Still rolling on: Mick Jagger ist 75 | Musik | DW | 26.07.2013
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Geburtstag

Still rolling on: Mick Jagger ist 75

Erfolgreich war er schon sehr früh. Was aber wäre aus dem Frontmann der Rolling Stones geworden, wenn er nicht dabei erwischt worden wäre, als er öffentlich an die Wand einer Tankstelle pinkelte?

Zusammen mit Bandkollegen Brian Jones und Bill Wyman wird Mick Jagger 1965 wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses angeklagt. Die Geldstrafe macht ihnen höchstwahrscheinlich nicht viel aus, denn dieser Vorfall zementiert endgültig das Image der Rolling Stones als "böse Jungs", und liefert den Fans den Beweis dafür, dass Jagger und Co. Rebellen sind. Kurz darauf sorgt ihr Song "(I can't get no) Satisfaction" für den weltweiten Durchbruch der Band - und wird zur Hymne einer ganzen Generation.

Ob sich etwas wirklich lohnt, hat der ehemalige Student der Wirtschaftswissenschaften schon immer gewusst. In Mick Jagger vereinen sich zwei Talente, die nicht oft miteinander harmonieren: Einerseits ist er der kühle Rechner und Geschäftsmann, andererseits der charismatische Frontmann einer Band, deren Image es ist, immer und überall anzuecken. Die Bösen zu geben ist allerdings auch brillantes Kalkül, denn das Terrain der "braven Jungs" ist ja schon durch die Beatles besetzt.

Wie viel Schauspiel es für Mick Jagger bedeutete, den Zügellosen herauszukehren, das wird er vielleicht selbst nicht mehr beantworten können. Heute jedoch spielt er jene skandalträchtige Zeit herunter und sagt, sie seien doch nichts anderes gewesen als eine "Teenie-Pop-Band" und hätten nicht daran gedacht, rebellisch sein zu wollen.

Geburtsstunde auf dem Bahnhof

Mick Jagger, im Profil zu sehen, steht vor dem Mikrofon (Foto: Keystone/Getty Images)

Mick Jagger 1968

Für Mick Jaggers Freund und Stones-Gitarrist Brian Jones endete diese "harmlose Teenie-Band" in Drogensucht und mit seinem tragischen Tod 1969. Zusammen mit ihm und seinem anderen Kumpel Keith Richards startete Mick Jagger die Rolling Stones, nachdem er sich als Sänger schon einige Sporen in Alexis Korners Bluesband verdient hatte.

Der Legende nach trafen sich Mick Jagger und Keith Richards auf dem Bahnhof von Dartford in der Grafschaft Kent. Dort war Michael Philip Jagger am 26. Juli 1943 geboren worden - und an jenem Tag 1961 befand er sich auf dem Weg von zu Hause nach London zur School Of Economics, wo er studierte. Nach London wollte auch Richards, beide kannten sich aus der Schulzeit - denn auch er ist gebürtiger Dartforter. Man beschloss, sich zum Musik machen wieder zu treffen, und ein gutes Jahr später wurden The Rolling Stones aus der Taufe gehoben. Zusammen mit Keith Richards schreibt Mick Jagger bis heute die größten Hits für die Band - als Songschreiberteam vielleicht nur vergleichbar mit John Lennon und Paul McCartney. Jagger drückt den Stones mit seiner exaltierten Bühnenshow seinen unnachahmlichen Stempel auf - Richards liefert kongenial die einmaligen Gitarren-Riffs.

Die Stones in Deutschland

1965 betreten Mick Jagger und die Rolling Stones zum ersten Mal deutschen Boden. Am 11. September geben sie ihr erstes Konzert in Münster. Das Publikum reagiert euphorisch, wie schon zuvor die Fans in England und auf den Tourneen in den USA. Wie viel rebellisches Potential die Band um Mick Jagger bei ihrem Publikum wecken kann, zeigt sich vier Tage später. Das Konzert der Stones in der Berliner Waldbühne endet mit der totalen Zerstörung der Freilicht-Arena. Polizei und Fans liefern sich stundenlange Auseinandersetzungen, Wasserwerfer kommen zum Einsatz. Die Waldbühne selbst wird erst sieben Jahre später wieder instand gesetzt.

