Sicherheitspolitik Saudi-Arabiens: Mehr Kooperationen
27. Januar 2026
Der Nahe Osten ist politisch in Bewegung. Anfang vergangener Woche trafen sich am Rande des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos der saudische Außenminister Prinz Faisal bin Farhan und sein ägyptischer Amtskollege Badr Abdelatty. Erörtert hätten sie "Themen von gemeinsamem Interesse", teilte das saudische Außenministerium mit.
Es gilt als wahrscheinlich, dass die beiden Außenminister nicht nur über die Einladung von US-Präsident Donald Trump in dessen "Friedensrat" sprachen, die beide Länder bereits angenommen haben. Es dürfte auch um Details eines neuen Verteidigungspakts zwischen Saudi-Arabien und Ägypten gegangen sein.
Doch nicht nur mit Ägypten steht das saudische Königreich dieser Tage sicherheitspolitisch in Kontakt. Riad strebt auch ein Verteidigungsabkommen mit Somalia an. Sollte das Horn von Afrika in das Abkommen zwischen Riad und Kairo einbezogen werden, würde dieser trilaterale Pakt den Einfluss Saudi-Arabiens und Ägyptens auf der afrikanischen Seite der wichtigen Schifffahrtsstraße Bab al-Mandab stärken. Diese verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean.
Eine "islamische NATO"?
Saudi-Arabiens militär- und sicherheitspolitische Aktivitäten gehen jedoch noch weiter. So berichtete das Nachrichtenportal Bloomberg kürzlich, die Türkei zeige zunehmend Interesse an einem Beitritt zum bestehenden "Strategischen Verteidigungsabkommen" zwischen Saudi-Arabien und Pakistan. Dieses besteht seit September letzten Jahres.
Würde es unterzeichnet, würde dieses von manchen Beobachtern als "islamische NATO" bezeichnete trilaterale Abkommen die pakistanische Atommacht mit saudischen Finanzmitteln und der türkischen Militärstärke vereinen.
"Dies wäre kein symbolischer Block", schrieb der italienische Politikberater Sergio Restelli im Januar in einem Gastbeitrag für die Zeitung Times of Israel. "Es würde nukleare Fähigkeiten, die Kontrolle strategischer Wasserwege, Expeditionsstreitkräfte und ideologischen Einfluss vereinen." Zusammen würden die in dem Bündnis versammelten Fähigkeiten eine transregionale, vom östlichen Mittelmeer über das Rote Meer bis zum Indischen Ozean reichende Achse schaffen. Eine solche geografische Kontinuität sei unter mehrheitlich muslimischen Mächten "beispiellos", so Restelli. "Sie würde das gegenwärtige, durch US-amerikanische Bündnisse und informelle regionale Abschreckung aufrechterhaltene Gleichgewicht unweigerlich in Frage stellen."
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass auch Israel seine Fühler in die Region ausgestreckt und kürzlich diplomatische Beziehungen mit der von Somalia abgespaltenen Region Somaliland aufgenommen hat - was in Somalia und in arabischen Ländern auf Besorgnis und ein überwiegend negatives Echo stieß.
Für Sami Hamdi, Geschäftsführer des Londoner Risiko- und Analyseunternehmens The International Interest, gehen die jüngste Initiativen Saudi-Arabiens für weitere Verteidigungsabkommen in der Region jedoch vor allem auf den schwindenden Schutzschirm der USA zurück.
"In der Region wächst die Überzeugung, dass die USA nicht mehr die Sicherheit der Golfstaaten gewährleisten können", sagt Hamdi im DW-Interview. Er verwies auf das Jahr 2019, als die USA nach einem Angriff der Huthi im Jemen auf saudische Ölanlagen nicht reagierten, sowie auf September 2025, als Israel, der engste Verbündete der USA in der Region, die politische Führung der Hamas in Katars Hauptstadt Doha militärisch angriff, obwohl auch Katar als politischer und militärischer Partner der USA gilt.
Geopolitische Spannungen
Und noch weitere Entwicklungen bestimmen die saudische Außenpolitik. So haben sich zuletzt vor allem die Spannungen zwischen den Golfstaaten Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) verschärft. Zurück geht die Entwicklung auf den Umstand, dass beide Staaten unterschiedliche, miteinander rivalisierende Gruppierungen im Sudan und im Jemen unterstützen. So attackierte die saudische Luftwaffe im Dezember ein Militärlager des von den VAE unterstützten Südlichen Übergangsrats in der jemenitischen Provinz Hadramaut - die VAE sahen sich genötigt, sich wenig später aus der Region zurückziehen.
Außerdem soll Riad der sudanesischen Armee Anfang Januar dieses Jahres über Pakistan ein Waffengeschäft im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar (1,23 Milliarden Euro) angeboten haben. Dieses soll den Sudan in seinem Krieg gegen die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) unterstützen. Die RSF werden laut zahlreichen Berichten von den VAE ausgerüstet, auch wenn Abu Dhabi dies immer wieder dementiert hat.
Das Streben nach neuen Sicherheitsabkommen in der Golfregion beschränkt sich - vor diesem Hintergrund besonders bemerkenswert - jedoch nicht allein auf Saudi-Arabien. Kürzlich unterzeichneten auch die VAE ein umfassendes außenpolitisches Abkommen - und zwar mit Pakistans großem Rivalen Indien. Dadurch wird Indien nicht nur zum größten Abnehmer von Flüssig-Erdgas in Abu Dhabi, sondern offenkundig auch zum engsten Partner in der nuklearen Zusammenarbeit.
"Bei dem Abkommen zwischen den VAE und Indien dürfte es nicht nur um Militärtechnologie gehen", meint Experte Hamdi. "Es ist auch ein politisches Signal." Angesichts der Spannungen zwischen Saudi-Arabien und den VAE versuchten die VAE, Stärke zu demonstrieren, so Hamdi. "Saudi-Arabien mag zwar geografisch die größere Macht sein. Dennoch genießen auch die VAE internationales Ansehen."
"Kein wirklicher Bruch"
Trotz dieser unterschiedlichen Bündnisse und widerstreitenden Interessen hält Cinzia Bianco, Golfexpertin beim European Council on Foreign Relations, es derzeit für schwer vorstellbar, dass es zwischen Riad und Abu Dhabi zu einem klaren Bruch kommen könnte. "Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch Saudi-Arabien sind Mitglieder von Donald Trumps Friedensrat", sagt sie.
Auch Saudi-Arabiens potenzieller neuer Sicherheitspartner, die Türkei, pflegt weiterhin enge Beziehungen zu den VAE. Daher sieht Bianco keine Hinweise, dass diese neuen Sicherheitsabkommen über Saudi-Arabien und die VAE hinaus einen wirklichen Bruch verursachen könnten. "Und wenn wir an die geopolitische Zusammenarbeit denken, kommt man ohne die USA als Partner kaum voran."
Die VAE beherbergen mehrere US-Militärbasen und gelten seit Längerem als enge Verbündete der USA. Doch zuletzt haben sich auch die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien durch mehrere Großabkommen weiter intensiviert. Verkündet wurden sie im Rahmen gegenseitiger Besuche von Trump und dem faktischen Herrscher Saudi-Arabiens, Kronprinz Mohammed bin Salman.
Im Vergleich dazu dürfte der Einfluss der neuen Sicherheitsabkommen letztlich doch begrenzt bleiben, prophezeit Hamdi, ebenso die Vision einer "islamischen NATO". Wichtig bei den angestrebten Abkommen seien jedoch der "Technologietransfer und das Streben nach einer gewissen Autonomie".
Aus dem Englischen adaptiert von Kersten Knipp.