Studie: Zustimmung zur Demokratie, Zweifel an der Funktion
20. Februar 2026
Die ganze Welt verändert sich, zumeist nicht zum Guten: Autokratien sind auf dem Vormarsch, Populisten spüren Aufwind, demokratische Gesellschaften stehen unter Druck. Und das alles auch, weil sich die Lebensgrundlagen rasend schnell verändern, was die Menschen stark verunsichert. Auch in Deutschland.
Dennoch kommt der "Deutschland-Monitor 2025" zu dem Ergebnis: 98 Prozent aller Deutschen stehen der Idee der Demokratie positiv gegenüber, und vor allem im Osten des Landes nimmt die Zustimmung zur Demokratie als Staatsform eher zu. Ein überraschend aufmunterndes Fazit, dass die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), am Donnerstag dieser Woche in Berlin verkündete: "Es ist gut, dass die Demokratie als Staatsform von den Bürgerinnen und Bürgern vollumfänglich befürwortet wird. Auch im Osten."
Zweifel am Funktionieren von Staat und Gesellschaft
Aber Kaiser weiß auch: Fragt man nach der Funktionsweise der Demokratie, dann sagen nur 68 Prozent, Demokratie bedeute, dass sich die Regierung an Beschlüsse des Parlaments und an die Gewaltenteilung halten müsse. Und 21 Prozent der Befragten sind für autoritäre Änderungen zumindest empfänglich. Und deshalb, so die Studie, bedeute die hohe Befürwortung der Demokratie nicht, "dass niemand eine autokratische beziehungsweise autoritär-staatliche Transformation der Gesellschaft unterstützt."
Deutsche spüren starke Änderungen bei der Verteidigung
Veränderungen in der Demokratie: Das war der Schwerpunkt der Untersuchung, für die vom Frühjahr 2025 bis in den September hinein 4000 repräsentativ ausgewählte Menschen in ganz Deutschland befragt wurden. Unter anderem sollten sie beantworten, in welchen Feldern der Politik sie die Änderungen am ehesten wahrnehmen.
Am stärksten ist dabei das Veränderungsgefühl bei der Verteidigung. Kein Wunder, denn seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine vor bald vier Jahren wird ständig über die Aufrüstung der Bundeswehr gesprochen. Hinzu kommt, dass sich die Deutschen auf den militärischen Beistand der US-Amerikaner unter Präsident Donald Trump nicht mehr verlassen können.
Deutsche grundsätzlich bereit zur Veränderung
Reinhard Pollak, Soziologe aus Mannheim, hat die Studie zusammen mit sieben Kolleginnen und Kollegen erarbeitet. Er fasst zusammen: "Ein Viertel der Bevölkerung möchte Veränderungen. Die Gruppe sagt, es braucht einen vielfältigen Wandel. Ein anderes Viertel sagt: Wir sind skeptisch, das geht uns zu schnell und ist zu tiefgreifend. Und eine breite Mitte ist ambivalent und sagt: Das kommt drauf an. Was uns überrascht hat ist, dass es überhaupt so ein ausgeprägtes Bild gibt, und die Menschen nicht überwiegend veränderungs-müde sind."
Differenziertes Bild beim Thema Migration
Die Deutschen denken laut der Studie auch über schwierige Politikfelder durchaus differenziert: Beim umstrittenen Thema "Migration" etwa findet eine breite Mehrheit von 68 Prozent, dass das Land Fachkräfte aus dem Ausland holen sollte. Und 59 Prozent finden, der Staat müsse die Integration von Zuwanderern besser fördern . Aber 28 Prozent meinen, durch die verstärkte Zuwanderung seit 2015 habe sich vieles zum Schlechten geändert.
Menschen in strukturschwachen Ostgebieten skeptischer
Auch wenn die Befürwortung der Demokratie in ganz Deutschland hoch ist: Unterschiede gibt es zwischen Ost und West, wenn nach der Funktionsweise von Staat und Gesellschaft gefragt wird. So hat das Forscher-Team festgestellt: Im Westen sind Optimismus und die Bereitschaft, Veränderungen mitzutragen, nicht abhängig davon, ob der Befragte in einer reichen oder eher armen Gegend wohnt. Im Osten schon. Das zeigt sich auch bei der Auswertung der Frage, wie die Menschen die Wiedervereinigung Deutschlands seit 1990 bewerten: Im Westen bewerten rund 55 Prozent flächendeckend die Einheit positiv, im Osten schwankt der Wert zwischen 72 Prozent Zustimmung in wirtschaftlich stärkeren Gegenden, vor allem in den Städten, und 49 Prozent in schwächeren Gegenden.
Die repräsentative Studie wurde gemeinsam vom Zentrum für Sozialforschung Halle, der Universität Jena sowie dem Leibniz-Institut Gesis erstellt und wird von der Ostbeauftragten gefördert.