Peter Bosz: Wie gewonnen, so zerronnen | Fußball | DW | 25.11.2017
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Bundesliga

Peter Bosz: Wie gewonnen, so zerronnen

Nach einem Revierderby mit zwei völlig verschiedenen Halbzeiten ist die Zukunft von Trainer Peter Bosz beim BVB weiter fraglich. Der Trainer muss machtlos zusehen, wie sein Team das Spiel aus der Hand gibt.

Vom Deppen zum Helden und direkt wieder zurück zum Deppen - diesen Wandel in der Betrachtung von außen hat BVB-Trainer Peter Bosz während des Revierderbys seiner Dortmunder gegen den FC Schalke vollzogen. Vor der Partie war Bosz noch der Depp. Besonders ihm wurde angekreidet, dass die Dortmunder von neun Pflichtspielen zuletzt nur das im Pokal gegen Drittligist Magdeburg gewinnen konnten. Es war klar, dass der Niederländer, der nach dem perfekten Saisonstart der Dortmunder bereits für eine Wachablösung im deutschen Fußball verantwortlich gemacht worden war, bei einer Derbypleite seinen Hut beim BVB hätte nehmen müssen. Vielfach war bereits zu hören: Der ist weg vom Fenster! Und es wurde sogar schon über Jupp-Heynckes-artige Lösungen der Nachfolgeregelung debattiert, Ottmar Hitzfeld und Matthias Sammer als Nothelfer gehandelt.

Dann aber folgte diese erste Halbzeit: Innerhalb von nur 13 Minuten fielen vier Tore für die Schwarz-Gelben. 4:0 stand es nach nur 25 Minuten, zur Halbzeit schien das 91. Duell der beiden Ruhrpottklubs in der Bundesliga komplett entschieden. Bosz war wieder obenauf, sein Job gerettet - so wirkte es. "Die haben uns an die Wand gespielt", bekannte Schalke-Trainer Domenico Tedesco, "da ist es nicht einfach, dagegen zu halten."

Dann aber setzte das große Zittern ein: Tedesco reagierte und schickte seine Spieler mit deutlich verbesserter Einstellung zurück auf das Feld. Ungefähr nach einer Stunde fielen kurz hintereinander die ersten beiden Schalke Tore und sorgten für noch mehr Wackelpudding in den Dortmunder Beinen. Dann musste auch noch Pierre-Emerick Aubameyang nach einem blöden Tritt gegen Amine Harit mit Gelb-Rot vom Platz - und anschließend kam es, wie es wohl kommen musste.

Kredit aufgebraucht?

"Das ist schwer. Man fühlt im Körper nur Enttäuschung", sagte Bosz nach dem Abpfiff. Er hatte es nicht geschafft, seinen Mannen von außen soviel Ruhe und Selbstvertrauen einzuflößen, um den kompletten Einbruch zu verhindern. "Das darf niemals passieren, auch nicht mit der Roten Karte, die wir bekommen haben. Wir haben keinen Fußball mehr gespielt, waren zu schnell den Ball los, haben die Räume nicht genutzt. Aber ich will nicht nach Entschuldigungen suchen."

Michael Zorc und Peter Bosz (Getty Images/AFP//N. Schmidt)

Wie lange schaut sich BVB-Sportdirektor Zorc (l.) das noch an? Bosz (r.) muss um seinen Job bangen

Möglicherweise muss der Niederländer das auch gar nicht mehr lange tun. Nach zehn Pflichtspielen, von denen neun nicht gewonnen wurden, ist der Kredit Boszs bei seinen Bossen so gut wie aufgebraucht. Doch zumindest beim Ligaspiel bei Bayer Leverkusen am kommenden Samstag wird er noch auf der Bank sitzen - wohl auch mangels kurzfristiger Alternativen.

Ob es wirklich am Trainer liegt, dass eine ganze Mannschaft mit einer 4:0-Führung im Rücken aus Angst vor der Blamage so einknickt, wie es die Dortmunder gegen Schalke getan haben, ist fraglich. Allerdings ist diese Frage im Grunde auch nicht mehr entscheidend: Denn am Ende muss einer den Kopf hinhalten, und das ist dann eben meistens der Trainer.

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