Sheryl Sandberg: Bizz-Popstar im Facebook-Sumpf | Wirtschaft | DW | 22.11.2018
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Facebook

Sheryl Sandberg: Bizz-Popstar im Facebook-Sumpf

Sie gilt als feministische Ikone des Silicon Valley: Sheryl Sandberg ist eine der einflussreichsten Frauen weltweit. Doch in der aktuellen Facebook-Krise bekommt das bisher tadellose Image der Vizechefin erste Kratzer.

"Eine wirklich gerechte Welt wäre eine, in der Frauen die Hälfte der Länder und die Hälfte der Unternehmen führen", schreibt Sheryl Sandberg in ihrem Karriere-Ratgeber für Frauen. Der stammt aus dem Jahr 2013. Zu diesem Zeitpunkt war Sandberg bereits fünf Jahre Geschäftsführerin bei Facebook an der Seite von Mark Zuckerberg. Bei einer Weihnachtsparty soll der Facebook-Gründer auf sie aufmerksam geworden sein. Kurz darauf wirbt sie Zuckerberg von Google ab und macht sie zur Geschäftsführerin.

Sandberg baut das Werbegeschäft auf, sorgt für schwarze Zahlen, bringt Facebook in den Mainstream und 2012 an die Börse. Ihr Vermögen wird mittlerweile auf weit über eine Milliarde Dollar geschätzt. Auf der Forbes-Liste der einflussreichsten Frauen weltweit erscheint sie regelmäßig unter den Top Ten. Wenn die 49-Jährige eine Rede hält, bleibt kein Stuhl frei. Vor allem für viele Frauen ist Sandberg ein Symbol, dass es auch möglich ist, mit weiblichen Werten Karriere zu machen. "Ich gehe jeden Abend um 17:30 nach Hause, um mit den Kindern zu Abend zu essen", sagte sie in einem Interview vor einigen Jahren. "Es kommt darauf an, was du schaffst, nicht wie lange du da bist."

Sheryl Sandberg Mark Zuckerberg Facebook (picture-alliance/dpa)

Sandberg an der Seite von Zuckerberg beim Börsengang 2012

Auch die jüngsten Facebook-Affären um  die mögliche russische Einflussnahme auf die US-Präsidentschaftswahlen oder der Datenskandal um Cambridge-Analytica prallten ohne Schaden an ihr ab. Wohl auch, weil der häufig roboterhaft wirkende Mark Zuckerberg genügend Angriffsfläche bietet - zumindest bisher.

Flecken auf der weißen Weste

Doch mehrere Zeitungsberichte kratzen nun an Sandbergs Image. Folgt man der "Washington Post", so ist sie intern bei Facebook bereits angezählt. Demnach habe Zuckerberg seine Geschäftsführerin im Frühjahr für ihren Umgang mit den Enthüllungen rund um Cambridge Analytica kritisiert. Das "Wall Street Journal" zitierte Freunde von Sandberg damit, dass die Topmanagerin nach dem Treffen befürchtet habe, ihren Job zu verlieren und spürbar angeschlagen gewesen sei.

Neue Recherchen der "New York Times" wiegen nun besonders schwer. Im Mittelpunkt des Artikels stehen Verbindungen von Facebook zu dem PR-Unternehmen Definers Public Affairs. Die Washingtoner PR-Fabrik überträgt Strategien aus dem Wahlkampf in die Wirtschaft. Dazu gehört die Verbreitung von negativen Berichten über Kritiker.

So stammen mehrere kritische Berichte über Apple und Google aus der Feder einer Schwesterfirma des Unternehmens. Auch George Soros steht auf der Abschussliste der Agentur. Sie alle hatten sich kritisch über Facebooks Haltung zur Nutzung mit privaten Daten geäußert. Wenn es um das Thema Privatsphäre gehe, sei Facebook bereit "mit Dreck um sich zu werfen", berichtet ein Mitarbeiter der PR-Agentur im Bericht der "New York Times". "Ich wusste nicht, dass wir sie (die Agentur) beauftragt haben oder darüber, was sie tun, aber ich hätte es wissen müssen", so Sandberg auf ihrem Facebook-Profil. Mittlerweile sei die Zusammenarbeit aufgekündigt.  

Zuckerbergs schützende Hand

Das Eingeständnis ist für Branchenkenner ein Zeichen der Schwäche. Sandberg kümmert sich neben dem Werbegeschäft auch um politische Fragen bei Facebook. Sie sei "komplett ersetzbar", sagte der Management-Guru Jeffrey Sonnenfeld in einem TV-Interview. Und auch Zuckerberg befeuerte Spekulationen, als er ihre Arbeit in einer Telefonkonferenz mit Journalisten als "insgesamt" gut beschrieb.

In einem am Mittwoch (21.11.) ausgestrahlten CNN-Interview stellt sich Zuckerberg nun aber hinter Sandberg. Er sei stolz auf die gemeinsame Arbeit und hoffe, noch "Jahrzehnte" mit ihr zusammenzuarbeiten. Auch ein Bauernopfer hat das Führungsduo nun wohl gefunden. So übernahm der Politik-Chef Elliott Schrage in einer internen E-Mail die Verantwortung für die Zusammenarbeit mit der Agentur Definers, wie das Technologieblog "TechCrunch" berichtete.

Washington Kongress Social Media Anhörung (Getty Images/D. Angerer)

Sandberg bei einer Anhörung im Kongress wegen möglicher ausländischer Einflussnahme auf soziale Netzwerke

Ob Facebook aber für Sandberg ein Lebenswerk oder nur ein nächster Schritt ist, daran scheiden sich die Geister. Schaut man auf ihren Lebenslauf, dann sind zehn Jahre in einem Unternehmen bereits eine lange Zeit: Auf Bestnoten beim Studium der Volks- und Betriebswirtschaft in Harvard folgte Arbeit im Washingtoner Politbetrieb - unter anderem als Stabschefin von Finanzminister Larry Summers. Auch auf ihrer Vita: Die Unternehmensberatung McKinsey und die Weltbank. 2001 ging es zu Google, wo sie dabei half, das Anzeigengeschäft aufzubauen.

Bereit für den nächsten Schritt?

Dennoch dürfte Facebook das Sahnehäubchen ihrer Karriere sein. Seit sie dort dirigiert, haben sich die Nutzerzahlen auf über zwei Milliarden erhöht - Sandberg begann bei 100 Millionen. Sie optimierte das Anzeigengeschäft für Mobiltelefone und sorgte für maßgeschneiderte Werbung.

Das für die Werbeerlöse nötige Sammeln gigantischen Datenmengen hat die aktuellen Krisen bei Facebook auch massiv begünstigt. Aber mit Rückschlägen kann die zweifache Mutter umgehen. Zumindest im Privatleben ist sie Schlimmeres gewohnt. 2015 starb ihr Ehemann mit 47 Jahren an einem Herzinfarkt. Den Neustart ihres Lebens verarbeitete sie in einem Buch.

Auch wegen solcher Steh-Auf-Fähigkeiten werden Sandberg immer wieder Ambitionen außerhalb von Facebook unterstellt. So manch einer munkelt auch über eine Rückkehr in die Politik. Egal wie sie sich entscheidet: Facebook wird wohl weiterhin in der Schusslinie stehen. Es wird für Sheryl Sandberg wohl langsam Zeit, sich zu entscheiden. Für oder gegen Facebook.  

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