Streik: Ryanair streicht Flüge und droht | Wirtschaft | DW | 11.09.2018
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Luftverkehr

Streik: Ryanair streicht Flüge und droht

Gleich zwei Gewerkschaften wollen Verbesserungen für Angestellte von Ryanair erzwingen. Der Billigflieger muss zahlreiche Verbindungen streichen und droht mit Entlassungen, die Gewerkschaften drohen mit neuen Streiks.

Wegen der für Mittwoch angekündigten Streiks bei Ryanair streicht der Billigflieger 150 von 400 geplanten Flügen von und nach Deutschland. Beim Streik der Piloten im August hatte das Unternehmen mitten in der Urlaubszeit europaweit rund 400 von etwa 2400 geplanten Flügen gestrichen.

Die betroffenen Kunden würden informiert und könnten auf andere Flüge umbuchen, sagte Marketingchef Kenny Jacobs am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main. Die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Verdi haben Piloten und Flugbegleiter von Ryanair für Mittwoch zu einem 24-stündigen Streik aufgerufen.

Ryanair bezeichnete die Ausstände als unnötig und inakzeptabel und forderte seine Beschäftigten auf, am Mittwoch zur Arbeit zu erscheinen.

Stellenabbau im Winter?

Der Billigflieger warnte gleichzeitig vor einem Personalabbau in Deutschland als Folge der Pilotenstreiks. Die kurzfristig einberufenen Streiks schadeten dem Geschäft von Ryanair in Deutschland und "könnten zu Streichungen von Flugzeugen und Stellen im deutschen Markt im Winter führen", erklärte Ryanair am Dienstag.

Verdi droht mit weiteren Streiks

Die Gewerkschaft Verdi will bei Ryanair weitere Streiks folgen lassen, wenn die irische Fluggesellschaft in den Tarifverhandlungen kein Entgegenkommen zeigt. "Wie es weitergeht, hängt vom Verhandlungsverlauf ab", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle am Dienstag in Berlin zu der bundesweiten Aktion am Mittwoch.

Verdi hat gemeinsam mit der Pilotengewerkschaft VC zum Streik aufgerufen. Ryanair habe an den zwölf Basen in Deutschland rund 1000 Flugbegleiter, davon seien 700 Leiharbeitnehmer, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Mira Neumaier. "Der größte Teil von ihnen ist inzwischen bei uns organisiert", ergänzte Behle.

Schlecht bezahlte Flugbegleiter

Neumaier nannte das Tarifangebot für die Flugbegleiter nach zwei Verhandlungsrunden völlig unzureichend. Es habe nur "sehr wenig Bewegung in nur kleinen Einzelpunkten gegeben". Das Basisgehalt solle nach dem Ryanair-Angebot über einen Zeitraum von drei Jahren nur um 41 Euro angehoben werden.

Für vollzeitbeschäftigte Ryanair-Flugbegleiter liege es derzeit zwischen 800 und 1200  Euro brutto monatlich. Mit Flugstunden-Vergütung und Zuschlägen kämen sie auf etwa 1800 Euro, die Crew-Leiter auf 2700 Euro. Das Niveau liege um etwa 1000 Euro unter vergleichbaren Billigfliegern wie Easyjet.

Nach Angaben von Verdi haben alle Kabinenbeschäftigten irische Arbeitsverträge. Diese sicherten zum Beispiel keine Entgeltfortzahlung bei Krankheit ab und erlaubten eine kurzfristige Versetzung an jeden andern Ryanair-Standort in Europa.

Ein Warnsignal der Piloten

Die Gewerkschaft Verdi geht von einer hohen Beteiligung am ersten gemeinsamen Streik der Flugbegleiter und Piloten in Deutschland aus. "Es gibt ein hohes Interesse daran, zu zeigen, dass man zusammensteht", sagte Verdi-Bundesvorstand Behle. "Wir haben den größeren Teil der Beschäftigten mittlerweile organisiert und es werden täglich mehr."

Ein Sprecher von Ryanair erklärte mit Blick auf die Streikankündigung der VC: "Da wir bereits örtliche Verträge und eine verbesserte Bezahlung angeboten haben, gibt es keine Rechtfertigung für weitere Störungen und wir fordern unsere deutschen Piloten auf, diesen Mittwoch ihre Arbeit anzutreten."

Mittwoch sei kein verkehrsstarker Tag, sagte Neumaier. Es handele sich um "ein Warnsignal" an den irischen Billigflieger. Ob es zu weiteren Arbeitskampfmaßnahmen komme, sei vom Verlauf der Verhandlungen mit dem größten europäischen Billigflieger abhängig. Ein nächster Termin für Tarifgespräche werde derzeit gesucht, sagte Behle.

dk/hb (dpa, rtr, afp)