Oscar-Reform für mehr Vielfalt im Kino | Filme | DW | 09.09.2020
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Hollywood

Oscar-Reform für mehr Vielfalt im Kino

Nach jahrelangen Protesten reagiert Hollywood mit neuen Regeln für die Oscars. Die Filme müssen künftig Kriterien wie Inklusion und Diversität erfüllen.

Mehrere goldene Trophäen des US-amerikansichen Filmpreises Oscar (Foto: picture alliance/dpa).

Oscar soll künftig Schauspieler und Filmschaffende aller Bevölkerungsgruppen ehren

Die wichtigsten Filmpreise der Welt stehen seit Längerem in der Kritik: zu weiß, zu männlich, zu wenig divers lauteten die Vorwürfe. Manche erklärten die  Oscars sogar für überflüssig. Nun reagiert die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, deren mehr als 9000 Mitglieder jedes Jahr die Oscar-Preisträger bestimmen. Die historische Reform betrifft die höchste Auszeichnung, die Kategorie "Bester Film". Bis zu zehn Filme werden seit 2010 in dieser Kategorie für einen Oscar nominiert.

Regisseur Bong Joon-ho hält einen Oscar in der Hand

Regisseur Bong Joon-ho erhielt 2020 für die Gesellschaftssatire "Parasite" einen Oscar

Man musste kein Kaffeesatzleser sein, sondern sich nur den Gewinner des "Besten Films 2020" ansehen, um eine neue Richtung bei der Vergabe der Oscars zu erkennen. "Parasite", eine Gesellschaftssatire über das soziale Ungleichgewicht in Südkorea, also eine fremdsprachige Produktion mit asiatischen Schauspielern, erhielt die begehrte Trophäe.

Ab 2024 müssen Filme, die sich für die Oscar-Verleihung qualifizieren wollen, neue Aufnahmebedingungen erfüllen. Diese stellte die Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Los Angeles nun vor.    

Demonstrant hält ein Protestplakat mit der Schrift #OscarsSoWhite hoch

Afroamerikaner rufen seit 2015 mit dem Hashtag #OscarsSoWhite zum Boykott der Oscars auf

Oscars sollen Gleichberechtigung und Integration fördern

Künftig sollen in dem Wettbewerb mehr Frauen, Vertreter von Minderheiten, LGTB - also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans-Menschen - sowie Menschen mit Behinderungen vertreten sein. Richtschnur sind dabei vier Kriterien,von denen mindestens zwei erfüllt sein müssen: Vielfalt vor der Kamera, in der Filmcrew, im Produktionsstudio und bei anderen Bereichen zur Filmentwicklung und -veröffentlichung. "Vielfalt vor der Kamera" bedeutet beispielsweise, dass mindestens eine Hauptrolle oder eine wichtige Nebenrolle mit einem Schauspieler einer ethnischen Minderheit besetzen sein muss. Oder dass bei mindestens 30 Prozent der Zweitrollen unterrepräsentierte Gruppen zum Zuge kommen. 

"Obwohl die Academy Fortschritte gemacht hat, wissen wir, dass noch viel mehr getan werden muss, um Chancengleichheit in allen Bereichen zu gewährleisten", erklärte Dawn Hudson, Vorsitzende der Academy, noch im Juni in einer Pressemitteilung. "Wir müssen uns mehr öffnen, damit sich Vielfältigkeit unserer Weltbevölkerung sowohl bei der Produktion von Kinofilmen als auch beim Publikum, das sich mit ihnen verbindet, widerspiegelt", sagten Academy-Präsident David Rubin und und die Vorsitzende Dawn Hudson nun in einer gemeinsamen Presseerklärung. "Wir glauben, dass diese Inklusionsstandards einen lang anhaltenden, grundlegenden Wandel in unserer Branche beschleunigen werden."

Schluss mit Rassismus und Klischees im Hollywood-Kino

Seit der Social-Media-Kampagne #OscarsSoWhite hat die Akademie verschiedene Anstrengungen unternommen, um neue Mitglieder aufzunehmen. Die Zahl der Frauen und der nicht-weißen Mitglieder sollte sich bis 2020 verdoppeln. Das ist gelungen: 45 Prozent der diesjährigen Mitglieder sind Frauen, 36 Prozent von ihnen gehören Minderheiten an.

Für die Demonstration am Times Square in New York legten sich die Menschen mit den Händen auf dem Rücken auf den Boden

Nach dem Tod von George Floyd im Mai 2020 demonstrierten Tausende auf dem Times Square in New York

Im Juni wurde bereits die neue Task Force für Vielfalt angekündigt. Vorausgegangen waren Massenproteste gegen Rassismus in den USA nach der Ermordung des Schwarzen George Floyd durch Polizisten in Minneapolis. Auch wenn die neuen Kriterien für den Oscar erst ab 2024 gelten, bereits in den Jahren 2022 und 2023 müssen die Produzenten über die Vielfalt ihrer Produktionsteams Rechenschaft ablegen.

Seit Kurzem veranstaltet die Academy bereits Podiumsgespräche unter dem Motto "It Starts with Us" (dt. "Es beginnt mit uns"). Die Zukunft wird zeigen, ob dieses Maßnahmenpaket dabei hilft, dass Minderheiten und andere Bevölkerungsgruppen bei den Oscar-Nominierungen nicht mehr übersehen werden.

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