Rundes Jubiläum mit viel Prominenz: Die 75. Filmfestspiele Venedig | Filme | DW | 28.08.2018
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Filmfestspiele Venedig

Rundes Jubiläum mit viel Prominenz: Die 75. Filmfestspiele Venedig

Das Staraufgebot ist groß in diesem Jahr. Insbesondere viele Regieschwergewichte konnte das Filmfestival 2018 für den Wettbewerb um den Goldenen Löwen gewinnen. Gut vertreten ist auch der Streaminganbieter Netflix.

Man muss nicht direkt von einer Festival-Revolution sprechen. Doch dass gleich drei Netflix-Produktionen im Wettbewerb von Venedig (29.08.-08.09.2018) dabei sind, lässt doch aufhorchen. Schließlich ist der Streit des Filmfestivals von Cannes mit dem US-amerikanischen Streaminganbieter noch in frischer Erinnerung. Im Kern könnte es bei der Auseinandersetzung der großen Festivals mit Netflix, Amazon und Co. immerhin auch um eine der Zukunftsfragen des Kinos gehen - nämlich wie das Publikum in den kommenden Jahrzehnten Filme schaut.

Drei Netflix-Produktionen im Löwen-Rennen

Cannes hat sich dafür entschieden, künftig keine Netflix-Produktionen mehr zu zeigen. Schließlich gibt es gute Argumente dafür, dass diese Portale zu den Totengräbern des Kinos werden könnten. Venedig springt nun in die Lücke und hat mit den neuen Filmen der Brüder Ethan und Joel Coen (USA), Paul Greengrass (GB) und Alfonso Cuarón (Mexiko) gleich ein paar Schwergewichte der internationalen Kinoszene eingeladen, die ihre Filme entweder mit Netflix-Geldern produziert haben oder demnächst dort veröffentlichen wollen.

Guillermo del Toro im Anzug auf dem roten Teppich in Venedig. (picture-alliance/AP Photo/D. Stinellis)

Der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro leitet in diesem Jahr die Jury

Dazu kommt "The Other Side of the Wind", das legendäre, nie zu Ende gedrehte Filmprojekt von Orson Welles, dessen Material sich Netflix vor einiger Zeit gesichert hat und das US-Regisseur Peter Bogdanovich nun zu Ende gedreht hat und am Lido präsentiert. Netflix wird also zum großen Festivalplayer. Über die Folgen dieser Entwicklung wird in Zukunft noch zu reden sein.

Viele Regiegrößen im Venedig-Wettbewerb

21 Filme bewerben sich in diesem Jahr um den Goldenen Löwen. Der Jury sitzt der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro vor, mit dabei ist auch der Schauspieler Christoph Waltz.

Das Programm klingt vielversprechend, vor allem wenn man sich die Liste der Regisseure vor Augen führt. Neben den Genannten sind die Franzosen Jacques Audiard und Olivier Assayas, der Italiener Luca Guadagnino, der Grieche Yorgos Lanthimos, der Ungar László Nemes, der Brite Mike Leigh und der Amerikaner Julian Schnabel vertreten. Sie alle können auf renommierte Preise, Auszeichnungen und diverse Festivalteilnahmen zurückblicken. Die Australierin Jennifer Kent ist die einzige Frau in dieser illustren Runde.

Ryan Gosling als Neil Armstrong in einer Rakete im Film First Man. (picture-alliance/dpa/Universal Pictures)

Ryan Gosling als Neil Armstrong im Eröffnungsfilm "First Man"

Der oscarverwöhnte, junge Damien Chazelle, seit "La La Land" (2017) auch eine international bekannte Regiegröße, wird das Festival mit seinem Astronauten-Epos "First Man" mit Ryan Gosling am 29. August offiziell eröffnen. Erzählt wird darin vor allem die Vorgeschichte des ersten erfolgreichen Mondfluges und seines "Hauptdarstellers" Neil Armstrong.

"Werk ohne Autor" tritt für Deutschland an

Den Sprung in den Wettbewerb hat in diesem Jahr auch ein deutscher Oscarpreisträger geschafft. Florian Henckel von Donnersmarck präsentiert am 4. September seinen Film über Euthanasie und Kunstgeschichte: "Werk ohne Autor" erzählt, angelehnt an die Biografie von Gerhard Richter, dessen Kinderjahre, die erste Zeit als Künstler und den Durchbruch in den 1960er Jahren. Schaut man also allein auf die Prominenz der Regisseure, dürfte in diesem Jahr einiges zu erwarten sein am Lido beim Ringen um die Silbernen und den Goldenen Löwen. 

Die Preisträger zweier Trophäen stehen bereits seit längerem fest. Der kanadische Filmemacher David Cronenberg und die britische Schauspielerin Vanessa Redgrave werden für ihr Lebenswerk geehrt.

Tom Schilling in Werk ohne Autor an einem Gemälde arbeitend. (picture-alliance/dpa/Disney)

Tom Schilling als deutscher Künstler in "Werk ohne Autor"

In den Neben-Sektionen kommen ebenfalls einige vielversprechende Filme zur Aufführung: Das Regiedebüt des Schauspielers Bradley Cooper, "A Star is Born", präsentiert Lady Gaga in der Hauptrolle. Auch neue Filme des bosnisch-serbischen Regie-Enfant-Terribles Emir Kusturica und des chinesischen Großmeisters Zhang Yimou werden gezeigt. Dazu kommen Werke von Dokumentarfilmstars wie Errol Morris und Frederick Wiseman.

Das Kino-Comeback des Alexander Kluge

Und dann kehrt auch noch ein legendärer deutscher Regisseur an den Lido zurück. 32 Jahre nach seinem letzten Kinofilm und ein halbes Jahrhundert nach seinem Goldenen Löwen für "Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos" präsentiert Altmeister Alexander Kluge in Italien seinen neuen Film "Happy Lamento" in der Reihe "Venice Days". Man darf gespannt sein.

Schwarz-weiß-Aufnahme einer Frau, die den Kopf nachdenklich auf den Händen abstützt; Still aus Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos von Alexander Kluge. (Imago/Zuma/Keystone)

Szene aus Kluges Goldener-Löwe-Film "Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos"

Kluge, ein Klassiker der deutschen Nachkriegskinogeschichte, hätte mit seinem Film wohl auch in die Sektion "Venice Classics" gepasst. In dieser Reihe werden restaurierte Meisterwerke der Filmgeschichte gezeigt. Im 75. Jubiläumsjahr des ältesten Filmfestivals der Welt fällt diese Sektion 2018 besonders üppig aus: Meisterwerke von Paul Wegener, Robert Siodmak, Alain Resnais und anderen Größen werden dort im festlichen Rahmen präsentiert.

So erwartet die Filmwelt in den nächsten Tagen einer der vielversprechendsten Festivaljahrgänge in Venedig, unter der Ägide des künstlerischen Direktors Alberto Barbera. Entscheidend wird dabei aber sein, wie stark die Filme aus künstlerischer Perspektive ausfallen - unabhängig davon, ob sie nun ein großes Studio aus Hollywood oder Europa produziert hat, oder der neue Player Netflix. Denn auch diese Erkenntnis wird sich langsam durchsetzen: Auch Netflix ist zunächst einmal ein Anbieter, der Filme produziert - gute und schlechte.

Mehr zum Filmfestival in Venedig auch in der neuen Ausgabe von KINO.

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