Restauriert und wiederzuentdecken: Filmgeschichte(n) | Filme | DW | 01.12.2018
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Sicherung des Filmerbes

Restauriert und wiederzuentdecken: Filmgeschichte(n)

Netflix und Co setzen fast ausschließlich auf Neues. Die Politik aber bemüht sich um den Erhalt des Filmerbes. Wir stellen 10 DVD-Neuerscheinungen aus verschiedenen Ländern vor: Filmgeschichte für zu Hause.

Am 1. Januar 2019 tritt ein von Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Experten verschiedener Couleur vereinbartes millionenschweres Programm zur Sicherung des Filmerbes in Kraft. Jährlich zehn Millionen Euro fließen ab 2019 in die Digitalisierung des deutschen Films - und das zunächst einmal zehn Jahre lang. 100 Millionen Euro ist eine hübsche Summe, auch wenn viele Experten meinen, dass auch das noch viel zu wenig sei für die Herkules-Aufgabe Filmerbe.

Die anderen Künste haben es einfacher

Worum geht es? Im Kern geht es letztendlich um die Frage, wie eine ganze Kultursparte für die Zukunft gerüstet werden kann. Der Vergleich mit anderen Künsten ist hier hilfreich.

Um alte (oder auch neuere) Gemälde zu sichern, nehmen Kunst-Restauratoren viel Geld in die Hand. Sie sorgen dafür, dass ein Gemälde von Albrecht Dürer oder Caspar David Friedrich auch in vielen Jahren noch so gezeigt werden kann wie zur Zeit seiner Entstehung. Diese Gemälde hängen dann meist im Museum.

Staatsministerin für Kultur und Medien - Monika Grütters (picture alliance/dpa/S. Stache)

Kulturstaatsministerin Monika Grütters

Musik wird konserviert, indem alte Partituren gesammelt und gepflegt werden - und dann zur Aufführung kommen. Im Klassikland Deutschland sind Beethoven-Symphonien oder Bach-Konzerte tagtäglich irgendwo zu hören - in den Kulturmetropolen, aber auch in der Provinz. Die Literatur hat es in dieser Hinsicht auch nicht so schwer. Bücher können für relativ wenig Geld immer wieder neu gedruckt werden. Die Menschen müssen sich nur die Mühe machen, sie zu lesen. Das Kunstwerk entsteht dann sowieso im Kopf.

Was ist beim Medium Film anders? Zwei Dinge machen den Unterschied aus: Die Erhaltung eines Films sowie die Möglichkeit, diesen auch zu betrachten. Zunächst einmal ist es teuer, Filme überhaupt zu erhalten. Analoge Filmrollen zerfallen irgendwann und müssen ersetzt werden. Das geschieht in den letzten Jahren mit Hilfe digitaler Techniken. "Gerade weil der Erhalt unseres Filmerbes so zeitkritisch ist, dürfen wir nicht riskieren, dass noch weitere Jahre vergehen", so Kulturstaatsministerin Monika Grütters. 

Viel Aufwand und hohe Kosten

Doch die neuen Techniken sind - im Gegensatz zu früheren Erwartungen - kein Allheilmittel. Auch digitale Trägermittel sind dem Zahn der Zeit ausgesetzt. Sie müssen also immer wieder neu übertragen werden. Zudem ist es sehr teurer, einen alten Film zu rekonstruieren und zu restaurieren.

Filmarchiv (picture-alliance/dpa)

Blick in ein Filmarchiv - analoge Filmrollen spielen auch heute noch eine wichtige Rolle

Das zweite Problem liegt in der Abspielpraxis. Früher konnte man sich die Werke der Filmgeschichte im Kino anschauen, auch im Fernsehen. Später kam die VHS-Kassette dazu, heute erscheinen alte Filme auf DVD oder Blu-ray.

Dieses Konstrukt ist ins Wanken geraten. Die Kinos zeigen vor allem aktuelle Filme - von ein paar kommunalen Kinos und engagierten Film-Initiativen abgesehen, die sich Kinogeschichte auf die Fahnen geschrieben haben. Das war früher anders. Auch die Subvention der kommunalen Kinoszene ist, im Vergleich zu der finanziellen Ausstattung von Oper und Theater, wesentlich geringer.

Filmgeschichte verschwindet aus dem linearen Fernsehen

Die Ausstrahlungspraxis des deutschen Fernsehens hat sich ebenfalls radikal verändert. Selbst öffentlich-rechtliche Anstalten kümmern sich kaum noch um Filmgeschichte - von Nischensendern wie Arte und 3 SAT einmal abgesehen.

