Europaweiter Streik gegen Ryanair | Wirtschaft | DW | 10.08.2018
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Billigflieger

Europaweiter Streik gegen Ryanair

Der irische Billigflieger Ryanair bekommt den Zorn seiner Mitarbeiter nun richtig zu spüren: Wegen des größten Pilotenstreiks in der Geschichte der Firma muss Ryanair an diesem Freitag hunderte von Flügen streichen.

Ryanair-Streik Flughafen Schönefeld (picture alliance/dpa/B. Settnik)

Ryanair-Schalter am Flughafen Berlin-Schönefeld

250 Flüge fielen allein in Deutschland aus. Hier ist der Schwerpunkt der Streikaktionen. 42.000 Passagiere sind betroffen. Der Streik begann um 3.01 Uhr an allen deutschen Flughäfen. Er soll bis Samstag früh um 2.59 Uhr andauern.

Passagiere am Frankfurter Flughafen zeigten größtenteils Verständnis für den Streik der Piloten mitten in der Urlaubszeit. "Natürlich habe ich dafür Verständnis. Wenn sie irgendwann streiken, wo es niemanden betrifft, geht es ja am Ziel vorbei", sagte Alexander Kusto, der mit Ryanair eigentlich nach Malaga fliegen wollte, der Nachrichtenagentur Reuters.

Irland Ryanair-Piloten streiken (picture alliance / empics)

Ryanair-Pilot während eines Streiks im Juli in Irland

Im Streit um eine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen bei Europas größter Billigfluglinie legten auch Piloten in Belgien, Schweden und Irland die Arbeit nieder. Europaweit strich die Airline 400 Flüge von insgesamt 2.400. Der Ausstand durchkreuzte die Reisepläne von insgesamt 55.000 Passagieren in Europa. In den Niederlanden können nach Ryanair-Angaben alle Flüge planmäßig stattfinden, obwohl das Unternehmen vor Gericht mit dem Verbot des Streiks scheiterte.

"Wir wollen eine ganz klare Botschaft nach Dublin senden", sagte Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit: "Ryanair must change!" Eine Verlängerung über Samstagmorgen hinaus sei nicht geplant, sagte ein Cockpit-Sprecher.

Arbeitsplätze nach Polen verschoben

Ryanair bezeichnete den Streik als "bedauerlich und ungerechtfertigt." Der irische Konzern hat es inzwischen mit Beschäftigten in zahlreichen Ländern zu tun: Vor zwei Wochen hatten Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien über zwei Tage zusammen rund 600 Flüge mit knapp 100.000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. Unter den europäischen Piloten haben bisher einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt.

Portugal Passagiere am Ryanair Schalter (Reuters/R. Marchante)

Gestrandete Passagiere in Portugal während des vergangenen Streiks gegen Ryanair

Erst nach massivem Druck hatte Ryanair im Dezember erstmals in seiner mehr als 30-jährigen Geschichte Gewerkschaften anerkannt. Doch die Verhandlungen über den ersten Abschluss von Tarifverträgen laufen schleppend. Die deutsche Pilotengewerkschaft "Vereinigung Cockpit " (VC) will bei der irischen Gesellschaft ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag - ähnlich wie für andere Fluggesellschaften - etablieren.

In den Vorschlägen sind zahlreiche Details etwa zu Dienstzeiten, Versetzungen oder Fixanteilen des Gehalts enthalten. Ryanair will aber keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept in Frage stellen würden. Dem irischen Unternehmen wird immer wieder vorgeworfen, sein Personal deutlich schlechter zu bezahlen als andere Billigfluggesellschaften. Ryanair weist das zurück.

ar/jj (rtr, dpa, ap)

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