochen, türkische Ermittler haben das Haus des Konsuls durchsucht - und der kehrt zurück nach Hause.

Vor mehr als zwei Wochen verschwand der saudische Journalist Jamal Khashoggi unter mysteriösen Umständen. Zu dem Fall gibt es noch immer viele offene Fragen. Aber es scheint, dass manche in diesem Fall mehr wissen, als sie bisher zugegeben - und dass die Karten gerade neu gemischt werden.

Neu im Spiel sind die USA. US-Präsident Trump hatte sich bisher sehr zurückgehalten, hat aber jetzt anscheinend erkannt, dass es auch für ihn um einiges geht: Saudi-Arabien ist einer der wichtigsten Partner im Nahen Osten. Sollte sich herausstellen, dass die saudische Regierung einen Mord an Khashoggi in Auftrag gegeben hat, wird es für Trump schwer, das Land weiter so privilegiert wie bisher zu behandeln.

US-Außenminister zu Besuch in Riad

Wohl auch aus diesem Grund ist US-Außenminister Pompeo nach Riad gereist, wo er sich mit König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman traf. Pompeo schlug dabei auffallend sanfte Töne an - eine Schuldzuweisung Richtung Herrscherhaus war von ihm nicht zu hören. Stattdessen gab es offenbar wohldosierten Druck. Pompeos Sprecherin sagte nach dem Treffen, auch die saudi-arabische Führung sehe die Notwendigkeit einer "vertieften, transparenten Untersuchung".

Diese Untersuchung wiederum liegt vor allem in den Händen der Türkei, einem weiteren Akteur in diesem verworrenen Fall. Nachdem türkische Ermittler bereits das saudi-arabische Konsulat durchsucht hatten, nahmen sie sich inzwischen auch die Residenz des Konsuls vor, um dort Spuren zu sichern. Ob und was sie dort fanden, dürfte US-Außenminister Pompeo bald zu hören und zu sehen bekommen - er soll nämlich weiter in die Türkei fliegen, um auch dort Gespräche über den Fall Khashoggi zu führen.

Konsul fliegt zurück nach Saudi-Arabien

Wie türkische Medien berichten, verließ der Konsul unterdessen die Türkei an Bord einer Linienmaschine in Richtung Riad. Auf Seiten der türkischen Behörden könnte es zudem noch eine Trumpf-Karte geben, die sie bisher nicht ausgespielt haben. Seit Tagen hält sich das Gerücht, die Ermittler hätten Ton- und Videoaufnahmen von der Folterung und Ermordung Khashoggis, angeblich gibt es auch Aufzeichnungen von seiner Smartwatch. Mit diesen Aufnahmen könnte die Türkei Saudi-Arabien unter Druck setzen - ob das bereits passiert, lässt sich derzeit von außen nicht feststellen.

Jamal Khashoggi (picture-alliance/AP Photo/V. Mayo)

Jamal Khashoggi im Jahr 2011

Alle wollen ihr Gesicht wahren - aber wie?

Für die saudische Regierung dürfte es wichtig sein, eine Erklärung für das Verschwinden Khashoggis zu finden, bei der sie ihr Gesicht wahren kann. Eine mögliche Erklärung zeichnet sich ab: Die saudische Regierung könnte zugeben, dass Khashoggi tatsächlich in dem Konsulat war und dort auch gestorben ist - durch ein Verhör, dass aus dem Ruder gelaufen ist. Entscheidend dürfte sein, dass Saudi-Arabien den Fall so darstellt, dass es keinerlei Verbindungen zum Königshaus gab.

Ob Pompeo in dieser Sache hinter den Kulissen doch massiver auftrat als vor den Kameras, dürfte sich spätestens in den nächsten Tagen zeigen. Denn noch sind im Fall Khashoggi nicht alle Karten gespielt.

bru/jj (afp, dpa, rtr)

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