Festival Film:ReStored der Deutschen Kinemathek (Deutsche Kinemathek)

Das Berliner Filmfest "Film:ReStored" kümmert sich seit 2016 um das deutsche Filmerbe

Und die derzeit so beliebten Streaminganbieter? Netflix, Amazon und Co pumpen ihr Geld zu 99 Prozent in die Produktion von Neuware - Filmgeschichte ist (begrenzt) auch in diesem Bereich nur bei einigen kleinen (meist europäischen) Anbietern zu finden. Will man sich also einen Film von Fritz Lang oder Rainer Werner Fassbinder anschauen, ist das gar nicht so einfach.

Klassiker auf DVD und Blu-ray

Bleibt immerhin das Angebot auf DVD oder dem Blu-ray-Format. Das ist durchaus vorhanden. Doch einerseits sind diese Trägermedien aus besagten Gründen auch nicht für die Ewigkeit. Andererseits stößt man immer wieder auf große Lücken, zumal wenn man sich ein wenig abseits eingetretener filmhistorischer Pfade bewegt - zum Beispiel, wenn man sich mit dem Kino außerhalb von Hollywood und Europa beschäftigt. Trotzdem bleibt für die Filmgeschichte oft nur die DVD.

Filmstill Wenn es Nacht wird in Paris (Studiocanal)

Filmische Leckerbissen wie die Werke von Jacques Becker sind heute oft nur noch auf DVD und Blu-ray zu sehen: "Wenn es Nacht wird in Paris" (1954)

Monika Grütters hat auf dem ersten Filmerbe-Festival in Berlin schon vor zwei Jahren betont, dass "Filme das sichtbarste Gedächtnis unserer Nation" seien: "Dramen, Komödien oder Krimis (sind) Ausdruck einer Zeit, eines Lebensgefühls, einer bestimmten Gesellschaftsordnung", so die Ministerin. Nicht zuletzt deswegen wird im Hause Grütters gerade an einer langfristigen Digitalisierungs-Strategie gearbeitet.

Filme wieder entdecken - nicht nur im Kino

Auch aus diesem Grunde stellt die Deutsche Welle seit vielen Jahren, Monat für Monat, Filme aus der Kinohistorie vor, die auf DVD und Blu-ray erscheinen. Dabei haben wir als Sender, der sich an ein Publikum speziell im Ausland richtet, nicht nur deutsche Filmgeschichte im Sinn. Es gibt zahlreiche Beispiele von Werken berühmter Regisseure, die lange nicht auf großer Leinwand zu sehen waren - oder nur in veralteten Fassungen auf DVD vorlagen.

Filmstill Hunger in Waldenburg (Absolut Medien)

Alte Filme dokumentieren auch historische Dramen: Thema Hungersnot in "Um's tägliche Brot"

Im Dezember, ein paar Wochen vor Weihnachten auch als Geschenktipp gedacht, stellen wir Ihnen in unserer Bildergalerie zehn Neuerscheinungen sehenswerter Filme vor, die in jüngster Zeit auf DVD oder Blu-ray erschienen sind. Darunter sind bekannte und vergessene Filme, solche, die ihren Platz in der Filmgeschichte bereits gefunden haben und andere, die filmgeschichtliche Nebenwege beschreiben. Filme aus Hollywood und Frankreich sind in unserer Auswahl, aus Italien und Deutschland, von Größen wie Martin Scorsese oder Jean Renoir, aber auch kaum bekannte Werke wie Phil Jutzis "Hunger in Waldenburg" aus der Zeit der Weimarer Republik.

Martin Scorseses "King of Comedy" und Billy Wilders "Zeugin der Anklage" sind beim Anbieter "FilmConfect Home Entertainment" erschienen. "23 Schritte zum Abgrund" liegt bei "Pidax" vor, dort sind auch "Es geschah Morgen" von René Clair und Vittorio de Sicas Meisterwerk "Fahrraddiebe" erschienen. "Rächer der Enterbten" ist bei "Koch Films" herausgekommen, "Verdammt zum Schweigen" bei "Endless Classics". Jean Renoirs "Das Verbrechen des Herrn Lange" sowie "Goldhelm" sind beim Anbieter "Studiocanal" erschienen, letzterer in einer Jacques- Becker-Edition mit drei weiteren Filmen des französischen Regisseurs. "Um's tägliche Brot" liegt bei bei "Absolut Medien" vor.

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WWW-Links

DW KINO-Moderatoren Hans Christoph von Bock & Scott Roxborough (DW/S. Bartlick)

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Was sind die besten Dramen, die lustigsten Komödien, die Top-Schauspielerinnen und die größten Leinwandhelden? In der Serie "KINO Favoriten" präsentiert das DW-Filmmagazin seine ganz persönliche Auswahl.