Facebook-Datenskandal: Was bisher geschah | Welt | DW | 10.04.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Internet

Facebook-Datenskandal: Was bisher geschah

Der Skandal um Facebook und Cambridge Analytica hat sich immer mehr ausgeweitet. Was aber hat den Social-Media-Konzern derart in die Defensive gebracht?

USA | Mark Zuckerberg (Getty Images/J. Sullivan)

Mark Zuckerberg muss für den Datenskandal Abbitte leisten

Facebook sah sich in den vergangenen Wochen massiver Kritik ausgesetzt, weil die Datenanalysefirma Cambridge Analytica mehr als 87 Millionen Nutzerdaten unrechtmäßig abschöpfen konnte. Der Datenskandal im Überblick:

Whistleblower Christopher Wylie Ex-Mitarbeiter Cambridge Analytica (Reuters/H. Nichols)

Brachte den Datenskandal ins Rollen: Christopher Wylie, Ex-Mitarbeiter von Cambridge Analytica

Die Enthüllung

Mitte März 2018: Ein ehemaliger Mitarbeiter von Cambridge Analytica lässt die Katze aus dem Sack. Der Politikberatungsfirma, die unter anderem für das Wahlkampfteam des heutigen US-Präsidenten Donald Trump gearbeitet hatte, waren Jahre zuvor Informationen mehrere Millionen Facebook-Nutzer weitergegeben worden. 

Ein App-Entwickler hatte sie über eine Umfrage auf Facebook eingesammelt und dann unrechtmäßig an Cambridge Analytica weitergereicht. Das Pikante für Facebook: Das Soziale Netzwerk wusste seit Ende 2015 davon, verließ sich aber auf die Zusicherung, dass die Daten vernichtet worden seien und informierte seine Nutzer damals nicht.

Die Empörung

Politiker sowohl in Europa als auch in den USA zeigten sich aufgebracht. Schnell wurden Forderungen nach strengerer Regulierung des Datenschutzes im Internet laut. Die britische Datenschutzbehörde ließ Daten bei Cambridge Analytica beschlagnahmen. Darauf beruft sich Facebook. Man könne nicht mehr angeben, welche Informationen genau in die Hände von Cambridge Analytica gelangt seien.

Das Nostra Culpa

Über Wochen ebbte der globale Sturm der Entrüstung über Facebook nicht ab. Firmengründer und Chef Mark Zuckerberg hatte den Orkan zunächst über sich hinwegfegen lassen und sich in den Medien kaum zu Wort gemeldet. Dann startete er eine Entschuldigungs-Kampagne: In Blog-Einträgen und einer Telefonkonferenz mit Journalisten räumte er ein: "Das war unser Fehler." Facebook habe nicht genug unternommen, um seine Nutzer zu schützen. Zuckerberg versprach schärferen Datenschutz für die Zukunft.

Das Mea Culpa

Auf seiner Entschuldigungstour ging Zuckerberg nun über das Eingeständnis der Verantwortung seines Unternehmens hinaus: Das "war mein Fehler", sagte er. Er trage am Ende die Verantwortung für alles, was bei Facebook passiere. Zugleich betonte Zuckerberg, er sei nach wie vor die richtige Person, um Facebook zu führen, da er aus Fehlern lerne.

Die Abbitte

Das Schuldeingeständnis verwandelte Facebook in konkrete Gegenmaßnahmen. Zuckerberg versprach schärferen Datenschutz für die Zukunft. Ad hoc reduzierte Facebook nach eigener Aussage den Zugriff von App-Entwicklern auf Nutzerinformationen deutlich und Nutzer bekommen mehr Möglichkeiten zum Schutz ihrer Privatsphäre gemäß der EU-Datenschutz-Grundverordnung.

Auch will Facebook künftig bei der Personalisierung der Werbung nicht mehr auf die Informationen externer Datenhändler zurückgreifen. Wer Anzeigen zu politischen Themen schalten will, muss Identität und Standort bestätigen - das soll Manipulationen wie Propaganda aus Russland im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 verhindern.

EU-Datenschutzregeln - also doch?

Zudem sollen ab Mai die Nutzungsbedingungen in einem seit langem geplanten Schritt an die EU-Datenschutz-Grundverordnung angepasst werden. Genau das aber, eine weltweite Anwendung der neuen EU-Datenschutzregelungen, hatte Zuckerberg noch Anfang April in einem Interview abgelehnt. Damals ließen seine Äußerungen darauf schließen, dass US-Facebook-Nutzer künftig schlechter gestellt sein könnten als Nutzer in der Europäischen Union. Die EU-Datenschutz-Grundverordnung tritt im Mai in Kraft. Ziel ist es, personenbezogene Daten besser zu schützen und die Verarbeitung der Daten durch Firmen einheitlicher zu gestalten. Sollten Unternehmen gegen die Auflagen verstoßen, drohen ihnen Strafzahlungen von bis zu 20 Millionen Euro oder bis zu vier Prozent ihres weltweiten Umsatzes.

Die Sache mit den Troll-Armeen und möglicher Wahlmanipulation

Neben dem hohe Wellen schlagenden Datenskandal um Cambridge Analytica geriet Facebook in einer anderen Causa in die Kritik: Ganze Heerscharen von Internet-Trollen missbrauchten die Plattform im US-Wahlkampf. Unter anderem die in Russland ansässige Gruppe und mutmaßliche Troll-Farm "Internet Research Agency" hatte in großem Stil versucht, über gefälschte Facebook-Profile soziale Spannungen in den USA gezielt zu verschärfen und Stimmung für den schließlich siegreichen Kandidaten Donald Trump zu machen.