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Olympische Winterspiele: Team D mit Rekordzahl am Start

Andreas Sten-Ziemons mit dpa, DOSB
20. Januar 2026

Der DOSB hat 183 Sportlerinnen und Sportler für die Olympischen Winterspiele in Italien nominiert. Vorfreude und Erwartungen sind groß. Gleichzeitig gibt es Frust über die Quotenregel des IOC bei den Nicht-Nominierten.

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Logos Team Deutschland auf Fahnen bei Einkleidung für Winterspiele 2026
Vorfreude auf Mailand und Cortina: 183 deutsche Wintersportlerinnen und Wintersportler sind dabeiBild: Frank Hoermann/Sven Simon/picture alliance

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat 188 Athletinnen und Athleten für die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo nominiert. Das Team fällt damit so groß aus wie noch nie zuvor. Vor vier Jahren in Peking gehörten 148 Sportlerinnen und Sportler zum deutschen Team, der bisherige Rekord datiert mit 161 Aktiven von 2006 in Turin.

DOSB‑Präsident Thomas Weikert sieht die Mannschaft, auch was die sportliche Leistungsfähigkeit angeht, gut aufgestellt und blickt mit Vorfreude nach Norditalien.

"Unser Team D ist bereit, die deutschen Fans zu begeistern und für unvergessliche Momente zu sorgen", wird er auf der Internetseite des DOSB zitiert. "Ich wünsche allen Athletinnen und Athleten viel Erfolg und dass ihr olympischer Traum genau so in Erfüllung geht, wie sie sich das wünschen."

Große Namen, realistische Erwartungen

Zu den Nominierten zählen zahlreiche erfahrene Olympiastarter und Medaillengewinner. Im Bob führt Francesco Friedrich das Aufgebot an, im Biathlon ist Franziska Preuß erneut dabei, und Eishockey‑Routinier Moritz Müller gehört ebenso zum Kader wie Bob-Olympiasiegerin Laura Nolte und Kombinations-Star Vinzenz Geiger.

Olaf Tabor mit Brille und gelbem Kapuzenpullover bei DOSB Pressekonferenz zur Olympia Nominierung für die Winterspiele 2026
Olaf Tabor, Chef de Mission des deutschen Olympia-TeamsBild: Peter Kneffel/dpa/picture alliance

DOSB‑Vorstand Leistungssport und Chef de Mission Olaf Tabor nannte die Teilnahme am Team Deutschland das Größte, was Aktive erreichen könnten, und gratulierte den Nominierten ausdrücklich. Doch Tabor zeigte sich zugleich realistisch. 

"Wir wollen als Wintersportnation vorne dabei sein, denn unsere Athletinnen und Athleten gehören zu den Besten der Welt, aber sie sind keine Maschinen", sagte er. "Um bei Olympischen Spielen erfolgreich sein zu können, muss in dem einen entscheidenden Moment wirklich alles stimmen. Es gilt jetzt, fokussiert und vor allem gesund und fit zu bleiben. Und dann bin ich mir sicher, dass wir hervorragende Winterspiele in Mailand Cortina erleben werden." 

Wertschätzung aus der Politik

Rückendeckung erhält das Team auch von Athletensprecherin Mareike Miller, die im DOSB‑Präsidium sitzt. Sie betonte, wie besonders Olympische Spiele für Sportlerinnen und Sportler seien, und wünschte erfolgreiche, faire und saubere Wettkämpfe.

"Für Athletinnen und Athleten sind Olympische Spiele einfach immer etwas ganz Besonderes und ich freue mich daher auch, dass das Team D das Zeichen der Wertschätzung erfährt, dass der Bundespräsident, der Bundeskanzler und weitere hochrangige deutsche Politikerinnen und Politiker nach Italien reisen werden", sagte die erfolgreiche Rollstuhlbasketballerin.

Demnächst soll auch festgelegt werden, wer bei der Eröffnungsfeier am 6. Februar die deutsche Fahne ins Stadion tragen darf. Eine Athletin und ein Athlet sollen gemeinsam die deutsche Delegation anführen. Der DOSB trifft dafür eine Vorauswahl, über die ab dem 26. Januar abgestimmt werden kann. Das öffentliche Voting läuft eine Woche und endet am 3. Februar.

