Robert Koch-Institut erklärt Südtirol zum Coronavirus-Risikogebiet | Aktuell Welt | DW | 06.03.2020
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COVID-19

Robert Koch-Institut erklärt Südtirol zum Coronavirus-Risikogebiet

Als vierte Region in Italien hat das Robert Koch-Institut Südtirol als Coronavirus-Risikogebiet eingestuft. Dort gibt es bisher zwei Infizierte. In Deutschland steigt die Zahl der Corona-Erkrankungen abermals deutlich.

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Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin, Lothar Wieler, begründete die Entscheidung mit der Anzahl der Infektionen und der Dynamik der Ausbreitung des Coronavirus in der norditalienischen Region. In Deutschland würden mittlerweile 36 Corona-Fälle in Verbindung mit Südtirol stehen, sagte Wieler nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung. In Italien gelten bereits die Regionen Emilia-Romagna, Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien als Risikogebiete. Auch Gebiete in China, Südkorea und dem Iran werden vom RKI als Risikogebiete angesehen. Am Mittag riet das Auswärtige Amt in Berlin von nicht erforderlichen Reisen in die italienischen Regionen Südtirol, Emilia-Romagna und Lombardei sowie in die Stadt Vo derzeit ab.

In Deutschland kletterte die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus auf 534. Das sind nach Angaben des RKI 134 mehr als am Donnerstagnachmittag. Der Erreger ist inzwischen in 15 Bundesländern nachgewiesen, die meisten registrierten Fälle seit Jahresanfang gibt es in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern. In Sachsen-Anhalt wurde bislang keine Infektion gemeldet. In Deutschland erfasst das Robert Koch-Institut kontinuierlich die aktuelle Lage bei dem Virus, bewertet alle Informationen, schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein und stellt Empfehlungen für die Fachöffentlichkeit zur Verfügung.

Robert Koch Institut Coronavirus (Reuters/A. Hilse)

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler

Nach Einschätzung des RKI hat die Ausbreitung des Coronavirus hierzulande ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Wann dies der Fall sein werde, könne man nicht sagen. "Wir wollen ihn so lange wie möglich hinauszögern", unterstrich Wieler. "Wir müssen alles daransetzen, dass wir die Ausbreitung des Virus verlangsamen." In Deutschland gebe es aber eine kontinuierliche Zunahme: "Das wird auch in den nächsten Tagen und Wochen noch so weitergehen."

Spahn lehnt Einschränkungen von Reisen ab

Trotz der raschen Ausbreitung des Coronavirus ist Gesundheitsminister Jens Spahn gegen Reisebeschränkungen innerhalb der Europäischen Union. "Ich fände jede Maßnahme, die zur Einschränkung des Reiseverkehrs über die Grenze führt, angesichts dessen, was wir über das Virus Stand heute wissen, weiterhin nicht für angemessen", sagte der CDU-Politiker vor einem EU-Sondertreffen in Brüssel. Die Gesundheitsminister der 27 EU-Staaten treffen sich bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen, um ihre Maßnahmen gegen die neue Krankheit COVID-19 abzustimmen.

Die Lage habe sich seither dynamisch verändert, sagte Spahn. Damals sei es darum gegangen, die in China ausgebrochene Epidemie aus der EU fernzuhalten. Das sei auch einige Zeit gelungen. Nun sei die Krankheitswelle angekommen. "Jetzt geht es gemeinsam darum, das gemeinsam einzudämmen", sagte Spahn. Bis Donnerstag waren nach Angaben der EU-Behörde ECDC in der Europäischen Union rund 4200 Infektionen registriert. In Deutschland wurde noch kein Todesfall dem Virus zugeschrieben, europaweit sind es 112.

Hunderttausender Marke überschritten

Die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Menschen hat nach einer Erhebung der Johns Hopkins University in den USA erstmals die Marke von 100.000 überschritten. Auf der speziellen Website der Universität, die weltweit die Ausbreitung erfasst, werden zuletzt weltweit 100.330 Fälle erfasst, in denen Menschen an COVID-19 erkrankt sind. Demnach sind 55.694 Menschen davon bereits geheilt, 3408 Erkrankte sind gestorben.

