Schauspieler Bruno Ganz im Alter von 77 Jahren gestorben | Aktuell Kultur | DW | 16.02.2019
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Kultur

Schauspieler Bruno Ganz im Alter von 77 Jahren gestorben

Er zählte zu den größten Theater- und Filmschauspielern im deutschsprachigen Raum. Seine wohl bekannteste Rolle war die Schreckensgestalt der deutschen Geschichte: Adolf Hitler in "Der Untergang".

Der Schauspieler Bruno Ganz ist im Alter von 77 Jahren in Zürich gestorben. Wie sein Management mitteilte, erlag er einer Krebserkrankung. Ganz spielte in rund 100 Filmen und zahlreichen Theaterinszenierungen mit. Seine wohl schwierigste Rolle war die des Adolf Hitler in "Der Untergang". Wie er diese Aufgabe meisterte, fand bei der Kritik höchste Anerkennung. Der Film selbst, der die letzten zwölf Tage des deutschen Diktators 1945 darstellt, wurde hingegen heftig diskutiert.

1996 hatte Ganz den Iffland-Ring erhalten, eine Auszeichnung, die dem "jeweils bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters" auf Lebenszeit verliehen wird - und die sich einreihte in viele weitere Ehrungen und Preise.

Gründungsmitglied der Berliner Schaubühne

Mehr als drei Jahrzehnte zuvor, 1962, kam der Schweizer für sein erstes Bühnenengagement nach Göttingen. Anfang der 70er Jahre zählte er zu den Gründungsmitgliedern der Berliner Schaubühne. Dort arbeitete er - wie schon bei seinem zweiten festen Engagement in Bremen - mit Regisseur Peter Stein, der für seine weitere Entwicklung stilprägend wurde. Das Haus, das überragende Schauspieler versammelte, wurde zu dieser Zeit eine feste Größe in der europäischen Theaterlandschaft.

Filmstill - Der Himmel über Berlin mit Bruno Ganz und Solvieg Dommartin 1987 (picture-alliance/Everett Collection)

1987 gab Ganz einen der Engel in "Der Himmel über Berlin" ...

Ganz spielte in Berlin die Titelrolle in Ibsens "Peer Gynt", in "Kleists Traum vom Prinzen Homburg" in der Fassung von Botho Strauß und in Shakespeares "Hamlet", inszeniert von Klaus Michael Grüber. Im Jahr 2000 verhinderte ein Sturz während der Probenarbeiten, dass der Darsteller an Steins Mammutprojekt teilhatte, Goethes "Faust" in mehr als 20 Stunden vollständig auf der Weltausstellung EXPO in Hannover aufzuführen - er konnte die Rolle später in der Hauptstadt übernehmen und wurde dafür 2001 mit dem Theaterpreis Berlin geehrt.

Profiliertes Gesicht des Neuen Deutschen Films

Nicht nur auf den Theaterbühnen, auch im Film eroberte sich Ganz einen Platz an der Spitze. Besonders fruchtbar wurde seine Zusammenarbeit mit Wim Wenders, unter dessen Regie er einen der Engel in "Der Himmel über Berlin" spielte. Er war in vielen internationalen Produktionen zu sehen, etwa in Filmen von Eric Rohmer und Theo Angelopoulos. Für seine Darstellung eines alten, todkranken Schriftstellers in "Die Ewigkeit und ein Tag" unter der Regie von Angelopoulos wurde Ganz beim Filmfestival in Cannes 1998 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Den Schweizer Filmpreis als bester Darsteller bekam er 2001 für die Hauptrolle als trauriger Kellner Fernando in der Komödie "Brot und Tulpen".

Himmel über Berlin - Feier 20 Jahre nach der Premiere des Wim Wenders Films mit Otto Sander und Bruno Ganz (picture-alliance/Eventpress)

... und feierte 20 Jahre nach der Premiere, 2007, noch einmal mit Regisseur Wim Wenders

Der Schauspieler, der mit Francis Ford Coppola, Werner Herzog, Volker Schlöndorff und Hans W. Geißendörfer drehte, führte auch selbst Regie, so 1982 in dem Film "Gedächtnis" mit Otto Sander. Ebenso machte er sich einen Namen als Rezitator und Hörbuchsprecher. Im Fernsehen war der Sohn eines Schweizer Fabrikarbeiters und einer Italienerin eher selten zu sehen. 1996 hatte er seinen ersten "Tatort"-Auftritt. 1999 erhielt er den Grimme-Preis für seine Darstellung im Nachkriegsdrama "Gegen Ende der Nacht".

Krisen und Brüche

Ganz, der auch mit dem Europäischen Filmpreis, dem Bundesverdienstkreuz und der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet wurde, war eher holperig in seine Karriere gestartet. "Als Junge war ich krankhaft schüchtern", erzählte er viele Jahre später. Kurz vor dem Abitur hatte er das Gymnasium verlassen. Nach einem Paris-Aufenthalt besuchte er Abendkurse am Zürcher Bühnenstudio und, eher sporadisch, den Unterricht an der Schauspielschule. Doch er machte seinen Weg. "Wenn man so eine Arbeit gefunden hat, dann ist das schon ein Geschenk", sagte er im Rückblick 2017 der "Neuen Zürcher Zeitung".

Gruno Ganz (Getty Images/D. Bindl)

Die letzte von rund 100 Filmrollen: Ganz als Sigmund Freund in "Der Trafikant" (2018)

In seinem Privatleben hatte Ganz wiederholt Krisen und Brüche zu verkraften. In einem Interview bekannte er sich 2010 zu seiner Alkoholsucht, die er nach eigenen Worten inzwischen überwunden hatte. Im Sommer 2018 musste er ein Engagement bei den Salzburger Festspielen wegen einer Krebsdiagnose absagen. Nun ist der Schauspieler, der in seinen Rollen oft Todkranke verkörpert hatte, dieser Krankheit erlegen. "In Sterberollen lernt man, dass es einem nicht hilft, sich auf den eigenen Tod vorzubereiten", hatte er einst in einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" bekannt.

jj/hk (dpa, afp, munzinger)

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