Sofa statt Spiele

Trotz starker Leistungen und internationaler Titel können einige deutsche Wintersportler die Spiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo nur von zu Hause  aus verfolgen. Schon vor der offiziellen DOSB-Nominierung stand fest, dass auch etablierte Namen außen vor bleiben.

Dazu gehören unter anderem der formschwache Skispringer Karl Geiger, die Rodel-Weltmeister Paul Gubitz und Hannes Orlamünder und die Nordische Kombiniererin Nathalie Armbruster - was verschiedene Gründe hat.

Kritik am Quotensystem

Einerseits verwehrt die seit Jahren umstrittene Quotenregel des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) einigen deutschen Top-Wintersportlern den Olympia-Start. Sie legt genau fest, wie viele Startplätze jede Nation erhält - und sorgt so für teils eklatante Schieflagen.

"Die Quotenberechnung passt schon seit Jahren nicht, das ist nicht neu. Dass beispielsweise Nationen, die nur einen Fahrer mit Weltcup-Niveau stellen, drei Startplätze bekommen, kann nicht im Sinne des Leistungssports sein", sagte der Sportvorstand des Deutschen Skiverbands, Wolfgang Maier. "Aber es ist eigentlich auch zwecklos, sich ständig öffentlich darüber zu äußern, da die Entscheidungsträger bei der FIS [Internationaler Skiverband, Anm. d. Red.] und beim IOC sind."

Skirennläufer Lucas Pinheiro Braathen beim Weltcup-Slalom in Wengen
Lucas Pinheiro Braathen startete früher für Norwegen und seit 2024 für Brasilien, die Heimat seiner MutterBild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/picture alliance

Der Ärger beschränkt sich nicht auf Deutschland. Im alpinen Bereich sorgt die Verteilung für besonders viel Kopfschütteln. Dass Brasilien dank der Leistungen von Lucas Pinheiro Braathen drei Startplätze erhält, löste bei den Österreichern fassungslose Reaktionen aus. Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer sprach sogar von einem "Riesen-Bullshit". Zwar sei eine breitere Nationenvielfalt grundsätzlich wünschenswert, so Pfeifer, doch die aktuellen Regeln gingen deutlich zu weit.

Nordische Kombination auf dem Prüfstand

Besonders hart trifft es die Nordische Kombination. Nur drei deutsche Athleten dürfen nach Italien - ein drastischer Einschnitt für eine der erfolgreichsten Wintersport-Nationen überhaupt. 2022 in Peking waren es noch fünf gewesen.

Hintergrund: Die Gesamtzahl der Athleten soll bei Winterspielen nicht steigen, gleichzeitig wollen IOC und FIS mehr Länder beteiligen. Dazu wurden klassische Teamformate gestrichen, zugunsten kleinerer Events mit nur zwei Startern.

Nordische Kombiniererin Nathalie Armbruster mit Skiern und Blumenstrauß in der Hand bei Siegerehrung in Oberhof
Nathalie Armburster muss zuschauen, weil es bei Olympia keine Frauen-Wettbewerbe in der Kombination gibtBild: Hendrik Schmidt/dpa/picture alliance

"Das ist sehr, sehr schade, dass unsere Quoten so gekürzt wurden. Es ist sehr traurig, dass wir jetzt nur drei Leute dabei haben", sagte Olympiasieger Vinzenz Geiger, der in Mailand am Start sein wird.

Bei der besten deutschen Frau, der Kombinations-Gesamtweltcupsiegerin Nathalie Armbruster, ist das nicht der Fall - allerdings nicht wegen der Quote, sondern weil ihre Disziplin nach wie vor nicht olympisch und in Italien daher gar nicht vertreten ist. Ob die sogenannte "Königsdisziplin des Wintersports" auch 2030 noch zum Olympiaprogramm gehören wird, steht auf dem Prüfstand und ist nicht garantiert.

Die Anzahl der Nominierten wurde am 21. Januar aktualisiert, nachdem die genau Anzahl der alpinen Skirennläufer feststand, die mit nach Mailand und Cortina fahren.