Online statt Leinwand - Großes Fußball-Kino für zuhause | Sport | DW | 26.03.2020
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Coronavirus-Pandemie

Online statt Leinwand - Großes Fußball-Kino für zuhause

Das diesjährige 11mm-Fußball-Filmfestival wurde aufgrund der Coronavirus-Pandemie verschoben. Stattdessen steht jeden Tag eine Auswahl von Kurzfilmen online zur Verfügung - Festival-Feeling von zu Hause aus.

Der übliche grüne Rasenteppich wird an diesem Wochenende nicht für die Fussballfans und Kinoliebhaber ausgerollt. Die Türen des Berliner Kinos "Babylon" bleiben geschlossen. Nur wenige Tage vor der Eröffnung musste auch das Internationale Fussballfilmfestival 11mm passen und gesellte sich zu den vielen kulturellen Opfern der Coronavirus-Pandemie. Die 17. Ausgabe des weltweit führenden Filmfestivals, das ausschließlich dem Fußball gewidmet ist, sollte vom 26. bis 30. März stattfinden. Doch die Notmaßnahmen haben das öffentliche Kulturleben in der deutschen Hauptstadt zum Erliegen gebracht.

"Am selben Tag, an dem die Programme in Druck gehen sollten, mussten wir alles absagen", beklagt 11mm-Mitorganisator Jochen Lohmann. "Es ist auf jeden Fall irritierend, nachdem wir fast ein Jahr lang vorbereitet haben. Aber das ganze Team ist sich einig, dass es die logische und richtige Entscheidung war."

Die Organisatoren von 11mm haben jedoch schnell kreative Maßnahmen ergriffen, um die Lücke zu füllen. Nach dem Durchstöbern der Festivalarchive hat das Team der Fussballfilm-Freunde eine Reihe von zuvor gezeigten Kurzfilmen kuratiert, die online verfügbar sind. Jeden Tag um 11:11 Uhr MEZ werden die Kurzfilme über die Website und sozialen Medienkanäle verbreitet.Die Online-Ausgabe mit dem Namen "Shortkicks@home" ist ein virtuelles Kurzfilmfestival, das man von zu Hause aus genießen kann.

Kultur wird digital

11mm ist nicht das einzige kulturelle Ereignis, das so den Weg in die Wohnzimmer der Menschen sucht. Viel mehr entwickelt sich aus der Corona-Krise heraus ein globaler, digitaler Megatrend. Viele Theater, Konzerthäuser und Kinos bieten eine Online-Version ihrer Veranstaltungen an. Für viele ist es eine Frage des Überlebens.

Doch während die unter Quarantäne stehenden Fussballfans der Welt immer noch ohne Live-Sportarten auskommen müssen, vermitteln wenigstens die 11-mm-Filme ein wenig Fussballkultur und geben damit Trost. "Die Fans sind ängstlich, einsam oder gelangweilt, und Kurzfilme bieten einen Ausweg", so Lohmann gegenüber der DW. Doch neben der eskapistischen Unterhaltung bieten die gewissenhaft ausgewählten "Shortkicks@home" Material für den interkulturellen Austausch.

Zeichen der Solidarität

Laut Lohmann sind die drei Filme, die für Donnerstag, den 26. März (das Datum, an dem das Festival begonnen hätte) ausgewählt wurden, ein Gruß an Spanien - eines der europäischen Länder, das am stärksten vom COVID-19-Ausbruch betroffen ist.

Zum einen hätte an diesem Datum das Freundschaftsspiel zwischen Spanien und Deutschland stattfinden sollen, das abgesagt werden musste. Die Geste soll aber auch die Solidarität mit den spanischen 11mm-Fußballfilmfestivals wie dem "Offside Fest" in Barcelona zum Ausdruck bringen, das aufgrund der Krise ebenfalls verschoben wurde.

Darüber hinaus soll das Festival durch die Online-Auftritte in den Köpfen der Fans präsent bleiben, bis es nachgeholt werden kann. Die Festivalleitung hofft, dass die jährliche Veranstaltung noch im Jahr 2020 stattfinden wird, wenn auch in der zweiten Jahreshälfte. Ein Termin steht noch nicht fest.

Sie können das Risiko nicht eingehen

Nationalspielerin Alexandra Popp war als Ehrengast eingeladen (picture-alliance/C. Erler)

Nationalspielerin Alexandra Popp war als Ehrengast eingeladen

Jedes Jahr gehen bei 11mm Einreichungen in verschiedenen Filmgenres von Filmemachern aus aller Welt ein. Das diesjährige Programm wurde mit über 60 internationalen Filmen gestartet, von einem Dokumentarfilm über die afghanische Fussballnationalmannschaft bis hin zu einem animierten Kurzfilm über ein Spiel zwischen Flusspferden und Elefanten.

Deutsche Legenden wie Paul Breitner und Pierre Littbarski sowie die aktuellen deutschen Nationalspielerinnen Alexandra Popp und Almuth Schult waren als Gäste eingeplant. Auch der Oscar-gekrönte Regisseur Asif Kapadia sollte seinen jüngsten Dokumentarfilm "Diego Maradona" persönlich vorstellen. Jetzt, mit der Verschiebung, ist vieles ungewiss.

"Wir haben alle Möglichkeiten in Betracht gezogen, aber dies war die logische Konsequenz. Wir sind uns sehr bewusst, dass wir eine Verantwortung für unsere Mitarbeiter, unsere Helfer und natürlich für die Öffentlichkeit und unsere Gäste haben", so Lohmann. "Man kann einfach nicht riskieren, dass ältere Gäste wie Paul Breitner in einer solchen Situation zu Besuch kommen."

Der Fussball kommt nach Hause

Obwohl "Shortkicks@home" in diesen schwierigen Zeiten sicher etwas Freude verbreiten wird, kann es kein gleichwertiger Ersatz für das eigentliche Festival-Erlebnis sein. Zwischen den Vorführungen vermischen sich Fans ganz locker mit internationalen Filmemachern und Sportlern auf dem grünen Rasenteppich vor dem Kino.

Angesichts der aktuellen Situation kann 11mm nur eine virtuelle Retrospektive seiner Filme aus der Vergangenheit präsentieren. Aber hoffentlich werden die 11mm-Filme in diesem Jahr trotzdem - wie vorgesehen - noch auf der großen Leinwand gezeigt.