Virus in USA auf dem Vormarsch

Das Coronavirus erfasst mit steigenden Fallzahlen immer weitere Teile der USA. Landesweit wurden am Donnerstag mindestens 57 neue Infektionen gemeldet. Damit sind laut der Regierung in Washington jetzt mindestens 150 Fälle bestätigt. Mindestens zwölf Menschen starben an der Atemwegserkrankung. Zuletzt wurden Ansteckungen auch in Colorado, Maryland, Tennessee und Texas registriert, womit nun 17 Bundesstaaten betroffen sind. Brennpunkt der Krankheitswelle ist der Großraum Seattle im Nordwesten der USA. Dort sind allein in einem Altenheim sechs Menschen dem Virus erlegen. US-Vizepräsident Mike Pence, der den Kampf gegen die Epidemie koordiniert, versprach bei einem Besuch in der Region Hilfen. Noch an diesem Freitag will Präsident Donald Trump insgesamt 8,3 Milliarden Dollar Hilfsgelder freigeben. Der US-Kongress hatte das Hilfspaket am Donnerstag auf den Weg gebracht.

Die Virus-Ausbreitung in den USA hat die Wall Street auf Talfahrt geschickt. Das Thema beschäftigt auch die US-Notenbank: Fed-Mitglied Robert Kaplan sieht die Zahl der Neuinfektionen in den USA als zentralen Faktor bei der nächsten Zinsentscheidung. Die Unternehmenswelt ist auch praktisch betroffen. So forderten Google, Microsoft, Amazon und Facebook nach ersten Fällen ihre insgesamt mehr als 100.000 Beschäftigten im Großraum Seattle auf, von zu Hause aus zu arbeiten. Facebook und Google rieten zuletzt auch rund um San Francisco zum Home-Office.

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Wieder mehr Infektionen in China

Schlechte Nachrichten kommen aus Peking: Nach einem kurzzeitigen Rückgang der Neuansteckungen in China ist die Zahl der neu mit dem Coronavirus infizierten Menschen in der Volksrepublik wieder gestiegen. Die Gesundheitsbehörden in Peking vermeldeten 143 neu bestätigte Infektionen. Nach 139 neuen Fällen am Donnerstag hat die Zahl der Neuinfektionen damit bereits den zweiten Tag in Folge wieder zugelegt. China meldete zudem 30 weitere Todesfälle. Damit wurden in der Volksrepublik mittlerweile mehr als 80.500 Infektionen und 3042 Tote verzeichnet.

In China, dem Ausgangspunkt der Epidemie, nimmt inzwischen auch die Zahl der Erkrankten zu, die sich im Ausland mit dem Erreger der Atemwegserkrankung COVID-19 angesteckt haben. Allein an diesem Freitag kamen 16 neue Fälle hinzu, wie die Behörden mitteilten. Insgesamt wurden in China demnach 36 Infektionen im Ausland verzeichnet.

Inzwischen meldete auch das südasiatische Bhutan einen ersten Coronavirus-Fall. In dem kleinen Land am Rande des Himalayas, das sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Touristenziel entwickelt hat, wurde ein US-Tourist positiv auf das Virus getestet, wie Regierungschef Lotay Tshering mitteilte. Der 76-jährige Mann kam demnach am Montag nach einer Indien-Reise nach Bhutan und wurde Donnerstag mit Fieber in ein Krankenhaus eingeliefert. Bhutans Regierung ordnete ein sofortiges Einreiseverbot für ausländische Touristen an, das zunächst zwei Wochen gelten soll. In drei Regionen, darunter auch die Hauptstadt Thimphu, wurden die Schulen für zwei Wochen geschlossen.

Virus erreicht den Vatikan

Auf dem Gelände des Vatikan hat es den ersten Fall eines mit dem Coronavirus infizierten Patienten gegeben. Wie Vatikansprecher Matteo Bruni bestätigte, wurden am Morgen die Räume der vatikanischen Ambulanz desinfiziert, weil dort am Donnerstagabend ein Patient behandelt wurde, der positiv auf das Virus getestet worden war.

kle/se (dpa, afp, rtr, kna, RKI)

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