Kreischende Fans auf einem Konzert der Rockband Rolling Stones .1965 (Foto: Otto Noecker/ dpa - Report)

Euphorische Fans beim ersten Deutschlandkonzert 1965

Mick Jagger privat

Mick Jaggers Privatleben ist ebenso bewegt wie das seiner Band. 1970 dementiert er in einem Interview mit dem deutschen "Musik Express" noch irgendwelche Heirats- und Kinderpläne - eine spießige Ehe passt ja auch nicht so gut zum Rebellenimage - ein Jahr später ist er mit Bianca Perez Morena de Marcias verheiratet. Er unterschlägt dabei auch seine erste uneheliche, inzwischen einjährige Tochter Karis. Deren Mutter ist die Sängerin Marsha Hunt. Jaggers erstes Eheglück währt bis 1979 und kostet ihn mutmaßlich 2,5 Millionen Dollar Abfindung bei der Scheidung.

Seine zweite Ehe mit Jerry Hall dauert von 1990 bis 1999. Derzeit an seiner Seite: die Tänzerin Melanie Hamrick, die 43 Jahre jünger ist als er. Vor zwei Jahren ist Mick Jagger zum achten Mal Vater geworden und darf sich über fünf Enkel und sogar einen Urenkel freuen. Viel Zeit scheint er für die weit verzweigte Familie nicht zu haben. Ist er nicht im Dienste der Rolling Stones unterwegs, dann läuft irgendein Solo-Projekt oder er steht zusammen mit berühmten Kollegen am Mikrofon.

Mick Jagger mit Tina Turner vor dem Mikrofon (Foto: Amy Sancetta)

Tina Turner und Jagger: Zwei Superstars beim gemeinsamen Auftritt

Der Künstler abseits der Stones

Was andere Bandkollegen bereits vor ihm unternommen haben, wagt Mick Jagger erst 1985. Mit "She's the boss" veröffentlicht er sein erstes Solo-Album und landet bei seinen Fans einen Volltreffer. Es folgen noch weitere Werke und 2007 ein "Best of".

Die Liste der Künstler, mit denen er seit 1972 als Sänger und Musiker zusammen gearbeitet hat, ist so lang wie prominent. Da finden sich Namen wie Carly Simon, Tina Turner, Jerry Lee Lewis oder David Bowie. Mit ihm zusammen nimmt er 1985 den weltweiten Hit "Dancing in the street" auf, ein Benefiz-Projekt für Live Aid.

Auch als Filmschauspieler hat sich Mick Jagger immer wieder in Szene gesetzt. Sein Debüt gibt er 1970 in "Kelly, der Bandit", 2001 dreht er zuletzt mit George Hickenlooper "Ein Mann für geheime Stunden". Dabei wird ihm immer wieder mehr als nur Talent zum Schauspiel attestiert. Filmregisseur Werner Herzog sah ihn sogar als "tragische Lücke in der Filmgeschichte" und meinte 2012 in einem Interview, man habe Jagger nicht genügend gewürdigt als jemand, der als Schauspieler ganz groß hätte sein können.

Ein Ritter macht weiter

Lohn und Ehre für all seine künstlerische Umtriebigkeit: 2003 wird Michael Philip Jagger von Prinz Charles zum Ritter geschlagen - für seine "Verdienste um die populäre Musik", wie es in der Begründung heißt. Er darf sich nun "Sir" nennen.

The Rolling Stones auf der Bühne (Foto: Simone Joyner/Getty Images)

The Rolling Stones 2013 im Hyde Park

Und die Geschichte der Rolling Stones ist immer noch nicht zu Ende. Auch 2018 war die Band wieder auf Tournee - vor Kurzem haben sie den zweiten Teil ihrer "No Filter"-Tour beendet, während der sie auch zwei Konzerte in Deutschland gegeben haben, weniger als Rebellen, mehr als Premiumangebot: Die - legalen- Ticketpreise lagen zwischen 112 und 500 Euro. Da zeigt sich wieder der Geschäftsmann Sir Mick. Viel Geld verdienen, das geht auch noch nach seinem 75. Geburtstag am 26. Juli 2018. Andere sind in diesem Alter in Rente, Mick Jagger steht auf der Bühne.

Kumpel Keith Richards bringt es in einem Interview auf den Punkt und spricht damit vermutlich auch Mick Jagger aus der Seele: "Warum soll man aufhören, das zu tun, was einem Spaß macht - die Rente kann warten."

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